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Dampfnudelblues auf der Theaterbühne

Dampfnudelblues: Läuft nicht mehr so zwischen Susi und Franz. (Foto: Peter Litvai / Landestheater Niederbayern)
 
Birkenberger (links) und Eberhofer verhören Stricher Sänger. (Foto: Peter Litvai / Landestheater Niederbayern)
Passau: Stadttheater | Das Landestheater Niederbayern hat unter der Regie von Steffi Baier den Provinzkrimi „Dampfnudelblues“ aus der Feder von Rita Falk auf die Theaterbühne gebracht. Am ersten Aprilwochenende wurde das gelungene Stück in dieser Spielzeit letztmals in Passau aufgeführt.

Darum geht es:
Polizist Franz Eberhofer wurde wegen übertriebenen Dienstwaffengebrauches von München ins dörfliche Niederkaltenkirchen versetzt. Dort wohnt er mit seinem Vater, der eine Cannabis-Plantage betreibt, und seiner Oma zusammen, die sich um sein leibliches Wohl kümmert. Dass Leben für den Dorfgendarmen könnte so einfach sein, würde er seine Beziehung mit Susi aus der Stadtverwaltung nicht vergeigen und wäre da nicht die Sache mit dem Höpfl. „STIRB, DU SAU!“ steht nämlich in blutroter Farbe auf der Hauswand des Realschulrektors. Kurz darauf ist Höpfl verschwunden, kehrt mit blauen Flecken übersät zurück, ehe die Spurensicherung wenig später seine Überreste von den Bahngleisen kratzt. Kräftig unterstützt von seinem nun als Privatdetektiv tätigen Ex-Kollegen Rudi Birkenberger ermittelt Eberhofer in diesem Mordfall, während es daheim sowohl in der Liebe als auch in der Familie dank dem zurückgekehrten Bruder Leopold und seinem Asien-Mitbringsel Panida samt Baby drunter und drüber geht.

So toll ist die Inszenierung:
Natürlich wurde der Roman „Dampfnudelblues“ für die Bühnenaufführung gekürzt. 64 Schauplätze wurden stark reduziert – auf ein weitgehend festes Bühnenbild mit mehreren Ebenen, das marginal und ohne Umbaupausen verändert wird. Jörg Brombacher hat hier ganze Arbeit geleistet, denn der Zuschauer kann sich Wohnungen, Cannabis-Plantage, Waldstück, Metzgerei und Kneipe mühelos vorstellen. Ein paar verrückte Stühle und vor dem Höpfl-Haus steht das Wirtshaus, ein Jägerstand im Hintergrund samt einem auf Leinwand projizierter vorbeifahrender Zug und schon hat die Theaterbühne ihren Tatort. Türen gibt es gar nicht. Aufgesperrt werden sie dennoch. Eberhofer nimmt einen Ersatzschlüssel aus der Höpfl-Wohnung mit und kündigt bei seinem nächsten Besuch vor Ort dem Zuschauer in einer Art Selbstgespräch an, dass er hier ja den Ersatzschlüssel in der Hand hält, mit dem er umgehend das Luftschloss öffnet.

Werden neue Figuren eingeführt, friert Hauptdarsteller Adrian Spielbauer als Franz Eberhofer das Bild ein und erklärt dem Publikum, wer dieser Kerl ist, woher er ihn kennt und was man eben über ihn wissen muss, um der Handlung problemlos folgen zu können. Doch nicht nur die erzählten Handlungsstränge, die Bühnenausstattung und die Technik unter der Leitung von Jörg-Uwe Kerstein funktionieren, auch Requisiten (Gwenhyfar Sommer, Tim Mannott) und die Kostüme aus den Werkstätten des Landestheaters Niederbayern sind stimmig. Beispiel für einen witzigen Requisiten-Einsatz gefällig? Beim Stammtisch legen die Waffennarren Eberhofer und Birkenberger ihre Knarren auf den Tisch. Dem will Metzger Simmerl nicht nachstehen, also kramt er sein Hackebeil aus der Tasche und drapiert es ebenfalls auf dem Tisch.

Herrliches Ensemble: Schauspieler glänzen
Richtig Laune in diesem herrlichen überdrehten Stück machen aber vor allem so einige schauspielerische Darbietungen. Elf Akteure im Scheinwerferlicht verwandeln die Bühne im Rahmen des „Dampfnudelblues“ in ein echtes Erlebnis. Beispielsweise reichen die Mimik von Papa Eberhofer (Joachim Vollrath) und sein Joint mit echtem Duft, um die soeben im hinteren Teil der Bühne vollführte Sofa-Szene zwischen Franz und Susi (Ines Schmiedt, die in zwei weiteren Rollen im Einsatz ist) wortlos, aber treffend zu kommentieren. Nicht zu vergessen der junge Stricher Sänger, dem Julian Häuser in einem bis dato rein niederbayerischen Stück einen genialen schwäbischen Dialekt leiht. Von dieser sprachlichen Ausprägung ist in seiner zweiten Rolle als Sohn von Metzger Simmerl (Julian Niedermeier) nichts zu hören. Herrlich überzogen interpretiert Reinhard Peer seine Rolle als Leopold – wann kommt es schon mal vor, dass man eigentlich noch viel mehr von so einem schleimigen Bruder sehen möchte?

Den Höhepunkt stellt jedoch Moritz Katzmair als Rudi Birkenberger dar. Im „I Love Mallorca“-Shirt (Love als Herz dargestellt) mit Jackett darüber wird der Ermittler zwar spät eingeführt, dreht dann aber dermaßen auf. Der kleine Waffennarr kann drollig mit Babys umgehen und bricht andererseits als genervter Verhörspezialist emotional aus; zudem liefert Katzmair als Fußballer Luca Toni eine krasse Show im Eberhofer-Albtraum ab. In weiteren Rollen, die jedoch eher blass angelegt sind, überzeugen Olaf Schürmann (Rektor Höpfl, Richter Moratschek), Laura Puschek (Nachbarin Liesl Mooshammer, Höpfls Schwester), Paula-Maria Kirschner (Oma Eberhofer) sowie Thomas Pleiner (Wirt Wolfi). Abschließende Notiz am Rande und gleichzeitig ein weiteres Indiz für eine sehr gelungene Inszenierung: Es spielt keine Rolle, ob der Zuschauer den Dampfnudelblues gelesen oder den Film gesehen hat – das Theaterstück spricht für sich und macht Spaß!

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