Gespräche auf dem Kürbisfeld
Suppen-Karriere oder Entertainment-Ende?
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Es war eine kühle, klare Herbstnacht. Der Mond tauchte das große Kürbisfeld zwischen Untermeitingen und Schwabmünchen in ein silbriges Licht. Die meisten Menschen schliefen bereits, aber auf dem Feld war es alles andere als ruhig. Wenn man genau hinhörte, konnte man ein leises Murmeln und Tuscheln vernehmen. Es waren die Kürbisse, die sich über ihre Zukunft unterhielten.
"Ich habe gehört, morgen kommen die Menschen", flüsterte ein großer, oranger Kürbis namens Kuno. "Sie suchen sich die Besten von uns aus."
"Hoffentlich werde ich gewählt!", rief Paul, ein etwas kleinerer, aber kugelrunder Kürbis voller Vorfreude. "Ich will eine Karriere machen. Ich will das Highlight in einem Suppenteller sein!"
"Eine Karriere als was?", fragte Frieda, eine weise, ältere Kürbisdame, die etwas abseits lag.
"Na, als Suppe natürlich!", stolzierte Paul. "Ich habe mir sagen lassen, dass wir Kürbisse voller guter Dinge stecken. Vitamin A für die Augen, Vitamin C für das Immunsystem und jede Menge Kalium. Außerdem sind wir kalorienarm und haben viele Ballaststoffe. Wenn wir zu einer cremigen Suppe verarbeitet werden, wärmen wir die Menschen von innen und machen sie gesund. Das ist eine wahre Berufung!"
Kuno nickte zustimmend. "Ja, eine Suppe zu werden, das ist ein ehrenvolles Ziel. Man wird geschätzt, genossen und tut etwas Gutes. Man wird Teil eines gemütlichen Abendessens, umgeben von lachenden Gesichtern."
Doch Frieda seufzte tief. "Das ist die eine Seite der Medaille, meine Lieben. Aber es gibt auch die andere Seite. Die dunkle Seite des Oktobers."
"Was meinst du?", fragte Paul verunsichert.
"Naja, viele Menschen suchen uns nicht aus, um uns zu essen", erklärte Frieda mit ernster Stimme. "Sie suchen uns aus für... Entertainment."
"Entertainment?", echote Kuno.
"Ja. Sie nennen es Halloween", fuhr Frieda fort. "Es beginnt damit, dass sie uns mit scharfen Messern bearbeiten. Sie schneiden uns Löcher in die Haut, verletzen uns, nur um uns ein gruseliges Gesicht zu verpassen. Unsere Innereien, das Fruchtfleisch, das so gesund und lecker wäre, wird oft einfach weggeworfen."
Ein entsetztes Raunen ging durch die Reihen der Kürbisse.
"Und das ist noch nicht alles", erzählte Frieda weiter. "Dann stellen sie uns wieder nach draußen in die Kälte. Und drinnen, in unserem hohlen Bauch, entzünden sie Kerzen oder stecken flackernde LED-Ketten hinein. Es wird heiß und stickig, während draußen der Frost nagt. Und wisst ihr, was dann passiert? Durch die Schnittwunden dringen Bakterien und Pilze in uns ein. Wir fangen an zu schimmeln. Wir verfaulen viel schneller, als wir es eigentlich würden. Statt eine nahrhafte Mahlzeit zu werden, enden wir als matschiger Abfall auf dem Kompost, ohne jemals unseren Zweck erfüllt zu haben."
Stille breitete sich auf dem Feld aus. Viele Kürbisse dachten über Friedas Worte nach. Der Traum von der Karriere als Suppe bekam plötzlich Risse.
"Aber... aber warum machen die Menschen das?", fragte Paul leise.
"Für ein paar Stunden Gruselspaß", antwortete Frieda traurig. "Für ein Foto auf Social Media. Für das 'Entertainment'. Sie vergessen dabei, dass wir eigentlich Lebensmittel sind. Dass wir gewachsen sind, um verzehrt zu werden, nicht um verschwendet zu werden."
"Das ist traurig", sagte Kuno. "Ich möchte keine Karriere als gruselige Fratze machen, die nach ein paar Tagen weggeworfen wird. Ich möchte eine Karriere als Suppe machen. Ich möchte geschätzt werden."
"Genau das ist die Frage, die wir uns stellen müssen", schloss Frieda. "Karriere als nahrhafte Mahlzeit oder ein kurzes Entertainment-Ende als vergängliche Dekoration? Es liegt an den Menschen, sich zu entscheiden. Aber wir können zumindest hoffen, dass sie unsere wahre Bestimmung erkennen."
Als die ersten Sonnenstrahlen den Horizont berührten, verstummten die Gespräche auf dem Kürbisfeld. Jeder Kürbis hoffte nun insgeheim, dass er nicht für das kurzlebige Entertainment, sondern für eine glänzende Karriere als leckere Suppe ausgewählt werden würde. Denn ein Kürbis zu sein, das bedeutet mehr als nur Grusel – es bedeutet Gesundheit, Wärme und Genuss.
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