Münchner Zwietracht
Sie leben und lieben die bayerische Kultur
- Münchner Zwietracht
- Foto: Max Louis Köbele
- hochgeladen von Matthias Bucher
Brauchtum, Feste und Musik zeichnen die bayerische Lebensmentalität aus.
Diese Mentalität lebt die Münchner Zwietracht seit über 30 Jahren. Mit ihren Hits wie „Juche auf der hohen Alm“ oder der „Rosi Polka“ hat sich die Band in die Herzen eines Millionenpublikums gespielt. Seit Beginn ihrer Karriere spielen sie jährlich auf dem Oktoberfest. Über die Jahre hinweg entwickelte sich die Band zur beliebtesten Oktoberfestband der Welt. Es ist mir heute eine große Freude, die Formation zu einem persönlichen Gespräch zu begrüßen.
Wie sieht ein typischer Tag im Tonstudio bei euch aus?
Wolfgang: Als Erstes wird bei uns zu Hause beim Metzger eine Brotzeit eingekauft. Danach fahren Chris und ich getrennt ins Studio, da jeder zuvor meistens noch etwas zu erledigen hat. Im Studio treffen wir uns dann Beide zum Singen. Am Anfang wird als erstes besprochen, welche Songs wir heute zu singen haben. Nach einem kurzen Smalltalk mit Georg werden die Songs nacheinander aufgelegt und eingesungen. Heute nehmen wir zum Beispiel nur den Sologesang auf. Man muss sich auf jedes Lied einzeln einstellen, da man die Stimmung von jedem Songtitel einzeln erfassen sollte. So geht's dann bis 18 Uhr dahin. Wenn alles gut gegangen ist, gönnen wir uns noch ein Feierabendbier.
Welche persönliche Bedeutung hat für euch die Wiesn?
Chris: Die Wiesn ist für uns von größter Bedeutung. Es ist unser Heimspiel und das größte Volksfest der Welt ist. Außerdem dürfen wir in einem super Zelt, bei der Fischer Vroni jeden Abend spielen. Das Zelt gehört zur Augustiner Brauerei. Mit dem Wirt Fritz haben wir ein freundschaftliches Verhältnis. Auch das Essen und die Stimmung ist dort sehr gut.
Wie schwierig ist es so ein Zeltfestprogramm zusammenzustellen?
Wolfgang: Das Programm besteht aus gewachsenen Titeln. Wir probieren natürlich über all die Jahre verschiedene Songs beim Publikum aus. Dabei stellen wir dann fest, welche Titel funktionieren und welche wir nicht spielen brauchen. So werden diese Lieder dann genau fürs Oktoberfest platziert. Dort stellen wir die Reihenfolge oftmals ein wenig um. Man weiß aber welche Lieder zu welcher Zeit gebraucht werden. Auf der Wiesn ist es sehr speziell, da man dort mit einer großen Lautstärkenbegrenzung arbeiten muss. Man kann dort keine neuen Titel etablieren oder unterbringen, da diese das Publikum nicht mitsingen kann. Diese würde man nicht zum funktionieren bringen. Wenn du auf der Wiesn einen Song spielst, den die Leute nicht kennen, singen sie nicht mit. Wenn die Leute nicht mitsingen, hört der diejenige in der letzten Reihe gar nichts mehr. Das Transportmittel ist hier nämlich oftmals auch nur der Gesang vom Publikum.
Was zeichnet eine perfekte Skihüttengaudi aus?
Chris: Zu einer gelungenen Skihüttengaudi gehören gute Freunde, mit denen man zünftig, bei guter Musik und ein bisschen Alkohol feiert. Ebenso soll der Song das Lebensgefühl mit einer gemütlichen Einkehr auf der Berghütte zum Ausdruck bringen.
Wolfgang: Das Wichtigste dabei ist das Trinken, Flirten und Singen.
Gibt es einen Faschingsbrauch, der für euch eine besondere Bedeutung hat?
Wolfgang: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass sich für uns der Fasching weitgehend erledigt hat. Der Chris war zum Beispiel das letzte Mal auf dem Kinderball😉. Bei uns in München ist der Fasching ehrlich gesagt Tod. Wir spielen jedes Jahr drei bis vier Faschingsbälle. Diese sind aber in Hessen und Rheinland-Pfalz. Daher haben wir nicht wirklich einen Brauch.
Was war euer Highlight in über 30 Jahren Münchner Zwietracht?
Wolfgang: Da gibt es sehr viele Highlights. Gleich zu Beginn unserer Karriere durften wir mit Karl Moik auf Tournee gehen . Das war für uns gewaltig. Da wir so drei bis vier Mal pro Jahr im Musikantenstadl waren. Vor 30 Jahren hat es sehr viele Fernsehsender gegeben, die Volksmusik gebracht haben. Zum Beispiel SAT 1, RTL oder BR und SWR. Außerdem gab es damals noch die ZDF Hitparade. Du warst also jeden Monat zwei bis drei Mal im Fernsehen. Das war für einen Neustart extrem hilfreich. Auch die Tournee mit Steiners Theaterstadl oder der Hit mit "Mooshammer" im Jahr 2000 waren Meilensteine. Dann waren wir auch beim internationalen Grand Prix mit dabei. Aber auch die Auslandsstationen bleiben in Erinnerung. So durften wir 1993 in Brasilien vor 100000 Menschen auf einem großen Open Air Platz spielen. Aber auch in den USA, Mexiko oder Korea durften wir schon gastieren. Dieses exotischen Erlebnisse werde ich nicht vergessen.
Wo tankt ihr Kraft für eure Auftritte?
Chris: Dies ist ganz unterschiedlich. Es kann beim Gassi gehen mit dem Hund sein oder beim Skifahren in den Bergen. Aber auch ein Grillfest mit Freunden ist die pure Entspannung. Die Abwechslung macht es aus. Am Ende brauchst du nicht viel Kraft um zu regenerieren, denn es macht einfach so viel Spaß. Außerdem sind wir nicht im Block drei Monate am Stück auf Tournee. Wir haben zum Beispiel die Wiesn zwei Wochen am Stück. Aber dazwischen hast du genug Zeit dich auszuruhen. Du musst halt auf dich selbst achten.
Wolfgang: Ich tanke auch zum Beispiel bei einem Studiotag Kraft. Wenn du live spielen musst, ist das wirklich etwas anderes. Das kostet wirklich Kraft, denn man fährt oft vier bis fünf Stunden an, muss dann aufbauen, seine Show spielen und im Anschluss wieder nach Hause fahren. So ein Studio Tag ist kreatives Arbeiten. Das tut dem Gehirn und mir persönlich gut. Ich gehe dort immer mit viel Energie nach Hause.
Was ist für euch typisch bayerisch?
Beide: Leberkäse und Lederhosen.
Wolfgang: Unter typisch bayerisch kannst du natürlich ganz viel verstehen. Da gehören Dinge wie die Empathie des bayerischen Menschen und die Geselligkeit zur Lebensfreude dazu. Genauso wie die Offenheit gegenüber anderen Kulturen, die einfach ganz wichtig sind. Der Bayer ist offen für alles und sehr tolerant.
Vielen Dank für das Interview!
Bürgerreporter:in:Matthias Bucher aus Burgau |
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