Auch zum Pfingstfest wieder:
Sichtbare Denkanstöße? Oder auffallend anstößige Gedanken?
- Suchbild mit Skulptur: am Pfingstsonntag in der Landsberger Ludwigstraße
- Foto: Archiv des Vereins „TagundnachtLL e. V.“
- hochgeladen von Rolf-Dieter Braun
Es überrascht wohl kaum, dass die Künstlergruppe „Tag und Nacht“*, die am Oster-Wochenende schon in Landsberg in Erscheinung getreten ist**, auch zum Pfingstfest sich wieder etwas Auffälliges hat einfallen lassen. Hier ein "Bericht in Etappen" über die Pfingst-Skulptur "Das entflammte Herz" in der Fußgängerzone ...
Mai 2026 (Die Wochen vor Pfingsten)
Die Planungs-Phase der Entwürfe und Atelier-Arbeiten
Die großen Fragen dieser vorbereitenden Wochen: Wie kann man den Kern der christlichen Pfingst-Botschaft im öffentlichen Raum sichtbar machen? Welche Anstöße führen zu einem fruchbaren Dialog über die Wirksamkeit des Geistes Jesu Christi? Wie können wir die Relevanz des Heiligen Geistes angemessen zur Sprache zu bringen? Welchen Gehalt, welche Veranschaulichungs-Funktion haben die biblischen Symbole "Flamme" und "Herz"?
Die Fotos von den Entwurfsskizzen und angefertigten Modellen im Atelier (s. Foto-Galerie) lassen ahnen, wie diese Überlegungen gelaufen sein könnten ...
23. Mai 2026 (Samstag vor Pfingsten)
Zunächst die Vorgeschichte: Am Vorabend des Pfingstfests
Das Anliegen der Initiative mit dem geheimnisvollen Namen „Tag und Nacht“*, ist bekanntlich, dass sie Impulse der christlichen Botschaft interpretieren und provozierend in die Öffentlichkeit bringen möchten. „Unsere Hoffnung ist es, dass ein Aspekt der Pfingstbotschaft im öffentlichen Raum sichtbar gemacht wird und dass Menschen in der Stadt, die nicht in die Kirche gehen, zum Nachdenken über den Sinn des Pfingstfests angeregt werden.“
So soll - laut Presse-Mitteilung - morgen wieder am Brunnen in der Landsberger Ludwigstraße eine auffallende Skulptur aufgestellt werden, die zum Kritisieren, Nachfragen, Kommentieren oder Diskutieren Anstoß geben kann. Die Initiatoren meinen dazu: „Die Resonanz auf unser Kunstprojekt, das wir am Osterwochenende in der Innenstadt mit Gesprächen über unsere Präsentation durchgeführt haben, war sehr positiv. Deshalb wollen wir nun auch am Pfingstsonntag eine ähnliche Aktion durchführen.“
Es bleibt abzuwarten, ob es gelingt, die herkömmliche kirchliche Sprache und biblische Metaphorik sinnvoll zu hinterfragen und die Relevanz des Pfingstfests glaubwürdig zur Sprache zu bringen. Immerhin haben die Leute von der „Tag-und-Nacht-Initiative“ ihr Ziel folgendermaßen formuliert: „Wir sind davon überzeugt, dass der Heilige Geist mehr als ein verstaubtes Konzept aus früheren Jahrhunderten ist: Der Geist Gottes ist vielmehr eine Realität, er ist sogar eine Person, die heutzutage nach wie vor präsent und wirksam ist. An Pfingsten feiern wir Christen, dass der Geist Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist; dass er uns dazu motiviert, das zu kultivieren, was echtes Leben bringt. Darum wollen wir mit diesen Kunst-Aktionen unseren Beitrag dazu leisten, den Menschen in Landsberg den Glauben an Jesus Christus und das Wirken seines Geistes nahezubringen.“
Die Künstlergruppe lädt deshalb ein: „Besucher, die unsere Aktion am Pfingstsonntag kennen lernen oder unterstützen möchten, sind willkommen. wir werden in der Zeit von 9 bis 20 Uhr dort vor dem Brunnen in der Ludwigstraße zu finden sein.“
24. Mai 2026 (Pfingstsonntag)
Ein erster Bericht vom Ort des Geschehens: Das "entflammte Herz"
