Biogasanlagen
Warum Güllenutzung in Biogasanlagen nicht die Lösung ist.

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Warum Güllenutzung in Biogasanlagen nicht der beste Weg ist, um Massentierhaltung zu verringern und das Klima zu schützen

Die Vergärung von Gülle in Biogasanlagen wird oft als ökologische Wunderwaffe gepriesen: Sie verwandelt ein Abfallprodukt in Energie und reduziert Methanemissionen aus der offenen Lagerung. Das Umweltbundesamt bestätigt diese technischen Vorteile grundsätzlich.
Doch wer glaubt, damit sei das Problem der Massentierhaltung gelöst, unterliegt einem gefährlichen Trugschluss. Die Technik behandelt ein Symptom, bekämpft aber nicht die Ursache.

Im Gegenteil: Sie kann das System der industriellen Tierhaltung sogar stabilisieren.

1. Die Ursache bleibt unangetastet
Gülle ist das direkte Ergebnis der Tierhaltung. Eine Biogasanlage macht aus dem Überschuss zwar Energie, reduziert aber keineswegs die Anzahl der gehaltenen Tiere. Die eigentlichen Umweltprobleme der Massentierhaltung bestehen weiterhin: enorme Ammoniakemissionen, Nitratüberschüsse im Boden, ein hoher Flächenbedarf für Futtermittel und die damit verbundenen Emissionen aus Anbau und Transport. Wer nur die Gülle vergärt, ignoriert den ökologischen Rucksack, den jedes einzelne Tier bereits vor der „Entsorgung“ seines Kots mit sich trägt.

2. Ein wirtschaftlicher Anreiz für mehr Tiere
Das vielleicht problematischste Argument ist der ökonomische Effekt. Wenn Gülle nicht länger nur Kosten für die Entsorgung verursacht, sondern durch Biogaserträge und Fördergelder zur Einnahmequelle wird, entsteht ein perverse Anreizstruktur. Der Kreislauf lautet dann: Mehr Tiere führen zu mehr Gülle, was zu mehr Biogas und zusätzlichen Einnahmen führt. Dies stabilisiert die wirtschaftliche Basis großer Tierbestände, anstatt einen Anreiz zur Reduktion zu setzen. Ökologisch sinnvoll wäre jedoch der umgekehrte Weg: Weniger Tiere, weniger Gülle, weniger Nährstoffdruck. Das Umweltbundesamt benennt die Verringerung der Wiederkäuerbestände ausdrücklich als eine der wirksamsten Klimaschutzmaßnahmen.

3. Das Methan-Problem wird nur halb gelöst
Zwar wird das Methan aus der Lagerung durch die geschlossene Vergärung aufgefangen, doch ein Großteil der landwirtschaftlichen Methanemissionen entsteht gar nicht im Keller, sondern im Magen der Tiere. Rund 77 % der landwirtschaftlichen Methanemissionen stammen aus der Verdauung (Fermentation), davon der überwiegende Teil von Rindern. Eine Biogasanlage ändert nichts an den Emissionen, die die Kuh bereits während ihres Lebens produziert. Die Klimabilanz bleibt also auch bei perfekter Gülleverwertung belastet.

4. Nährstoffüberschüsse und Ammoniak bleiben
Die Vergärung eliminiert den Stickstoff nicht. Im Gegenteil: Nach dem Fermenter liegt der Stickstoff oft in einer Form vor, die für Pflanzen noch leichter verfügbar ist. Das erhöht das Risiko von Ammoniakemissionen bei der späteren Ausbringung auf den Feldern. In Regionen mit intensiver Tierhaltung, wo ohnehin schon zu viele Nährstoffe auf zu wenig Fläche fallen, löst die Biogasanlage das Problem der Überdüngung nicht. Der Gärrest muss weiterhin irgendwohin – und wenn die Flächen knapp sind, bleibt die Umweltbelastung bestehen.

5. Der Futtermittel-Fußabdruck wird ignoriert
Der größte ökologische Hebel der Tierhaltung liegt im Futtermittelverbrauch. Für die Produktion von Soja, Mais und Getreide werden weltweit Flächen beansprucht, Wälder gerodet und Ressourcen verbraucht. Eine Biogasanlage am Ende der Kette macht diesen vorherigen Ressourcenverbrauch nicht ungeschehen. Die Gleichung „Gülle zu Energie equals nachhaltige Tierhaltung“ ist zu kurz gedacht, solange der immense Input an Futtermitteln unberücksichtigt bleibt.

6. Kreislaufwirtschaft als Schönfärbung
Das Bild des perfekten Kreislaufs (Futter → Tier → Gülle → Energie → Dünger → Futter) klingt nachhaltig, ist aber trügerisch, wenn der Kreislauf überlastet ist. Ein technisch effizienterer Kreislauf macht einen zu großen Kreislauf nicht automatisch ökologisch tragfähig.
Wenn zu viele Tiere auf zu wenig Fläche gehalten werden, hilft auch die beste Biogastechnik nicht gegen die physikalischen Grenzen der Aufnahmefähigkeit von Böden und Gewässern.

Fazit: Technik ist kein Freibrief
Die Kritik richtet sich nicht gegen die Technologie der Biogasgewinnung an sich. Die Vergärung von unvermeidbaren Wirtschaftsdüngern ist sinnvoller als die offene Lagerung. Das Problem entsteht, wenn diese Technologie als Rechtfertigung genutzt wird, um die Massentierhaltung als „klimafreundlich“ umzudecken.

Der effektivste Weg zum Klimaschutz und zur Verringerung der Umweltbelastungen ist nicht die Optimierung der Gülleentsorgung bei gleichzeitig hohem Tierbestand. Die einzig konsequente Strategie ist die Reduktion der Tierzahlen in Kombination mit der Nutzung von Bioabfällen für die Energiegewinnung.

Nur wer die Ursache – die Überproduktion an Tieren – angeht, schützt das Klima und die Umwelt wirklich nachhaltig.

baltman - Bilder und Formatierung KI unterstützt

Bürgerreporter:in:

Uwe F. E. Hillmann aus Ronnenberg

Webseite von Uwe F. E. Hillmann

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