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Interview mit Olympiasieger Manfred Schnelldorfer durch die Moviebande

Die Moviebande interviewt Manfred Schnelldorfer.
 
Die Moviebande interviewt Manfred Schnelldorfer.
 
Die Moviebande zusammen mit Manfred Schnelldorfer.
Die Schüler der Moviebande haben den Olympiasieger und Weltmeister 1964 im Eiskunstlauf an ihrer Schule interviewt.

Simon: Was haben Sie alles schon gewonnen?
Manfred Schnellberger: 8 mal Bayerischer Meister, 8 mal Deutscher Meister, zwei mal Zweiter und drei mal Dritter bei den Europameisterschaften, Weltmeister und Olympiasieger.

Simon: Wie oft haben Sie in der Woche trainiert?
Manfred Schnellberger: Jeden Tag und zwar 6 Stunden. Ich musste schon um 6 Uhr vor der Schule auf dem Eis sein und dies bis 07.15. Nach der Schule um 13.00 ging es bis 15.00 ins Eisstadion. Dann hab ich die Hausaufgaben im Stadionrestaurant gemacht und dann noch mal von 18.00 bis 21.00 trainiert. Und dies bis zum Abitur.

Simon: Waren Sie schon mal Trainer?
Manfred Schnellberger: Ja, ich war schon mal Bundestrainer und sieben Jahre Privattrainer.

Simon: Was muss man tun, damit man ein guter Eiskunstläufer wird?
Manfred Schnellberger: Als erstes furchtbar viel trainieren, ins Ballett gehen und viel Kondition trainieren. Ich hab z.B. im Sommer zweimal wöchentlich 14 km Waldlauf gemacht. Man muss beweglich, sportlich, musikalisch und rhythmisch veranlagt sein, gut zeichnen und springen können. Das schöne am Eiskunstlauf ist, dass man nicht immer das gleiche macht. Man macht in einer Kür ständig etwas anderes.

Simon: Wann waren Sie das erste Mal auf dem Eis?
Manfred Schnellberger: Das erste Mal war ich mit vier Jahren auf dem Eis. Und ich konnte es von Anfang an.

Simon: Waren Sie schon mal verletzt?
Manfred Schnellberger: Ja, einmal. Ansonsten war ich kein Verletzungstyp.

Simon: War damals Eiskunstlauf bei den Jugendlichen ein beliebter Sport?
Manfred Schnellberger: Sehr beliebt. Generell Eislaufen. Dazu muss man sagen, dass man in München eine Eisbahn hatte.

Simon: Wer war Ihr größter Gegner bei der Olympiade in Innsbruck?
Manfred Schnellberger: Der Franzose Alain Calmat.

Leon: Waren Sie gut in Ihrer Schulzeit?
Manfred Schnellberger: Als ich zum ersten Mal Deutscher Meister wurde, war ich schon im Gymnasium. Ich musste bis Weihnachten ganz gute Noten haben, denn ich war von Weihnachten bis Ostern wegen dem Eiskunstlauf viel unterwegs und kaum noch in der Schule. Und im Mai musste ich die ganzen Schularbeiten nachschreiben, allein im Klassenzimmer mit dem Lehrer. Und so hatte ich meine Noten zwischen zwei und vier.

Leon: Wie waren Ihre Eltern?
Manfred Schnellberger: Mein Vater hatte das große Wissen und meine Mutter war der Einpauker. Sie war extrem streng. Am Morgen gab es nicht viel um das Aufstehen mit Bussi usw., da hieß es laut „Aufstehen!“ und das war es dann. Wir waren damals sehr arm und einmal in der Woche gab es Fleisch, was für uns Sportler heute undenkbar ist. Und wenn ich nicht gut genug war, gab es für mich auch kein Fleisch. Oder auch wenn ich schlechte Noten hatte. Da war meine Mutter knallhart.

Lena: Auf welchen Preis sind Sie besonders stolz?
Manfred Schnellberger: Ganz klar, auf den Olympiasieg.

Lena: Sind Sie im Eistanz auch gestartet?
Manfred Schnellberger: Nein, Eistanz habe ich nicht gemacht. Das stand damals noch in den Kinderschuhen.

Lena: Laufen Sie heute auch noch Schlittschuh?
Manfred Schnellberger: Ja, ab und zu. Ich habe auch noch Schüler in eurem Alter, die ich trainiere.