Seit heute Morgen steht ein auffälliges Gebilde vor dem Brunnen in der Ludwigstraße. Im Internet schrieb am Mittag einer der Initiatoren dieser Aktion dazu: „Seit 9 Uhr steht nun die Skulptur in der Fußgängerzone. Dieses ‚entflammte Herz‘ soll auf den Kern der Pfingst-Botschaft aufmerksam machen, der auch heute noch absolut relevant ist: Der Geist Gottes ist eine Realität, er ist eine göttliche Person, die heutzutage nach wie vor präsent und wirksam ist.“
Durch die aufgestellte Skulptur soll - als sichtbarer Gedanken-Anstoß - auch dieser Aspekt wahrgenommen werden: „Unsere Skulptur stellt deshalb ein Herz dar, das von Flammen umgeben ist. Auf den Flammen sind Strophen der Pfingstsequenz zu lesen. Dieser altvertraute liturgische Text bringt unsere Bitten angesichts der Nacht in dieser Welt zur Sprache:
‚Komm herab, o Heil’ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt. …‘"
24. Mai 2026 (Pfingstsonntag)
Bericht vom Ort des Geschehens am Spätnachmittag und Abend, wo erste Auswertungsgespräche geführt wurden
In der Ludwigstraße konnte man beobachten, dass die vielen Passanten, die bei dem herrlichen Wetter in der Landsberger Innenstadt spazieren gingen, zumeist entspannt und ohne Eile unterwegs waren. So kam es, dass immer wieder Leute vor der Skulptur Das entflammte Herz stehen blieben und meistens auch zu einem Gespräch bereit waren.
Wie geplant wurde die Skulptur gegen 20 Uhr abtransportiert. Die Initiatoren der Aktion nutzen beim Abtransport das Zusammentreffen mit den anderen Akteuren dafür, die ersten Auswertungsgespräche zu führen. Diese ergaben, dass das Aktions-Konzept gut durchdacht war und aufging: Die auffällige die Skulptur Das entflammte Herz war tatsächlich eine gute Anknüpfungsmöglichkeit für Gespräche mit Passanten gewesen, die sich - mehr oder weniger intensiv - gestalteten und sich meist um die christliche Pfingst-Botschaft und die Wirksamkeit des Heiligen Geistes drehten, sich teilweise aber auch anderen Themen des christlichen Glaubens zuwandten. Dieses erste Fazit wurde auch durch die weitere Auswertung der Aktion am folgenden Tag bestätigt.
25. Mai 2026 (Pfingstmontag)
Auswertung der Aktion: Erfahrungen während der Dialoge mit Passanten
Im Folgenden einige Auszüge aus Gesprächen und Interviews mit Unterstützern der Aktion, die freundlicherweise bereit waren, ihre Eindrücke und Beobachtungen während ihrer Unterhaltungen mit Passanten zu schildern:
„Ich finde, es ist eine schöne Idee, zu jedem christlichen Fest eine passende Skulptur hier auszustellen. Das ist tatsächlich ein Ausgangspunkt, von dem aus sich ein Gespräch über Lebensfragen entwickeln kann.“
„Die Dialog-Aktion an einem christlichen Feiertag war auf jeden Fall ein guter Ausgangspunkt, auch mal darüber nachzudenken, was das eigentlich ist, was wir Christen als ‚das Evangelium von Jesus‘ bezeichnen, und wie man sich darüber informieren kann.“
„Meine Erfahrung war, dass die Passanten durchaus bereit waren, auf Fragen, die wir gestellt haben - über die Skulptur und über das Pfingstfest – einzugehen. Und so sind wir ins Gespräch gekommen. Und dann ergeben sich von selbst weitere Fragen in ganz unterschiedlicher Richtung, die man besprechen kann. So entsteht ein guter und wertvoller Dialog.“
„Ich habe mit einem Paar gesprochen, das ursprünglich aus Osteuropa stammt, aber schon länger in Deutschland lebt. Sie haben erzählt, dass Sie nie in ihrem Leben etwas über die Bedeutung des Pfingstfestes gehört hatten, weil es zu ihrer Zeit keinen Religionsunterricht gab und weil sie nie einer Kirche angehört haben. Für sie war dieses Gespräch offensichtlich die erste Begegnung mit dem Thema Heiliger Geist und Pfingsten und mit dem Gedanken, dass dieser Geist Gottes in den Christen wirkt.“
