Wenn die Hitze zur Kunst führt
Die Holzgeheimnisse des Gerd Bitterer

Foto: (c) Fotos: Wolfgang Weiss, (c) Kunstwerke Herr Gerd Bitterer
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  • hochgeladen von Wolfgang Weiss

Eigentlich war es mir am 21.06.2026 auf der Terrasse einfach viel zu heiß. Auf der Suche nach einer Abkühlung und etwas Abwechslung auf dem Lechfeld stieß ich auf die Ausstellung „Baum und Form“ in der Kunsthaus Galerie in Schwabmünchen. Betrieben wird diese tolle Plattform vom Kunstverein Schwabmünchen.

Ich gebe es offen zu: Meine Erwartungen waren überschaubar. Ich dachte an klassische, vielleicht etwas langweilige gedrechselte Holzvasen. Doch was mich dort erwartete, hat mich positiv überrascht – und genau deshalb schreibe ich diesen Artikel für alle, die bisher dachten: „Ach, Holzkunst ist doch nichts für mich!“ Ihr würdet definitiv etwas versäumem.

Der Mann, der mit dem Holz spielt: Gerd Bitterer
In der Galerie traf ich den Künstler Gerd Bitterer und seine Frau. Herr Bitterer ist kein gewöhnlicher Handwerker; er ist ein leidenschaftlicher Querholzdrechsler. Vergessen Sie langweilige Stangen oder klassische Kerzenständer! Er bändigt das Holz an seiner Maschine und entlockt ihm Formen, die ich so noch nie gesehen habe.

Seine Lebensgeschichte ist mindestens so spannend wie seine Kunst:
• Vom Hörsaal in die Werkstatt: Eigentlich studierte er in München Biologie und Chemie, brach das Studium jedoch ab. Mit 28 Jahren begann er eine Schreinerlehre, machte später seinen Meister und arbeitete im Innenausbau.
• 25 Jahre Lehrer: Danach unterrichtete er ein Vierteljahrhundert lang an der Kerschensteiner Schule Fächer wie Gestaltung, Konstruktion und Werkstoffkunde.
• Unruhestand seit 2015: Seit 2015 ist er Rentner und genießt es sichtlich, einfach „mit Holz spielen zu dürfen“.

„Ich mag keine Massenprodukte wie Eierbecher, Kugelgredrehtes oder Pfeffermühlen. Das ist was für Feinmechaniker. Ich darf mit Lust am Holz spielen.“ – Gerd Bitterer

Wenn die Natur die Form bestimmt
Das Faszinierende an den Kunstwerken ist, dass viele Formen erst durch den Trocknungsprozess des gedrechselten, nassen Holzes entstehen. Da reißt das Holz beim Fernsehabend auch mal mit einem lauten Knall auf oder verzieht sich zu einer eleganten Kurve.

Ein Highlight der Ausstellung ist eine Vasenform aus einem Tulpenbaum. Das Holz stammt aus dem Wittelsbacher Park. Ein Nachbar brachte ihm ein Stück davon vorbei.
Ein weiteres, unscheinbares Wunderwerk der Natur: Zwei völlig verschiedene Holzarten, die im Wald als Veredelung  nebeneinander gewachsen sind, dass sie ohne künstliche Verleimung miteinander verschmolzen sind. Natur vom Feinsten, die man erst auf den zweiten Blick sieht.

Die heimliche Chefin und die "unverkäuflichen" Schätze
Wer einen Blick auf die Preisleiste der Kunstwerke wirft, entdeckt erstaunlich oft das Wort „unverkäuflich“. Und hier kommt Frau Bitterer ins Spiel! Sie hat das absolute Veto-Recht darüber, welche Werke die Galerie verlassen dürfen und welche im privaten Besitz bleiben.

• Gesichter im Holz: Manchmal tauchen beim Drechseln durch die Maserung durch Zufall Gesichter, Augen oder Tierformen auf. Hört der Künstler nur einen Millimeter zu früh oder zu spät auf, ist das Bild weg oder wird nicht sichtbar. Solche „Wunderwerke“ bleiben kompromisslos im Hause Bitterer oder für uns einmalig sichtbar in der Ausstellung.

• Kunst im Alltag: Die Schätze verstauben zu Hause aber nicht in Vitrinen. Frau Bitterer nutzt sie regelmäßig als Obstschalen, Brotkörbe oder – ausgestattet mit einem Glaseinsatz – als echte Blumenvasen für die bunten Blumen aus dem Garten.

Unbedingt anschauen!
Gerd Bitterer hat noch Holz im Keller für die nächsten 200 Jahre gelagert. Wir dürfen uns also auf viele weitere Kunstwerke freuen.
Wer auch nur ein Fünkchen Interesse an Natur, Handwerk und echter Ästhetik hat, sollte sich diese Ausstellung in der Kunsthaus Galerie Schwabmünchen nicht entgehen lassen. Es ist eine großartige Plattform für die Region und war ein echtes Erlebnis für mich.

Bürgerreporter:in:

Wolfgang Weiss aus Untermeitingen

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