Ein Stück Geschichte
Zwischenfall im "Kalten Krieg"

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Berlin ist immer eine Reise wert, und wer die Hauptstadt besucht, kommt an einem Ort kaum vorbei: dem Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße. Natürlich mußte auch ich dort kurz anhalten und schnell 2 Fotos machen ( Die Gruppe hat nun mal nicht gewartet, bis ich fertig war! 😉 ). Sehr viel muß ich euch ja wohl nicht über diesen Ort erzählen, aber eine "Anekdote", die wir von unserer Stadtführerin erzählt bekamen, muß ich doch loswerden:

Am Checkpoint Charlie, dem berühmtesten militärischen Grenzübergang, durften damals nur Diplomaten, Ausländer und alliiertes Militärpersonal die Sektorengrenze überqueren.
Nach den damaligen Verträgen der vier Siegermächte hatten alliierte Soldaten und Diplomaten das Recht, sich in ganz Berlin völlig frei und ohne Kontrollen zu bewegen. Um das zu signalisieren, trugen Soldaten Uniform und Diplomaten fuhren in Fahrzeugen mit alliierten Kennzeichen. Doch am Abend des 22. Oktober 1961 kam es zum Eklat.
Der stellvertretende Chef der US-Mission in Berlin, Edwin Allan Lightner, wollte gemeinsam mit seiner Frau ein Theater in Ost-Berlin besuchen. Da sie privat unterwegs waren, trugen sie Zivilkleidung, saßen aber in einem Auto mit amerikanischem Diplomatenkennzeichen. Die DDR-Grenzpolizisten forderten Lightner vorschriftswidrig auf, seinen Pass vorzuzeigen.
Lightner weigerte sich strikt. Aus gutem Grund: Hätte er seinen Ausweis den DDR-Grenzern gezeigt, hätte das bedeutet, die DDR-Behörden und damit die Rechtmäßigkeit der Grenze anzuerkennen. Das widersprach der offiziellen Politik der Amerikaner. Er kehrte um, doch der Vorfall trat eine Lawine los.
Der US-General Lucius D. Clay beschloss, die Rechte der Amerikaner mit einer Machtdemonstration zu verteidigen. In den folgenden Tagen eskortierte schwer bewaffnete US-Militärpolizei amerikanische Zivilisten demonstrativ über die Grenze. Als die DDR-Sicherheitskräfte am 27. Oktober 1961 erneut blockierten, ließ Clay das schwere Gerät auffahren: Amerikanische Panzer rollten direkt bis an die Sektorengrenze.
Die Reaktion der Sowjetunion ließ nicht lange auf sich warten. Nur wenig später bogen sowjetische Panzer in die Friedrichstraße ein.
Insgesamt je zehn Panzer der USA und der Sowjetunion standen sich Stoßstange an Stoßstange auf eine Distanz von nur wenigen Metern direkt gegenüber. Die Bilder gingen um die Welt. Die Panzer waren gefechtsbereit, die Kanonen aufeinander gerichtet, die Motoren dröhnten und die Soldaten hatten den Finger am Abzug. Sechzehn Stunden lang! Ein einziger nervöser Schuss, ein Missverständnis auf einer der beiden Seiten hätte in diesem Moment einen neuen Weltkrieg auslösen können.
Nun glühten die Drähte zwischen den beiden mächtigsten Männern der Welt: US-Präsident John F. Kennedy und dem sowjetischen Regierungschef Nikita Chruschtschow. Über einen geheimen Kanal verhandelten die beiden Staatschefs die Rettung des Friedens.
Chruschtschow schlug schließlich die Lösung vor: Die sowjetischen Panzer sollten einen Schritt zurückweichen, und die Amerikaner würden sofort folgen. Am Morgen des 28. Oktober 1961 setzte sich der erste sowjetische Panzer rückwärts in Bewegung. Kurz darauf folgte ein amerikanischer. Stück für Stück entspannte sich die Lage, bis die Panzer endgültig abrückten.

Wenn man heute am Checkpoint Charlie steht, zwischen den Souvenirläden, den nachgebauten Grenzhäuschen und den vielen Touristen, kann man kaum glauben, was sich hier im Herbst 1961 abgespielt hat. Meine beiden Bilder zeigen einen Ort, der heute ein Denkmal ist, aber vor über 60 Jahren der Mittelpunkt des Kalten Krieges war. Ein faszinierendes und zugleich beängstigendes Stück Zeitgeschichte, das mir durch die Erzählung unserer Stadtführerin erst so richtig bewusst geworden ist!

Bürgerreporter:in:

Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister

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