Im Bus
- hochgeladen von Johannpeter Halbach
Als ausgemachter Autofahrer fahre ich selten mit den "Öffentlichen". Dabei geht es im Bus viel lebhafter zu als allein im Auto zu sitzen.
Davon will ich heute erzählen.
Nachmittags nahm ich den Bus der Linie 123. An der nächsten Haltestelle wollte eine Frau mit Rollator einsteigen. Sie ging zur Tür in der Mitte des Busses, da dort die Trittstufe niedriger ist als beim vorderen Einstieg. Doch die Tür ging einfach nicht auf.
Der Busfahrer wurde von den Fahrgästen auf die draussen wartende Frau aufmerksam gemacht. “Die Tür ist kaputt, sie kann nur vorne einstiegen!” rief er zurück.
Diese Botschaft wurde der wartenden Frau per Handzeichen durchs Fenster übermittelt. Ich sah, dass sie zur vorderen Tür ging, kurz mit dem Fahrer sprach und dann aber doch an der Haltestelle stehen blieb. Der Bus fuhr weiter.
Sofort entspann sich ein lautstarker Dialog zwischen einem Fahrgast (“F”) direkt hinter mir und dem Busfahrer (“B”).
F: Warum hast du die Frau nicht mitgenommen?
B: Sie wollte nicht vorne einsteigen und die mittlere Tür ist kaputt.
F: Ich komme aus Kasachstan und da sind die Busse besser in Schuß als hier in Deutschland.
B: Die Tür war heute morgen schon kaputt.
F: Ich bin Lkw-Fahrer und wäre nie mit einem kaputten Fahrzeug losgefahren.
B: Schweigt
F: Warum hast du den Bus heute morgen vor der Schicht nicht ausgewechselt?
B: Es gab keinen Ersatz.
F: Du hättest dich einfach weigern müssen mit dem kaputten Bus loszufahren!
B: Dann hätte ich mir meine Papiere abholen können.
F: Das hättest du tun sollen!
In diesem Moment beschwerte sich eine Passagierin aus den vorderen Reihen über das fort dauernde Schrei - Duell.
Der Bus hielt an der nächsten Haltestelle. Die mittlere Tür ging auf und jemand stieg ein.
Der Fahrer rief dem Fahrgast danach etwas in einer Fremdsprache zu, vielleicht in Russisch. Der Dialog wurde laut und heftig in dieser Sprache fortgesetzt, bis der Fahrgast ein paar Haltestellen später ausstieg.
Auch ich stieg aus und hörte den Fahrgast dem Fahrer durch die geöffnete Tür noch zurufen: Ich habe mir dein Gesicht gemerkt!
Was soll man davon halten?
Da rufe ich im Auto doch lieber einem anderen Autofahrer laut zu: “Du Blödmann!” Er kann es gar nicht hören, weil an beiden Autos die Fenster zu sind.
Und damit ist es auch gut!
PS
Mit meinem Bild eines Oldtimer Busses breite ich über die erwähnten Verkehrsbetriebe den Mantel des Schweigens.
Bürgerreporter:in:Johannpeter Halbach aus Moers |
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