Die 2-Prozent-CO₂-Saga

Foto: GvMeegen

Immer wieder hört man in Klimadiskussionen oder bei Streitgesprächen das Argument: „Deutschland ist doch nur mit rund 2 Prozent am weltweiten CO₂-Ausstoß beteiligt – und dafür sollen wir unsere Wirtschaft und unser Wohlergehen aufs Spiel setzen?“

Als Vergleich wird dann meist China angeführt: China verursache schließlich rund 30 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen, während Deutschland nur für einen Bruchteil davon verantwortlich sei.

Von überzeugten Klimaleugnern ist ein solches Argument vielleicht nicht anders zu erwarten. Verwunderlich ist allerdings, wenn auch Politikerinnen und Politiker dieses Argument im Zusammenhang mit unserer Wirtschaft und den notwendigen Klimaschutzmaßnahmen verwenden – obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten.

Ich entgegne darauf gerne mit einem einfachen Gedankenexperiment:
Stellt euch vor, es gäbe auf der Erde nur 50 Länder und jedes dieser Länder wäre für genau 2 Prozent des weltweiten CO₂-Ausstoßes verantwortlich.
Jedes Land könnte dann sagen:
„Wir sind doch nur mit 2 Prozent dabei. Warum sollen ausgerechnet wir etwas tun?“
Die Konsequenz wäre absehbar: Keiner würde handeln – und gemeinsam würden diese 50 Länder trotzdem für 100 Prozent der Emissionen verantwortlich sein.

Natürlich liegt China beim absoluten CO₂-Ausstoß mit rund 30 Prozent weltweit an der Spitze. Deutschland gehört ebenfalls zu den Ländern mit einem hohen absoluten Ausstoß. Betrachtet man jedoch den CO₂-Ausstoß pro Kopf, verändert sich das Bild deutlich.

Deutschland kommt auf rund 7 Tonnen CO₂ pro Einwohner und Jahr und liegt damit deutlich über dem weltweiten Durchschnitt und auch über dem EU-Durchschnitt von etwa 5,5 Tonnen. China liegt beim Pro-Kopf-Ausstoß deutlich niedriger als Deutschland.

Der Grund für den Unterschied beim absoluten Ausstoß ist natürlich auch die Bevölkerungszahl: China hat rund 1,4 Milliarden Einwohner, Deutschland dagegen nur etwa 83 Millionen.

Aber auch damit ist die Diskussion noch nicht beendet. Es gibt nämlich noch eine weitere Dimension: die historische Verantwortung.

Deutschland und Europa haben durch die Industrialisierung in den vergangenen zwei Jahrhunderten enorme Mengen an Treibhausgasen ausgestoßen und damit einen erheblichen Teil zur heutigen Konzentration von CO₂ in der Atmosphäre beigetragen. Quasi den Grundstein für die Klimakatastrophe gelegt. Unser heutiger Wohlstand ist zu einem erheblichen Teil in einer Zeit entstanden, in der fossile Energieträger weitgehend ohne Rücksicht auf ihre langfristigen Klimafolgen genutzt wurden.

Deshalb greift es zu kurz, allein auf den heutigen Anteil Deutschlands am weltweiten CO₂-Ausstoß zu verweisen.

Klimaschutz ist keine Frage nach dem Motto: „Wer verursacht mehr?“ – sondern eine gemeinsame Aufgabe aller Staaten.

China muss seinen gewaltigen absoluten CO₂-Ausstoß reduzieren. Die USA, Indien und andere große Emittenten ebenso. Aber auch Deutschland kann sich nicht mit dem Hinweis auf seinen vergleichsweise kleinen Anteil aus der Verantwortung stehlen.

Oft verschwiegen: Chinas offizielles Klimaziel
China hat bereits 2020 durch Staatspräsident Xi Jinping zwei zentrale Ziele angekündigt:
CO₂-Emissionen sollen vor 2030 ihren Höchststand erreichen („carbon peak“).
Bis 2060 soll China klimaneutral bzw. CO₂-neutral werden.
Diese Ziele wurden anschließend in Chinas nationale Klimapolitik und gegenüber der UN offiziell festgeschrieben.
Interessant ist, dass China inzwischen seine Klimapolitik weiter konkretisiert hat. Ein im Juli 2026 veröffentlichter Aktionsplan für den Zeitraum 2026–2030 sieht unter anderem vor, die CO₂-Emissionen je Einheit des BIP bis 2030 gegenüber 2025 um 17 Prozent zu senken und den Anteil nichtfossiler Energien am Energieverbrauch auf 25 Prozent zu erhöhen. Der Plan soll ausdrücklich dazu beitragen, den CO₂-Höchststand vor 2030 zu erreichen und den Weg zur Klimaneutralität 2060 zu bereiten.

Denn am Ende gilt:
Die Atmosphäre kennt keine Ländergrenzen – und beim CO₂ zählt nicht, wer sich für unzuständig erklärt, sondern die Summe aller Emissionen.

Bürgerreporter:in:

Günter van Meegen aus Bedburg-Hau

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