Spukies in Neuschwanstein – Sonderedition
Warum sich echte Geister vor Halloween gruseln!

Foto: Symbolbild By KI

Während viele Menschen und deren Kinder am 31. Oktober verkleidet von Tür zu Tür ziehen, herrscht in den alten Schlossgemäuern der Ausnahmezustand. Eine haarsträubende Enthüllung aus den Akten von Professor Barnabas.

Normalerweise ist die Welt für Chrismo und die anderen Spukies von Neuschwanstein klar geregelt: Tagsüber gehören die prächtigen Säle den staunenden Besucherströmen aus aller Welt, und sobald die Nacht hereinbricht, senkt sich die wohlverdiente Ruhe über das Gemäuer. Dann schlüpfen die Spukies in ihre weichen Filzschlappen, polieren das Parkett im Sängersaal und weben sanften Pöllat-Nebel um die Zinnen.

Doch es gibt einen einzigen Abend im Jahr, an dem der erfahrene Geisterkundler Professor Barnabas von Polterstein schon am Nachmittag nervös an seinem Zylinder zupft und die dicken Eichentore doppeltverriegelt: Halloween.

„Herr Professor, warum verbarrikadieren wir denn das Dachgebälk?“, fragte der kleine Chrismo verwundert, während er sein blauseidenes Geisterbündel schützend an sich drückte. „Lüften wir heute Nacht etwa nicht den Thronsaal?“

Professor Barnabas rückte seine kleine Brille zurecht, schüttelte schaudernd seinen schneeweißen Nebelbart und leise entfuhr ihm ein geisterhaftes Seufzen: „Ach, mein lieber Chrismo … Heute ist die Nacht der echten Schreckgestalten. Die Nacht, vor der sich jeder gebildete Schlossgeist tief unter den Dielen versteckt!“

Chrismo sperrte die Augen auf. Geistern die Menschen etwa auch herum?“

„Weitaus schlimmer!“, raunte der Professor geheimnisvoll. „Die Menschen verwandeln sich an diesem Abend in Kreaturen, die selbst den tapfersten Burggeist das Zittern lehren. Sie schnitzen grimmig, leuchtende Fratzen in gigantische, orangefarbene Feldfrüchte – sogenannte Kürbisse – und stellen sie überall auf! Wenn du da ungefiltert hineinblickst, kriegst du augenblicklich Schlotterkniee!“

Um dem kleinen Schützling zu zeigen, wovor sich die Spukies so fürchteten, schwebte Barnabas mit Chrismo vorsichtig an ein hohes Turmfenster. Sie spähten durch die nächtliche Finsternis hinab zur Marienbrücke und zum Schlossweg.

Da sahen sie es: Kleine und große Gestalten mit wackelnden Plastikskeletten, künstlichem Kunstblut an den Wangen, gruseligen Vampirzähnen und leuchtenden Zauberstäben!

„Sieh dir das an!“, flüsterte Professor Barnabas und hielt sich mit beiden Nebelhänden die Augen zu. „Kein Taktgefühl! Keinerlei Gespür für feines Parkett-Glitschen! Sie rufen ungefragt ‚Süßes oder Saures!‘ und rütteln an den Toren. Und schau nur diese Plastikmasken an – das ist ja der reinste Albtraum für jeden Schlossgeist, der auf sein Äußeres achtet!“

Chrismo schluckte leise. Ein kleines Menschenkind vor dem Schlosstor trug eine Maske mit drei Augen und neongrünen Hörnchen. „Oje, Herr Professor! Wenn so jemand durch die Eichentür kommt und mich sieht – da vergesse ich glatt meine ganze Filzschlappen-Akrobatik!“

Damit die edle Schlossatmosphäre an diesem chaotischen Abend nicht aus den Fugen geriet, hatte Professor Barnabas, wie jedes Jahr, einen Notfallplan ausgearbeitet:

Die Kürbis-Abwehr: Die Arbeiter-Spukies schickten dichte, grünlich schimmernde Pöllat-Nebelschwaden hinab ins Tal. Der Nebel war so dick, dass die gruseligen Kürbisfratzen ganz matt wurden und nicht mehr bis zu den Turmfenstern leuchten konnten.

Das Fledermaus-Versteck: Die Fledermäuse im Dachstuhl wurden extra gebeten, ihre Flügel fest um die Ohren zu wickeln, damit sie das laute Huhu!-Rufen der Menschenkinder unten nicht erschreckte.

Der Schlappen-Streik: An Halloween blieb das Parkett unpoliert. Alle Spukies kuschelten sich im tiefsten, gemütlichsten Winkel des Dachbodens zusammen, knusperten stumm Trockenbeeren und erzählten sich harmlose Geschichten über staubige Bibliotheken.

Als die Uhren schließlich vier Uhr morgens schlugen, verstummten die ferne Musik und das Lachen im Tal. Die furchterregenden Gestalten verkrümelten sich in ihre Betten, die Kürbisfratzen erloschen, und um das Schloss kehrte die gewohnte, zauberhafte Stille zurück.

Zögerlich lugte Chrismo hinter einer alten Holzkiste hervor. Seine grauen Filzschlappen saßen noch immer perfekt.

„Sind die gruseligen Gestalten alle weg, Herr Professor?“, fragte er leise.

Professor Barnabas atmete erleichtert auf, klappte sein Notizbuch auf und lächelte wieder milde. „Ja, mein kleiner Chrismo. Der Spuk der Menschen ist vorbei. Jetzt gehört das Schloss wieder uns – den echten, freundlichen Geistern!“

Chrismo lächelte stolz, zog sein Geisterbündel etwas fester und flüsterte: „Puh! Ein Glück, dass wir nur ganz normale Schlossgeister sind. Das mit diesem Halloween ist mir definitiv viel zu gruselig!“

In diesem Sinne winken Chrismo, Prof. Barnabas und alle Spukies von Neuschwanstein en Lesern auf myheimat.de und besonderst Silke zu: Kommt gut durch die nächste Halloweennacht – und passt auf, dass wir die echten Geister Euch nicht vor euren eigenen Verkleidungen beschützen müssen!

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