Julia Hornung im Interview
Eine Schwabmünchner Musikerin auf Welterfolg und jetzt in Schwabmünchen zu hören
- Julia Hornung
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Julia Hornung (* 18. November 1990 in Schwabmünchen) ist eine deutsche Musikerin (Kontrabass, E-Bass, Komposition).
Sie hat in München (HfMT) Musik studiert, war Stipendiatin der Yehudi-Menuhin-Stiftung Bayern und arbeitet als Bassistin und freie Kulturschaffende. Sie konzertiert u.a. in den Gypsy Jazz-Formationen Swing 23, mit Joscho Stephan, in der Avantgarde Pop-Band SiEA sowie in vielen Projekten der freien Szene europaweit. Mit ihren Musikverlagen Velvet Edition und Upstroke Edition, sowie der Booking-Agentur Upstroke Music ist Julia Hornung auch hinter den Kulissen tätig und wichtige Triebfeder der Vernetzung vielfältiger musikalischer Milieus. 2021 wurde Julia Hornung mit dem BMW Welt Young Artists Jazz Award ausgezeichnet und seitdem startet sie weltweit durch.
Doris Hafner: Hallo Julia, es freut mich wirklich ungemein, dass wir Dich zwischen Deinen internationalen Tourdaten USA, Frankreich, Italien etc. am 1. Oktober auch in Schwabmünchen hören können! Du und Deine Ensembles seid sehr begehrt und wir haben Glück, dass das kleine und feine Konzert in Museum und Galerie klappt.
Lass uns doch etwas teilhaben an deinen internationalen Konzerten von diesem Jahr. Ich habe auf Instagram gesehen, dass ihr unter anderem in Boston vor rund 2000 Zuschauern und ausverkauften Sälen gespielt habt?
Julia: Ja genau, ich war dieses Jahr für eine 10-tägige Tour in den USA gebucht mit dem bekanntesten Gypsy Gitarristen Deutschlands, Joscho Stephan. Wir haben jeden Tag zwei Konzerte gegeben, die ganze Ostküste entlang, also von Boston bis runter nach North Carolina. Mein Highlight war natürlich New York, welcher Musiker träumt nicht davon, vor tausenden von Leuten in New York zu spielen? Die schönste Stadt jedoch war für mich Philadelphia. Leider ist mir das „Philly Cheesesteak“ nicht so gut bekommen! Natürlich habe ich jeden Tag mindestens einen Burger mit Pommes gegessen, manchmal auch zweimal am Tag.
DH: Du bist ja in den letzten paar Jahren musikalisch wirklich durchgestartet.
Hat dazu der BMW Welt Young Artist Jazz Award maßgeblich beigetragen oder ist der Award eher das Ergebnis früherer Aktivitäten und Professionalität und der Award markiert die neue Stufe des Erfolgs?
Julia: Der Award war auf jeden Fall das Ergebnis von viel Arbeit, üben und „connecten“ in den Jahren davor. Er hat mir dann aber auch viele neue Türen geöffnet und mich bestärkt weiterzumachen. Ich bin von Natur aus sehr ehrgeizig und jede Bestätigung, sei es durch einen Award oder ein Stipendium, befeuert den Ehrgeiz noch.
Außerdem finde ich, dass diese Musik zu den Leuten muss, denn es sind genug Menschen abgeschreckt vom Begriff „Jazz“ und ich will mit meiner Musik und der Bühnenpräsenz zeigen, dass es auch wirklich Spaß macht, auf ein Gypsy Swing Konzert zu gehen. Es ist ganz und gar nicht steif und soll nicht verkopft wirken, sondern mit Lebensfreude anstecken.
DH: Julia, Du zählst inzwischen auch international zu den Gypsy-Swing-Musikerinnen, die man kennen muss. Wie kamst Du eigentlich dazu oder wie kam es, dass Dich Gypsy Swing und die Musik von Django Reinhardt so begeistert haben?
Julia: Ich stamme aus einer Musikerfamilie – viele kennen sicherlich meinen Vater und meinen Bruder. Wir alle haben Jazz studiert.
Doch gerade mich hat die akademisch oft sehr verkopfte und steife Herangehensweise im Studium schnell gelangweilt. Im zweiten Studienjahr stand ich sogar kurz vor dem Abbruch: Ich hatte das Gefühl, mit meinem Wunsch nach Leichtigkeit und Ungezwungenheit auf der Bühne allein dazustehen. Mein Ziel war es von jeher, Menschen durch Live-Musik pure Freude zu schenken – ich möchte, dass mein Publikum den Konzertsaal mit einem Lächeln verlässt und einen beschwingten, unvergesslichen Abend erlebt.
Die Rettung kam durch den Tipp einer Freundin in München, die mich mit einer damaligen Hobby-Gypsy Swing-Band zusammenbrachte. Deren Gitarrist drückte mir eine selbstgebrannte CD mit den ikonischsten Titeln von Django Reinhardt und Klassikern des Genres in die Hand – und von der ersten Sekunde an war es um mich geschehen. Über diesen Zufall tauchte ich tief in eine Szene ein, die sich spürbar vom modernen Jazz unterscheidet: voller Energie, Nahbarkeit und Lebensfreude. Genau hier habe ich meine musikalische Heimat gefunden und das, was ich meinem Publikum auf der Bühne mitgeben möchte.
DH: Die Jury vom BMW Welt Young Artist Jazz Award hat besonders Deine „außergewöhnliche Vielseitigkeit“ hervorgehoben. Wie kommt das?
