Polizeieinsatz, Kultur und Radl-Tratsch:
Mein ereignisreicher Stadtradeln-Endspurt rund ums Lechfeld

Foto: (c) Wolfgang Weiss
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Untermeitingen / Lechfeld | 19.06.2026
Eigentlich wollte ich heute nur die letzten Kilometer für das diesjährige Stadtradeln sammeln. Nachdem sich die Regenschauer des Vormittags endlich verzogen hatten, hieß es am Nachmittag: Ab in die Pedale! Was als gemütliche Abschlussrunde geplant war, entwickelte sich zu einer Tour voller Überraschungen, historischer Entdeckungen und vor allem toller menschlicher Begegnungen quer durch unsere Heimat.

Auf der Via Claudia: Blaulicht und SEK-Atmosphäre in Graben
Mein Weg führte mich zuerst von Untermeitingen über die geschichtsträchtige alte Römerstraße, die Via Claudia Augusta, Richtung Graben. Die idyllische Ruhe hielt allerdings nicht lange an: Schon von Weitem sah ich blaues Blinklicht. Vor Ort stieß ich auf einen Zivil-Bulli der Bereitschaftspolizei. Die Beamten hielten sich aus Datenschutzgründen verständlicherweise bedeckt, winkten mich aber durch.

Wenige Häuser weiter traute ich meinen Augen kaum: Dort standen schwer bewaffnete Polizisten mit Helmen, schusssicheren Westen und Maschinenpistolen – eine Kulisse wie bei einem Sondereinsatzkommando (SEK). Die umliegenden Straßen waren komplett mit Streifenwagen abgeriegelt. Eine Streife gab mir schließlich leise Entwarnung: Es handelte sich zum Glück "nur" um einen eskalierten häuslichen Streit. Ein ordentlicher Adrenalinkick gleich zu Beginn – so viel Action erwartet man auf dem Land dann doch eher selten!

Das „kleine Dallas“ auf dem Lechfeld
Nach dem Trubel in Graben zog es mich weiter über die Ebene. Dabei passierte ich das Industriegebiet bei Großaitingen – und mir wurde wieder einmal bewusst, was für eine wirtschaftliche Vielfalt hier im Verborgenen blüht. Neben einer Mälzerei und einem Biofutterbetrieb prägt vor allem die Ölindustrie diesen Standort.

Manch einer weiß es vielleicht gar nicht, aber auf dem Lechfeld wird über kleine, unscheinbare Pumpstationen tatsächlich echtes Erdöl aus dem Boden gefördert! In diesem Industriegebiet laufen die Fäden zusammen: Das Rohöl wird hier gebündelt, scheinbar in Tankwaggons der Bahn abgefüllt und an die Industrie übergeben. Ein faszinierender Anblick – ein kleiner Hauch von Dallas-Atmosphäre und ein industrieller Lichtschein, der da mitten auf unser Lechfeld fällt.

Wassertürme, Mühlen und ein Ort für die Sorgen
Wieder im ruhigeren Fahrwasser bog ich in Kleinaitingen nach Westen ab und stieß auf den markanten alten Wasserturm. Ein älterer Herr, der ebenfalls mit dem Rad unterwegs war, bestätigte mir im Vorbeifahren, dass das wunderschöne historische Bauwerk leider nicht mehr in Betrieb ist. Ein tolles Fotomotiv bot es dennoch:

Der Kleinaitinger Wasserturm ist auf der Lechfeld-Ebene seit 112 Jahren ein unverkennbares Wahrzeichen. Er wurde zwischen 1912 und 1914 von italienischen Gastarbeitern errichtet, um die Wasserversorgung der Gemeinde sicherzustellen – architektonisch und technisch bis heute eine Meisterleistung. Für die Wasserversorgung hat er zwar keine Bedeutung mehr, doch er wartet geduldig auf eine neue, sinnvolle Nutzung.

Weiter ging es Richtung Süden nach Mittelstetten, wo mich der Weg „am Wasserfall“ neugierig abbiegen ließ. Tatsächlich rauschte und sprudelte die Singold dort munter in ihrem Bett. Doch Mittelstetten hielt noch eine ganz besondere Entdeckung bereit: Ich stieß auf den Mittelstettener Feldkreuzweg.

Eines der Kreuze steht direkt am idyllischen Ufer der Singold. Dahinter steckt ein wunderschöner Brauch: Die Idee ist, ein Blatt zu nehmen, all seine Sorgen und Nöte symbolisch darauf zu projizieren und es dann der Strömung der Singold zu überantworten. Das Wasser nimmt das Blatt mit und schwemmt die Lasten einfach von einem weg. In der Gegend gibt es noch einige weitere Kreuze, die aus unterschiedlichen Anlässen aufgestellt wurden. Wer tiefer in die Geschichten dahinter eintauchen möchte, findet ausführliche Informationen bei der katholischen Pfarreiengemeinschaft in Schwabmünchen, wo die historischen Daten dazu verfügbar sind.

