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R obo-Schafe im Ruhrgebiet
- Foto: Didi van Frits mit ChatGPT Work 5.6
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Früher brauchte man im Ruhrgebiet für einen ordentlichen Beruf eine Ausbildung, einen Helm und möglichst einen Onkel bei der Zeche.
Heute genügt es, volljährig zu sein und vor einer Kamera nicht auszusehen, als habe man gerade erfahren, dass der Bergbau beendet wurde.
Der Regionalverband Ruhr sucht nämlich einen „Haldenwärter“. Einen Beruf, den es bisher nicht gab und von dem wir deshalb auch noch nicht wissen, ob man ihn später bei der Rentenversicherung angeben kann.
Der Haldenwärter zieht Mitte September für eine Woche in ein Tiny House auf der Halde Hoheward (bei Herten/Recklinghausen). Dort soll er Robo-Schafe hüten, den Sonnenaufgang inspizieren und das Ruhrgebiet in den sozialen Netzwerken präsentieren.
Dafür gibt es 5.000 Euro.
Das ist im Ruhrgebiet ein bemerkenswerter Strukturwandel. Früher fuhren die Menschen morgens unter Tage und holten Kohle aus dem Berg. Heute steigen sie auf den Berg, filmen sich beim Sonnenaufgang und hoffen, dass jemand auf „Gefällt mir“ drückt.
Die neue Steigerprüfung besteht nicht mehr darin,
einen Stollen zu sichern.
Man muss vor der Kamera sagen können:
„Boah, guckt mal, wie schön dat hier is!“
Besondere Qualifikationen sind nicht erforderlich. Man braucht weder Erfahrung in der Schafhaltung noch Kenntnisse in Robotik. Vermutlich muss man nicht einmal wissen, an welcher Seite eines Robo-Schafes das Ladekabel angeschlossen wird.
Das ist beruhigend. Ein echtes Schaf könnte bei unzureichender Betreuung davonlaufen, erkranken oder plötzlich eine eigene Meinung entwickeln. Ein Robo-Schaf dagegen ist das ideale Tier für eine Standortmarketingkampagne: Es blökt nicht dazwischen, hinterlässt keine organischen Spuren und verlangt vermutlich auch keinen Tarifvertrag.
Obwohl man im Ruhrgebiet vorsichtig sein sollte. Am Ende schließen sich die Robo-Schafe noch zusammen, gründen die IG Metallwolle und fordern zwei zusätzliche Ladepausen.
Zu den Aufgaben des Haldenwärters gehört außerdem die „Sonnenaufgangs-Inspektion“. Offenbar traut der Regionalverband auch der Sonne nicht mehr vollständig. Vielleicht muss morgens überprüft werden, ob sie pünktlich erscheint, ausreichend leuchtet und das Ruhrgebiet von seiner günstigen Seite beleuchtet.
Falls nicht, wird wahrscheinlich ein Formular ausgefüllt:
**Sonne über Herten heute mangelhaft.
Zu viele Wolken.
Horizont nicht instagramfähig.
Nachbesserung erforderlich.**
Begleitet wird der Haldenwärter von der Comedienne Luisa Charlotte Schulz. Sie führt auch die abschließenden Bewerbungsgespräche. Das ist sinnvoll, denn im Ruhrgebiet lässt sich inzwischen offenbar nicht mehr genau unterscheiden, wo die Arbeitswelt endet und die Comedy beginnt.
RVR-Regionaldirektor Garrelt Duin erklärt, der außergewöhnliche Job zeige, „wie das Ruhrgebiet tickt“: bodenständig, anpackend, kreativ und humorvoll.
Das stimmt natürlich.
Bodenständig wohnt der Haldenwärter 152 Meter über dem Boden.
Anpacken muss er wahrscheinlich hauptsächlich das Smartphone.
Kreativ wird anschließend das Werbevideo geschnitten.
Und Humor braucht man schon deshalb, weil ein Mensch für 5.000 Euro Robo-Schafe bewacht, die vermutlich wesentlich teurer sind als er selbst.
Vielleicht ist der Haldenwärter aber tatsächlich der Beruf der Zukunft. Sobald das Projekt erfolgreich ist, könnten überall im Ruhrgebiet neue Arbeitsplätze entstehen: der Gasometer-Gardiener, die Fördertürme-Flüsterin, der Industriekultur-Influencer und der hauptamtliche Currywurst-Kontrolleur.
Letzterer müsste täglich prüfen, ob die Wurst noch authentisch genug schmeckt und ob die Pommes ordnungsgemäß mit der kleinen zweizinkigen Plastikgabel gegessen werden. Honorar: 5.000 Euro pro Woche plus Mayonnaise.
Man sollte über diese Aktion trotzdem nicht nur spotten. Denn die Halden des Ruhrgebiets waren einmal die Abfallberge der Industrie. Heute sind sie Aussichtspunkte, Landschaftsparks und Orte, von denen aus man erkennen kann, dass aus einer verwundeten Landschaft etwas Neues werden kann.
Vielleicht braucht eine solche Landschaft sogar ein paar Robo-Schafe. Sie passen zu einer Region, die ihre Vergangenheit nicht abgerissen, sondern begrünt hat – und die manchmal einen ziemlich verrückten Einfall braucht, um den Menschen zu zeigen, was aus ihr geworden ist.
Früher stand auf der Halde ein Bergmann und sah nach, ob unten die Zeche noch arbeitete.
Heute steht dort ein Haldenwärter, hält sein Handy in den Sonnenaufgang und zählt elektronische Schafe.
Bürgerreporter:in:Didi van Frits aus Hattingen |
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