VORHARZ WANDERUNG
Bahnhof Groß Börnecke - Athensleben - Wasserturm - Rothenförder Wehr - Athensleber Seen

Athensleber Wasserturm
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Der ehemalige Bahnhof in Groß Börnecke war der Treffpunkt zu einer Wanderung des Harzklub Zweigvereins Ballenstedt. Groß Börnecke ist ein Ortsteil der Stadt Hecklingen im Salzlandkreis in Sachsen - Anhalt. Vom Treffpunkt Bahnhof Groß Börnecke fuhren wir in den ca. 3 km weit entfernten Ort Athensleben. Der kleine Ort Athensleben ist dagegen ein Ortsteil der Stadt Staßfurt im Salzlandkreis. Schon von weitem ist der Wasserturm als das Athenslebener  Wahrzeichen  sichtbar. Am Parkplatz des Wasserturm stellten wir unsere Fahrzeuge ab.

Athensleben - Bode

Der Bau eines Wasserturms wurde notwendig, da durch den Abbau von Braunkohle in der Umgebung von Athensleben die Dorfbrunnen im Ort versiegten. Nach der Tafel am Wasserturm wurde dieser Turm im Jahre 1912 - nach Wikipedia und anderen Quellen, aber erst im Jahre 1926 - errichtet. Nachdem der Wasserturm durch die zentrale Wasserversorgung seine Funktion verlor, wurde er als Aussichtsturm ausgebaut. Die Einweihung erfolgte am 06.06.1998. Über steile Eisentreppen gelangt man bis zur obersten Etage des Wasserturms. Von dort oben hat man normalerweise eine wunderbare Aussicht auf flache Umgebung. Bei guter Sicht soll man sogar den Brocken sehen können. Doch leider sind die 6 Fenster im Aussichtsturm verschlossen. Durch die total verschmutzten Fensterscheiben sind derzeit keine Aufnahmen von der Umgebung möglich. Nach der Besichtigung des "Aussichtsturmes" wanderten wir in Richtung des Rothenförders Wehrs. Bevor wir den idyllischen Wanderweg an der Bode erreichten,  mussten wir die Brücke über den Löderburger Bruchgraben überqueren. Die Bode ist ein typischer, fast unberechenbarer Harzfluss, dessen beide Zuflüsse die Kalte und die Warme Bode am Brocken entspringen, mündet in Nienburg in die Saale. Diese wiederum mündet kurz vor Barby in die Elbe.