Lena: Konnte man früher als Eiskunstläufer gut verdienen?
Manfred Schnellberger: Überhaupt nicht. Wir waren Amateure. Wir mussten uns damals verpflichten für Eiskunstlauf kein Geld anzunehmen. Wer Geld genommen hatte wurde gesperrt. Es gab für meinen Olympiasieg vom Präsidenten des Olympischen Komitees einen warmen Händedruck und das war’s.

Lena: Welche Sportarten haben Sie sonst noch betrieben?
Manfred Schnellberger: Damals im Sommer noch Rollschuhlaufen. Ansonsten habe ich keinen Sport betrieben. Ich war sogar in der Schule vom Sport befreit, aufgrund der Verletzungsgefahr.

Lena: Was haben Sie in Ihrer Jugendzeit gemacht?
Manfred Schnellberger: Eisgelaufen, Rollschuhgelaufen. Für Freizeit hatte ich praktisch nichts anderes. Und wenn ich mal Zeit hatte, hat meine Mutter gesagt, dass ich mein Zimmer aufräumen soll.

Franziska: Haben Sie auch viele Liebesbriefe nach Ihren Erfolgen bekommen?
Manfred Schnellberger: Natürlich, waschkörbeweise gab es Briefe und Liebesbriefe.

Franziska: Hatten Sie viele Fans?
Manfred Schnellberger: Ja, jede Menge. Bis heute noch. Es werden zwar immer weniger, aber es gibt sie noch.

Franziska: Warum gibt es heute keine berühmten Eiskunstläufer in Deutschland?
Manfred Schnellberger: Ganz stimmt das nicht. Wir haben ja aktuelle Weltmeister im Paarlauf. Aber generell ist der Eiskunstlauf ziemlich schwach geworden. Ganz einfach weil der Verband geschlafen hat und nichts getan hat. Und weil Eiskunstlauf eine Sportart ist, die sehr viel Training braucht und man Eltern benötigt, die Zeit und Geld dafür haben.

Franziska: Was müssten wir alles tun, um gute Eiskunstläufer zu werden?
Manfred Schnellberger: Ja einiges. Als erstes bräuchte man in Nördlingen eine Eisbahn, die mindestens 6 Monate geöffnet wäre. Dann braucht man dafür entsprechendes Talent: Man muss sportlich und musikalisch sein und sich auch gerne bewegen. Und es ist gut, wenn man im Ballett ist und man will das Ganze wirklich wollen.

Franziska: Was haben Sie nach Ihrer Karriere gemacht?
Manfred Schnellberger: Ja, damals wurden alle bekannten Sportler Schlagersänger und durften in Heimatfilmen mitspielen. Dabei habe ich damals nebenbei mein Architektur-Studium finanziert.

Johanna: Sind Sie auch schon mal im Paarlauf gestartet?
Manfred Schnellberger: Ja, 1957 war ich Deutscher Meister im Eiskunstlauf und gleichzeitig Deutscher Juniorensieger im Paarlauf.

Johanna: Was ist eigentlich im Paarlauf schwieriger als in der Einzeldisziplin?
Manfred Schnellberger: Im Gegensatz zur Einzeldisziplin muss der Mann auch die Partnerin durch die Luft wirbeln können, das heißt er muss auch Kraft in den Armmuskeln haben

Johanna: Gab es mal ein lustiges Erlebnis in Ihrer Karriere?
Manfred Schnellberger: Mit acht Jahren war mal ein Schaulaufen auf einem zugefrorenen Tennisplatz angesagt. Es war über 20° Grad kalt und mein Trainer hatte mir verboten mit Handschuhen zu laufen, weil dies ja nicht gut aussieht. Und bei der ersten Kür hatte ich fürchterlich gefroren. Vor der zweiten Kür hatte ich mich auf eine Schallplatte gesetzt, die dafür benötigt wurde. Und die war dann kaputt, und somit musste ich nicht mehr laufen.

Johanna: Wollten Sie schon immer Eiskunstläufer werden?
Manfred Schnellberger: Nein, eigentlich nicht. Ich wollte Eishockeyspieler oder Eisschnellläufer werden.

Interview von Johanna, Franziska, Lena, Leon und Simon (Moviebande)
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin nördlinger | Erschienen am 04.06.2010
myheimat-Stadtmagazin nördlinger | Erschienen am 17.12.2010
3 Kommentare
1.317
Peter Taubald aus Burgdorf | 19.05.2010 | 20:56  
20.961
Tanja Wurster aus Augsburg | 25.05.2010 | 13:51  
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Grundschule Mitte Reporter- und Moviebande aus Nördlingen | 18.06.2010 | 19:08  
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