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Wohlstand muss in diesem Land definiert werden, als frei sein von Not

Winfried Gburek, Margret Engelking und Botschaftsrat Bruno Brommer im Gespräch in der Botschaft von Banja Luka
 
Winfried Gburek im Gespräch mit Nuntius Erzbischof Alessandro D`Ericco, Sarajevo, Bosnien-Herzegowina
BANJA LUKA – Im Engagement zur Förderung des Friedens- und Versöhnungsprozesses in Bosnien-Herzegowina (BiH), bereiste der Wunstorfer Journalist und Religionspädagoge Winfried Gburek, gemeinsam mit Margret Engelking, der Präsidentin der Deutsch-Kroatischen-Gesellschaft e.V. Hannover, das Balkanland, um auf hoher Ebene Initiativ- und Informationsgespräche zur Situation des Landes und der Menschen zu führen. Zu den ersten Gesprächspartnern gehörten Botschaftsrat Bruno Brommer, Leiter Deutsche Botschaft Sarajevo, Außenstelle Banja Luka, in der Republik Srpska, sowie der Apostolische Nuntius - päpstlicher Botschafter - und ständige Vertreter des Heiligen Stuhles, Erzbischof Alessandro D'Errico.
In den sehr offen geführten Gesprächen wurde einerseits von positiven Entwicklungen berichtet, andererseits kein Anlass für Euphorie gegeben. Sowohl der staatliche als auch der kirchliche Repräsentant beschrieben den deutschen Vertretern die weiterhin bestehende Notlage der Menschen, bei einem besonders starken Stadt- und Land-Gefälle. Der Monatsverdienst liegt im Durchschnitt bei höchstens 75 Euro. „Auf dem Land sind die Menschen oft bitter arm und leben oft nur von dem, was sie selbst produzieren oder selbst irgendwo eintauschen“, erläuterte der Botschaftsrat. Viele könnten ohne finanzielle Transferleistungen von Verwandten aus Europa oder den Vereinigten Staaten gar nicht leben. „Wohlstand muss in diesem Land definiert werden, als frei sein von Not, um ein normales Leben führen zu kčnnen.“ Nuntius D'Errico brachte darüber hinaus seine besondere Sorge um die Vertriebenen des Landes zum Ausdruck. Überwiegend kroatische Familien seien während des Krieges durch Prozesse der ethnischen Säuberung aus dem Land vertrieben worden. Ganze Landstriche in der Teilrepublik Srbska seien von Katholiken auf diese Weise entvölkert worden. Präker wird die Situation für die Zukunft dadurch werden, dass die Geburtenrate in bestimmten Teilen des Landes in der „Tendenz unter Null“ stehe. „Alle Politiker, mit wenigen Ausnahmen, reisen nur nach Sarajevo. Und das gib eine ganz andere Sicht der Dinge. Man pflegt zum Teil die alten Vorurteile und verliert den Blick für die Besonderheit der Situationen in der Republik Srbska“, hob Botschaftsrat Brommer gegenüber den Gästen hervor. Daher begrüßte er sehr das Gespräch vor Ort, in der Botschaftaußenstelle in Banja Luka. „Nur mit dem Knüppel aus dem Sack hier zu regieren, wie es auch deutsche Politiker in der jüngsten Vergangenheit getan haben, bringt nichts. Sie erreichen das Gegeneil und sind kontraproduktiv.“ In Bosnien-Herzegowina ist der Dialog gefragt. „Wir müssen allen Verantwortlichen in diesem Land die Mčglichkeit geben, sich zu rechtfertigen. Aber wir müssen auch unsere Meinung sagen.“ In dieser Weise sehe er das Engagement der Deutsch-Kroatischen-Gesellschaft als sehr vorbildlich und zukunftsträchtig für das Land. Brommer: „Die Deutsch-Kroatische-Gesellschaft gibt durch ihre Arbeit und Präsenz in diesem Land ein Beispiel für Zivilcourage und Bürgerengagement, das man hier nicht kennt, da alle Menschen über Jahrzehnte anders groß geworden sind. Darüber hinaus seien die Menschen auch weiterhin auf sächliche und auf persönliche Unterstützung angewiesen. Daher sei das Engagement der Kroatischen Gesellschaft ebenfalls notwendig und könne im Land nur sehr begrüßt werden.
Die Deutsch-Kroatische-Gesellschaft unterstützt zahlreiche carative Projekte sowie Schulen im Land, die sie in Kooperation mit dem Bistum Banja Luka persönlich vor Ort begleitet.
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