Germanen, Römer und ein verborgenes Dorf

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Teilnehmer der Wandergruppe im TSV-Egestorf besuchen das römisch-germanische Schlachtfeld am Harzhorn.

Getreu dem Zitat von Peter Sirius*) : Viel wandern, macht bewandert, machten sich die Wanderer zu einer sehr interessanten und geschichtsträchtigen Wanderung von Harriehausen zum Harzhorn , dann weiter über den Vogelberg, Äbtissinenberg und Kühler nach Bad Gandersheim bei bestem Wanderwetter, auf.

Die Anreise zum Startpunkt der Wanderung am Freizeitpark Harriehausen war mit Niedersachsenticket und Taxi problemlos und so war das Informationshaus am Harzhorn noch vor der Mittagszeit erreicht und die Gruppe konnte hier erste geschichtliche Details erfahren.

Die Entdeckung dieses römischen Schlachtfeldes ist zwei Hobbyarchäologen zu verdanken, die schon vor 2008 einige Artefakte bei ihrer Suche mit Metallsuchgeräten fanden und sich dann später dem Kreisarchäologen in Northeim offenbarten.

Unter großer Geheimhaltungen wurde daraufhin mit der Sondierung des Areals begonnen und was dann zu Tage kam, versetzte die Fachleute in helle Aufregung. Im Laufe der Zeit wurden so mehr als 2700 Fundstücke ausgegraben, die dann belegten, dass hier am Harzhorn sich Germanen und Römer eine sehr blutige Schlacht geliefert haben müssen. Mit Hilfe verschiedener Messverfahren und Münzfunden, konnte auch ein Zeitraum zwischen 200 und 300-n.Chr. ermittelt werden. In dieser Zeit führte der römische Kaiser Maximinus Thrax einen Feldzug bis an die Elbe und wurde dann auf dem Rückzug hier am Harzhorn von germanischen Kriegern zu einer blutigen Schlacht gezwungen.

Heute ist das gesamte Areal für interessierte Besucher optimal erschlossen und man kann auf einem Rundweg an fünf markanten Plätzen die wichtigsten geschichtlichen Details lesen oder sogar mittels einer App auf ein Smartphone herunterladen. Hier wird ausführlich über die Entstehung, die Ausgrabungen, die damalige Vegetation, Nahkampf und Zentrum der Kämpfe informiert.

Nach soviel Geschichte und Information konnten sich die Wanderer dann am Ende des Rundgangs, an einem schön angelegten Picknickplatz aus der mitgebrachten Rucksackverpflegung stärken. Mit Schrecken musste der Autor dieses Berichtes feststellen, dass dieser Picknickplatz bei einer Wanderung im September 2018 noch mitten in einem Fichtenwald stand, jetzt aber nur noch von Baumstümpfen umgeben ist. Hier hat wohl ein Sturm oder auch der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet.

Der Kammweg führte dann die Gruppe geradewegs und recht steil zum Vogelberg auf eine Höhe von knapp 336 m und dann aber stetig talwärts in Richtung Ellierode. Oberhalb von Ellierode am Waldrand konnte sich die Wanderer an diesem herrlichen Talblick fast gar nicht sattsehen. Eingebettet zwischen Vogelberg, Äbtissinenberg Kahlberg und Kühler schmiegen sich die Häuser in das schmale Tal mit den weit auslaufenden Feldern und Wiesen. Das knapp 200-Seelendorf strahlte eine Ruhe und Besinnlichkeit aus und trägt wirklich zu Recht den Beinamen -Das verborgene Dorf -, denn schon nach Kriegsende, als die Amerikaner die vorläufige Verwaltung übernahmen, wurde von ihnen das Dorf, aufgrund der versteckten Tallage, sprichwörtlich übersehen. Erst als nach zwei Wochen noch zwei Wehrmachtsjagdflieger auf dem naheliegendem Flugplatz Kühler landeten, wurde von Ihnen das Dorf entdeckt.

Schon bald war der Waldrand vom Kühler und somit die letzte Höhe der Wanderung erreicht. Auf einem schmalen Pfad, der etwas später waldeinwärts auch durch das Muschelsymbol als Jakobsweg gekennzeichnet ist, wanderte die Gruppe , am Flugfeld des Sportflugplatzes entlang, bis an den Stadtrand von Bad Gandersheim talwärts.

Doch es sollte noch nicht gleich zum Bahnhof gehen, sondern, wie schon so oft bei Wanderungen praktiziert, in einem Café die Wanderung mit einer Tasse Kaffee und Kuchen „abgeschlossen“ werden.

Mit der Regionalbahn fuhr die Gruppe dann über Goslar und Hannover zurück nach Egestorf. Da der Zug vor Goslar einen dreimütigen Zwangshalt einlegen musste, wurde der Anschlusszug nach Hannover verpasst, und so lag auch noch ein kleiner Stadtrundgang in Goslar zur Überbrückung der Wartezeit drin.

Die S-Bahn Hannover brachte die Wanderer fast pünktlich (nur 15 Minuten Verspätung) dann zurück nach Egestorf.

Fazit: gutes Wanderwetter, interessante Wanderung, sehr schöne Landschaft, viel Geschichte und gute Mitwanderer.

Text: Karl-Heinz Pfennig
Fotos: Manfred Held, Karl-Heinz Pfennig

*) Peter Sirius (1858 – 1913), eigentlich Otto Kimmig, Dichter und Aphoristiker

Bürgerreporter:in:

Karl-Heinz Pfennig aus Barsinghausen

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