Bitteres Pokal-Aus für kämpende Ulmer Spatzen
SSV Ulm 1846 vs. SV Elversberg – Pokalabend im Donaustadion

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Ulm – Es war kurz nach 17 Uhr, als die ersten Grüppchen schwarz-weißer Spatzen-Fans über die Friedrichsau in Richtung Donaustadion schlenderten. Getränke in der Hand, Trikots aus alten Tagen in 2. Liga, Regionalligo oder sogar lange vergangenen Bundesliga-Tagen auf den Schultern – und diese Mischung aus Aufregung und Zuversicht im Blick, die nur der DFB-Pokal hervorbringt. An einem lauen Spätsommerabend, an dem selbst die Donau träge floss, stand die Stadt ganz im Zeichen des Pokals.

Anreise zum Donaustadion mit Charme – und Staus

Die Busse waren rappelvoll, manche entschieden sich für den Fußweg durch den Park, vorbei an Biergärten, in denen schon hitzig über mögliche Torschützen philosophiert wurde. Vor dem Stadion bildeten sich lange Schlangen, nicht nur an den Eingängen, sondern auch an den Bratwurstständen – wo der Duft nach gegrillten roten Würsten wie eine Einladung über dem Gelände lag.

Ein Stadion im Ausnahmezustand

Rund 9.500 Zuschauer drängten sich auf den Tribünen, darunter gut 700 mitgereiste Elversberger, die schon vor dem Anpfiff durch laute „SVE!“-Rufe auf sich aufmerksam machten. In der Ulmer Kurve wogten die Fahnen, eine riesige Blockfahne mit Spatzen-Emblem spannte sich über mehrere Reihen. Moderator und Stadionsprecher sorgten für Gänsehaut – die ganze Friedrichsau sang mit.

Stimmen von den Rängen – „Wir sind stolz auf die Jungs“ - vor dem Spiel

Noch vor dem Anpfiff sprach ich mit Ralf, der seit 30 Jahren ins Stadion kommt:
„Klar, Elversberg ist Favorit. Aber im Pokal ist alles möglich – und wir haben schon ganz andere rausgehauen.“

Neben ihm stand Lisa, Studentin:
„Für uns ist das heute ein Feiertag. Egal wie’s ausgeht – wir wollen, dass die Jungs alles geben.“

Die Stimmung war ausgelassen, Kinder mit schwarz-weißen Schals liefen zwischen den Verkaufsständen umher, der Duft von Roten Würsten und frischem Bier lag in der Luft.

Das Spiel – Nervenspiel bis zum Stich ins Herz

Die Partie begann vorsichtig: Ulm formierte sich kompakt, Elversberg suchte Lücken, ohne ins offene Messer zu laufen. Die erste Riesenchance hatte Gästestürmer Conté, dessen Versuch jedoch auf dem Tordach landete. Nach der Pause nahm das Spiel Fahrt auf – vor allem durch die lautstarke Unterstützung der Ulmer Fans. Den großen Aufreger auf der Tribüne gab es in der 54. Minute. Zunächst steht Seegert ungedeckt am zweiten Pfosten und köpft Richtung Tor. Der Elversberger Gyamerah blockt. "HAND"-SPIEL schreit die ganze Fanscharr auf der Tribüne. Doch der Pfiff von Schiedrichter Hempel aus Dresden bleibt aus. In der 58. Minute köpfte Seegert nach einer Ecke nur Zentimeter neben das Tor, kurz darauf traf Röser ins Netz – doch die Fahne war oben. Abseits, und der kollektive Jubel blieb stecken.
In der 73. Minute dann der Moment, der das Spiel entschied: ein verunglückter Befreiungsschlag landete bei Felix Keidel, der aus halblinker Position trocken ins kurze Eck abschloss. Das 0:1 – und ein Stich ins Ulmer Herz. Ein Nackenschlag!

🎶 Die Fankurven geben nicht auf
Trotz Rückstand riss die Spatzen-Kurve nicht ab. „Ulm, Ulm, vor!“ hallte es unermüdlich. Imposant vor allem immer wieder das Zusammenspiel der Blöcke, die im Duett sangen:  "Gestern noch in Albeck, morgen schon in Köln, Claudia Schiffer find‘ ich gar nicht schön. Wir sind die Ulmer, wir sind die Spatzen, wir sind diejenigen, die immer wieder klatschen."

Die Spieler warfen alles nach vorne, doch Elversberg verteidigte clever, lauerte auf Konter.

Nach dem Schlusspfiff jubelten die Gäste ausgelassen vor ihrer Kurve, während die Ulmer Mannschaft minutenlang bei ihren Fans blieb – Applaus trotz Niederlage.

Szenen abseits des Rasens

Wer während des Spiels den Blick schweifen ließ, konnte sehen, wie Kinder in Begleitung ihrer Eltern mit großen Augen das Geschehen verfolgten, wie alte Bekannte sich in den Gängen umarmten und Fremde gemeinsam litten. Ein älterer Herr im ausgeblichenen Ulm-Trikot erzählte einem Balljungen, er habe „schon gegen Bayern hier gestanden – 1999 war das“.

Die Verpflegungsstände meldeten Teilweise, dass Feuerwurst und Bier aus sind. Nachschub kam aber bald. Dennoch ein Zeichen, wie sehr die Stadt diesen Abend gelebt hat.

Stimmen nach dem Spiel

Robert Lechleiter (Ulm-Trainer): „Wir haben alles reingeworfen. Es tut weh, aber ich bin stolz auf die Mentalität der Jungs.“

Felix Keidel (Torschütze Elversberg): „Das sind die Momente, für die man Fußball spielt – mein erstes DFB-Pokal-Tor, und dann noch so wichtig.“

Ein Ulm-Fan hinter der Gegengerade: „Wir sind enttäuscht, klar. Aber das hier heute war Fußball, wie wir ihn lieben – mit Herz, Kampf und Emotion.“

Fazit des Abends

Das Ergebnis mag aus Ulmer Sicht schmerzen, doch der Pokalabend hat gezeigt, wie eng Verein, Stadt und Fans zusammenstehen. Die Niederlage gegen den Zweitligisten Elversberg wird in ein paar Wochen verblassen – die Bilder von den Rängen, leuchtenden Augen und einem Donaustadion im Ausnahmezustand bleiben.

Bürgerreporter:in:

Tobias Müller

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