Julia: Vielseitigkeit bedeutet für mich, Musik ganzheitlich zu denken und grenzenlos zu leben. Das fängt schon bei meinem Instrument an: Als Bassistin genieße ich enorme Freiheit. Der Kontrabass ist das pulsierende Herzstück eines Ensembles – er gibt mir die Flexibilität, das rhythmische Fundament zu legen, aber genauso melodisch zu führen und klanglich in völlig unterschiedliche Genres einzutauchen.
Diese Freiheit übertrage ich auf alles, was ich tue. Als Musikerin, Bandleaderin und Kuratorin wechsle ich ständig die Perspektiven. Das hält den Kopf flexibel und öffnet Räume für unerwartete Begegnungen.
Ein wunderbares Beispiel dafür ist mein neues internationales Frauen-Ensemble mit Musikerinnen aus Griechenland, Frankreich, der Türkei und Ungarn, welches ich ins Leben gerufen habe. Hier fließen unterschiedlichste kulturelle Einflüsse, Traditionen und Temperamente zusammen – ein Raum voller kreativer Energie, der zeigt, wie verbindend und vielfältig Musik heute sein kann.
DH: Weibliche Kontrabassistinnen sind ja – auch wenn es deutlicher mehr gibt als früher – in der Minderheit. Ist Gleichberechtigung immer noch ein Thema innerhalb der Musikergemeinschaft oder ist die Szene zu kompetitiv? Soweit ich weiß, bist Du auch in dieser Sache hinter den Kulissen aktiv?
Julia: Gleichberechtigung ist kein Widerspruch zu einer kompetitiven Szene – echte Qualität setzt sich immer durch, aber sie braucht erst einmal Sichtbarkeit.
Als Kontrabassistin kenne ich den Blick auf die vermeintliche 'Ausnahme auf der Bühne', wünsche mir aber eine Szene, in der das Geschlecht schlicht keine Rolle mehr spielt, sondern nur noch die musikalische Haltung.
Weil das noch nicht überall Realität ist, stecke ich viel Energie in die Arbeit hinter den Kulissen. Als Kuratorin und Bandleaderin nutze ich meine Gestaltungsräume aktiv, um hochkarätigen Musikerinnen eine Plattform zu geben und sie international zu vernetzen. Es geht mir darum, Vorbilder zu schaffen und Räume zu öffnen – nicht durch Belehrung, sondern durch mitreißende musikalische Projekte auf höchstem Niveau.
DH: Wie und wo kannst Du zwischen so vielen Projekten, Organisationsdingen, Netzwerkpflege und Tour-Reisen auch mal Kraft schöpfen?
Julia: Das mache ich meistens im Ausland, da ich in München oder generell in Deutschland irgendwie nicht abschalten kann. Ich muss die Grenze überqueren und dann versteht mein Kopf: „Ah, jetzt ist Urlaub“.
Im Moment bin ich sehr viel in Italien, in Turin im Piemont, da ich finde, dort gibt es den besten Wein und die Menschen geben mir das Gefühl von „Dolce Vita“.
DH: Gibt es ein Projekt, an dem Du gerade arbeitest oder es entwickelst, das Dir besonders am Herzen liegt? Oder ein Ziel, das Du vor Augen hast?
Julia: Ich glaube, in einer Zeit, die oft von Hektik und Verkopftheit geprägt ist, kann Musik eine enorme Gegenkraft sein. Was ich den Menschen mitgeben möchte, ist echte Nahbarkeit, Leichtigkeit und unbeschwerte Energie. Genau aus diesem Antrieb heraus baue ich meine eigenen Projekte immer weiter aus – um mir mehr Gestaltungsraum zu schaffen, als Künstlerin sichtbar zu sein und Räume zu kreieren, die einfach gute Laune machen.
Ein Projekt, das mir dabei aktuell ganz besonders am Herzen liegt, entsteht gerade in Italien: Das Haus von meinem Freund und mir in der Nähe von Turin wird zu einem internationalen Knotenpunkt für Gypsy-Swing-Workshops. Mir geht es darum, Orte zu schaffen, an denen Menschen aus ganz Europa zusammenkommen – ganz egal, ob man aktiv am Instrument dabei ist oder einfach als Gast in diese lebendige Atmosphäre eintauchen möchte.
Ob auf der Bühne oder bei den Workshops: Der Gypsy Swing und Jazz, wie ich ihn verstehe, geht direkt ins Herz und in die Beine. Wenn die Leute nach zwei Stunden den Alltag komplett vergessen haben und mit einem Lächeln nach Hause gehen, habe ich mein Ziel erreicht.
DH: Liebe Julia, herzlichen Dank für Deine Bereitschaft und Offenheit für dieses Interview. Wir freuen uns sehr darauf Dich in Schwabmünchen im MUGS mit dem Collectif Django und der französischen Geigerin und Sängerin Aurore Voilqué live zu hören und sehen!
Swing im MUGS: Julia Hornung & Collectif Django feat. Aurore Voilqué
Donnerstag, 1. Oktober um 20 Uhr im MUGS
Karten gibt es auf www.kultur-schwabmuenchen.de oder im Kulturbüro immer Donnerstag ab 14 Uhr. Erwachsene: 18,- €; bis 16 Jahre 10,- €
Das Interview führte Dr. Doris Hafner, Leitung von Kulturbüro und Museum und Galerie der Stadt Schwabmünchen.
myheimat-Team:Madlen Ellmenreich aus Augsburg |
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