Meine seltsamen Gedanken
Zum offiziellen Tag der Scheinheiligkeit
- KI-generiert
- hochgeladen von Constanze Seemann
Der Kalender der kuriosen Feiertage hat für fast jede menschliche Eigenart ein passendes Datum parat. Am 12. Juli feiern wir einen Tag, der im Grunde 365 Tage im Jahr Saison hat: den offiziellen „Tag der Scheinheiligkeit“ (Hypocrisy Day). Ein Tag, gewidmet der faszinierenden Kunst, Wasser zu predigen und heimlich den edelsten Wein zu saufen. Oder um es moderner auszudrücken: Ein Tag für Menschen, deren eigene Doppelmoral so gigantisch ist, dass man dafür eigentlich eine eigene Postleitzahl bräuchte.
Wir alle begegnen im Leben immer wieder Personen, die eine beachtliche Flexibilität an den Tag legen, wenn es um moralische Standards oder Regeln geht. Aber es gibt eine ganz spezielle Steigerungsform der Heuchelei, die einen einfach nur noch fassungslos den Kopf schütteln lässt. Es ist das Phänomen, bei dem jemand jahrelang Richtlinien missachtet, das Fehlverhalten anderer schulterzuckend abtut und berechtigte Kritik mit einem arroganten „Was geht mich das an?“ vom Tisch wischt. Regeln gelten in dieser Weltanschauung immer nur für die anderen, niemals für einen selbst.
Richtig absurd wird das Theaterstück aber erst dann, wenn genau diese Person plötzlich eine blitzschnelle Metamorphose durchläuft. Knall auf Fall entdeckt man das eigene Gewissen – natürlich nur, um sich medienwirksam als moralische Instanz aufzuspielen. Plötzlich mutiert der einstige Ignorant zum großen, weisen Ratgeber. Es werden lange Abhandlungen verfasst, Verhaltensregeln zitiert und der moralische Zeigefinger so hoch erhoben, dass er fast die Decke berührt.
Das Tragikomische an der Sache? Um das eigene Scheinwerferlicht als „Retter der Regeln“ zu rechtfertigen, werden dann oft auch noch Schreckensszenarien an die Wand gemalt. Da wird lautstark über das angebliche Fehlverhalten von Dritten lamentiert, das bei genauerem Hinsehen überhaupt nicht existiert. Es ist die pure Inszenierung: man schafft sich ein Problem, um sich selbst als strahlender Hüter der Ordnung zu präsentieren. Es ist der verzweifelte Versuch, von der eigenen, fehlerhaften Vergangenheit abzulenken.
Diese Form der Scheinheiligkeit ist ein klassisches psychologisches Ablenkungsmanöver. Wer selbst Dreck am Stecken hat, zeigt besonders gerne mit dem Finger auf andere – oder erfindet eben Geschichten, um als Experte dazustehen. Man hofft wohl, dass die Mitmenschen die eigene Vorgeschichte vergessen, wenn man nur laut und oft genug die Regeln zitiert, die man selbst nie respektiert hat.
Doch das Umfeld hat oft ein besseres Gedächtnis, als diesen Heuchlern lieb ist. Ein kopierter Ratgeber macht aus einem Ignoranten keinen Experten. Und ein falscher Heiligenschein schützt nicht vor der Realität.
Mein Fazit zum 12. Juli: Ich nutze diesen Tag der Scheinheiligkeit für ein herzliches Dankeschön an all die Hobby-Schauspieler da draußen. Danke für diese grandiose Comedy-Einlage! Wer Regeln erst ignoriert und sich später als deren Chef-Aufseher inszeniert, hat den Begriff „Doppelmoral“ nicht nur verstanden, sondern lebt ihn als Vollzeitjob. Ich schaue mir dieses Theaterstück gerne aus der Ferne an – aber Applaus gibt es für diese schlechte Vorstellung garantiert nicht mehr.
Einen wunderbaren Tag der Scheinheiligkeit an alle, die den Unterschied zwischen echtem Anstand und einer billigen Fassade noch ganz genau kennen!
Bürgerreporter:in:Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister |
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