Entlang des plätschernden Flusses fand ich schließlich auch das Schild zur Mittelstettener Mühle. Das alte Mühlenhaus dient heute als wunderschöne Eventlocation. Da sie geschlossen hatte, blieb es bei ein paar Außenaufnahmen, bevor es mich weiter in die belebte Innenstadt von Schwabmünchen zog. Mein dortiger Lieblingsdöner hatte zwar geöffnet, aber ich hatte ein besseres Ziel vor Augen: Daheim wartete bereits meine Frau darauf, dass wir den Grill anwerfen.

Begegnung 1: Auf ein Wort mit Trockenbauer Janusz
Das Schönste am Radeln sind aber die Menschen, die man trifft. Meinen ersten Zwischenstopp legte ich an der bekannten Grabener Aussichtsbank ein, die von Stefanie Stolz aufgestellt wurde. Dort traf ich Janusz (Name geändert), einen jungen Mann aus Polen. Er lebt seit mittlerweile elf Jahren in der Region, nachdem er damals über Freunde und Familie hierherkam.

Janusz arbeitet als selbstständiger Trockenbauer im Raum Lechfeld. Auf meine Frage, wie es um die Auftragslage steht, erzählte er schmunzelnd: "Normalerweise habe ich reichlich zu tun. Nur der August wird ruhiger, weil da alle Welt im Urlaub ist." Seine Kunden findet er ganz klassisch über Mundpropaganda – ganz ohne Website. Ein fester Geschäftspartner vermittelt ihm seit sechs Jahren verlässlich Aufträge. Janusz fühlt sich im Ort pudelwohl und schätzt die Freundlichkeit der Einheimischen. Gestern erst feierte er den erfolgreichen Abschluss eines kombinierten Projekts aus Schreinerei und Messebau. Nach einem kurzen Plausch wünschte ich ihm einen schönen Feierabend und zog weiter.

Begegnung 2: Insider-Tipps und Schnäppchenjäger aus Schwabmünchen
Wenig später traf ich auf dem Radweg direkt an der Via Claudia ein sympathisches Paar aus Schwabmünchen, das auf sportlichen Trekkingrädern eine rund 30 Kilometer lange Tour über das Hochfeld machte. Da sie unübersehbar Kleidung mit dem geschwungenen Logo des Schwabmünchner Outdoor-Herstellers Schöffel trugen, kamen wir sofort ins Gespräch.

Sie verrieten mir, dass das keineswegs Zufall war: „Wir nutzen regelmäßig den Schöffel-Werksverkauf direkt in Schwabmünchen“, erzählten sie begeistert. „Da bekommt man tolle Radbekleidung und spart locker bis zu 60 Prozent gegenüber dem Normalpreis!“ Einen kleinen Haken gibt es allerdings: Der Werksverkauf findet nur zweimal im Jahr statt und man muss etwas Glück mitbringen, um die passende Größe zu ergattern.

Besonders spannend wurde es, als ich nach ihren liebsten Radstrecken in der Umgebung fragte. Wer das Lechfeld schon in- und auswendig kennt, dem empfahlen die beiden einen Ausflug in die Stauden:

Biergarten Burgwalden: Ein herrlicher Ort für eine entspannte Rast.

Tinas Kaffee in Markt Wald-Schnerzhofen: Der absolute Geheimtipp des Paares. „Dort gibt es wunderbaren, selbstgemachten Kuchen. Wirklich toll! Man muss nur aufpassen: Das Café hat leider nur sonntags geöffnet.“

Die beiden waren übrigens bestens ausgestattet: An ihren Helmriemen trugen sie eckige Kommunikationsgeräte. „Das kennen wir vom Motorradfahren. Die Sprachqualität auf dem Rad ist super, um sich während der Fahrt hintereinander abzusprechen, wo man abbiegen muss“, erklärten sie mir. Nach einem gut gelaunten Austausch verabschiedeten sie sich Richtung Schwabmünchen.

Eine runde Sache fürs Lechfeld!
Mit rund 30 Kilometern auf dem Tacho, einer Menge spannendem Gesprächsstoff und tollen Fotos im Gepäck ging ein absolut gelungener Stadtradeln-Tag zu Ende. Unsere Heimat rund ums Lechfeld hat einfach unheimlich viel zu bieten – man muss nur die Augen offenhalten und mit den Menschen ins Gespräch kommen. Und jetzt? Wird der Grill angeheizt!

Bürgerreporter:in:

Wolfgang Weiss aus Untermeitingen

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