„Der Wert dieser Gespräche über die Skulptur lag oft einfach darin, dass man mal Meinungen austauschen und über Grundfragen des Lebens und Glaubens reden kann: Ob es einen Gott gibt oder ob es keinen gibt - oder ob es vielleicht einen gibt, auch wenn niemand an ihn glaubt.“
„Die Leute, die vor diesem auffälligen Gebilde stehen geblieben sind, haben sich tatsächlich gefragt, warum die Skulptur da steht. Und manche haben dann Antworten auf diese Fragen gesucht - noch bevor wir sie angesprochen haben.“
„Für Christen, die es nicht gewohnt sind, auch in der Öffentlichkeit über den Glauben an Jesus zu sprechen, ist eine solche Aktion eine gute Gelegenheit, solche Erfahrungen zu machen. Und dabei wird man feststellen, dass die Gesprächspartner gar nicht so abgeneigt sind, in einen Austausch über diese Lebensfragen einzutreten.“
„Unsere Aktion hier in der Landsberger Innenstadt findet direkt neben einer großen Kirche stand. Heute Morgen war ich dort im Gottesdienst und habe mir gedacht: Diese Gebetsanliegen hier im Gottesdienst, diese Bitte um die Erfüllung mit dem Geist Jesu und mit dem Feuer der Liebe, das in unseren Herzen brennen soll - das passt genau zu dem, was wir mit unserer Aktion hier in der Ludwigstraße, mit unseren Dialogen, die durch unsere auffällige Aktion entstehen, anregen wollen.“
Interview-Frage: „Haben die Passanten mit den Symbolen der Skulptur irgendetwas verbinden können?“
Antwort: „Die Leute haben auf jeden Fall das Herz erkannt, manche auch die Feuerflammen. Und dann ging es natürlich um die Frage, was es bedeutet. Im Gespräch haben wir da oft auf den heutigen Festtag hingewiesen und darauf, dass die aufgestellte Skulptur einen Zusammenhang mit dem Pfingstfest hat; so haben wir gut über den Symbolgehalt sprechen können. Es ist schon so, dass eine Menge Leute wenig mit Pfingsten anfangen können.“
Interview-Frage: „Wie war die Bereitschaft der Passanten, sich in der Öffentlichkeit mit Themen des Christentums konfrontieren zu lassen? Konnte sich daraus ein Gespräch entwickeln? Oder waren die Leute ärgerlich über diese Zumutung?
Antwort: „Sie waren überhaupt nicht ärgerlich. Aber wir waren ja auch sehr freundlich. Und so ist es oft zu einem richtig schönen Austausch gekommen.“
Interview-Frage: „Gab es Passanten, die sich durch die anatomischen Assoziationen, die die Skulptur ausgelöst hat, irritiert gefühlt haben?“
Antwort: „So eine Reaktion habe ich nicht beobachtet. Aber eine Frau hat aus der Entfernung gemeint: ‚Das sieht aber ganz schön böse aus mit diesen Hörnern und mit diesem Rot!‘ Dann ist sie näher hingegangen und hat dann gesagt: ‚Ah, das ist ja genau das Gegenteil!‘ Offenbar hat sie die Botschaft begriffen; sie hat sie irgendwie verstanden, noch bevor ich etwas zur Erklärung gesagt habe. - Ansonsten haben die Leute eher die Meinung gehabt: ‚Das ist super, dass ihr solche Sachen macht! Macht mehr davon - ganz toll!‘“
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* Infos zur Aktion und zu den Initiatoren:
. Die Skulptur wird am Pfingstsonntag in der Landsberg Fußgängerzone (genauer: vor dem Brunnen in der Ludwigstraße) aufgestellt. Sie soll von 9 bis 20 Uhr dort stehen.
. Informationen über den gemeinnützige Verein „TagundnachtLL e. V.“:
>>> https://tagundnachtll.de/artreach/
>>> https://tagundnachtll.de/kontakt/
>>> https://tagundnachtll.de/lange-kunstnacht/
. Frühere Beiträge über Aktionen der Initiative „Tag und Nacht“ in Landsberg
. ** Der Name „Tag und Nacht" knüpft an ein neutestamentliches Lebenskonzept der immerwährenden Anbetung Gottes an.
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Bürgerreporter:in:Rolf-Dieter Braun aus Landsberg am Lech |
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