Rothenförder Wehr - Athensleben

Immer an der Bode entlang erreichten wir nach ca. 2 km das Rothenförder Wehr. Dieses Wehr wurde zur Versorgung einer dort befindlichen Wassermühle erstmals im Jahre 1704 erwähnt. Im Jahre 1889 wurde das Wehr grundlegend erneuert. Nach über 100 Jahren Betriebszeit  war im Jahre 2008 die Standsicherheit des Wehrs nicht mehr gegeben. Am 09.11.2015 konnte das neue Wehr, das nach Vorbild des alten Wehres errichtet wurde, eingeweiht werden. Über die Fußgängerbrücke des Wehres erreichten wir das linke Bodeufer. Das Rothenförder Wehr dient, durch die Wasserregulierung der Bode, dem Landschaftsschutz.  Auf einem Feldweg wanderten wir zurück nach Athensleben. Nach einem kurzen Abstecher zum nicht zugänglichen Schloss Athensleben erreichten wir, nach der Überquerung der Bodebrücke, den ehemaligen Friedhof. Auf dem Friedhof sind vor allem die Grabplatten der Benneck`schen Gräber zu sehen. Die Familie Bennecke war über zwei Jahrhunderte  Pächter der preußischen Staatsdomäne Athensleben. Ende des 19. Jahrhunderts beantragte die Familie. Brennecke, da die Kapelle am  Schloss Athensleben nicht mehr den Anforderungen genügte, den Bau einer Kirche in Athensleben bei der Magdeburger Landesregierung. Dem wurde stattgegeben. Nicht die Kirche, sondern der preußische Staat war der Eigentümer der errichteten Kirche. Nach der Bodenreform im Jahre 1945 wurde die Kirche Eigentum der späteren Bezirksregierung in Magdeburg. Da die Familie Bennecke als Pächter über 100 ha bewirtschafteten, wurde auch sie im Zuge der Bodenreform entschädigungslos enteignet. Sie verließen die damalige sowjetische Besatzungszone in Richtung Westen. Ende der 60-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren dringende Dachreparaturen an dem Kirchengebäude notwendig geworden. Da die Kirchenverwaltung nicht Eigentümer der Kirche war, lehnte sie die Übernahme der Dachreparatur ab. Auch die Bezirksregierung - als Eigentümer - wollte die Kosten nicht übernehmen. So wurde dieses evangelische Kirchengebäude aufgegeben und im Jahre 1979 abgerissen. Die beiden Stahl - Glocken der Kirche sind auf dem ehemaligen Friedhof aufgestellt. Ich denke, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Verlegung des Friedhofs nach dem Nachbarort Löderburg erfolgte. Auf dem Friedhof befindet sich aber auch das Wappenfries der Magdeburger Domherren, die im Altenslebener Schloss ihren Sommersitz hatten. Das 14 - teilige Wappenfries stammt aus dem Jahre 1602 und war am Brauhaus des Schlosses Athensleben angebracht. Im Jahre 1994 ließ ein Mitglied der Athensleber Familie Brennecke das Fries auf seine Kosten restaurieren und  auf dem ehem. Friedhof aufstellen. Vom einstigen Friedhof, dem jetzigen Park, waren es nur etwa 200 m bis zum Parkplatz. Mit den Autos fuhren wir zum nahen Parkplatz an den im Jahre 1994 entstanden Athenslebenern Seen.

 Die Athenslebener Seen

Von 1862 bis 1926 wurde in dem nordwestlich von Athensleben gelegenem Gebiet Braunkohle im Tiefbauverfahren abgebaut. Von 1918 bis 1930 wurde zusätzlich in einem Tagebau Braunkohle gewonnen. Zu der Jakobgrube gehörten noch die Schächte Rudolph, Phillip und Paul sowie eine Brikettfabrik zur Verarbeitung der Braunkohle.  Zum Transport der Braunkohle bzw. der Briketts wurden Pferde eingesetzt. Die auf Gleisen befindlichen Waggons konnten, auf den fast ebenen Strecken, leicht von einem Pferd bewegt werden. Die sogenannten Rossbahnen sind teilweise noch heute zu sehen. Nach Aufgabe des Kohleabbaus stürzten - Jahrzehnte später - die entstandenen unterirdischen Hohlräume ein. Es bildeten sich Senkungsgebiete. Das sogenannte Jakob`sche Bruchfeld entstand. Im April 1994 führte der Harzfluss Bode wochenlang Hochwasser in diesem Gebiet. In dem Senkungsgebiet entstanden dabei 4 Seen, die als Angelteiche genutzt werden. Schon zuvor gab es einen, aus dem Braunkohletagebau, entstandenen Baggersee. In dem  Landschaftsschutzgebiet haben sich u.a. eine Unmenge von Vögeln angesiedelt. In einer wissenschaftlichen Studie konnten über 200 Vogelarten nachgewiesen werden. 
Auf Feld- bzw. Waldwegen kamen wir an mehreren Seen vorbei. An der Jakobsgrube (See) legten wir unsere Mittagspause ein. Dabei hatten wir einen schönen Blick auf den See und den Wasservögeln am anderen Seeufer. Sie waren ständig in Bewegung, sie flogen auf, suchten Nahrung im See  und landeten wieder. Es war ein eindrucksvolles Naturschauspiel. Nach der Pause wanderten wir am Ufer eines weiteren Sees am Rande eines Naturwaldes zurück zu dem Parkplatz. Für die knapp 8 km lange Wanderung möchte ich mich bei dem Wanderleiter Achim Telke recht herzlich bedanken. der uns einen Einblick in die nähere Umgebung seiner Heimat gewährte. Für meinen Beitrag habe ich teilweise Fotos aus meinem Archiv verwendet.

Bürgerreporter:in:

Gerd Horenburg aus Aschersleben

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