MontagsMontagen
Abenteuer mit Philo und Sophie 8.Teil, Ende

Eines Abends aber fielen die ersten Schneeflocken, und als Philo sich wärmend neben Sophie legte, sagte sie leise: "Es ist Zeit für mich, nach Hause zu gehen."
"Ja", sagte er traurig, denn er wusste, dass sie längere Zeit im Schnee nicht überleben konnte, also musste sie gehen, wohl zwei Tage brauchte sie noch, das würde sie schaffen.
"Weißt du was", sagte sie aufmunternd, als sie seine Trauer spürte, "wir beschließen einfach, dass wir uns hier jedes Jahr wiedertreffen, wer kann uns daran hindern, immer wenn der Mond im Sternbild des Großen Bären steht, abgemacht?"
Ja, wollte er sagen, aber sternenkundig wie er war, reichte es nur zu einem Kopfnicken. Da bei dem bedeckten Himmel eine Orientierung an den Sternen für Sophie nicht möglich war, bat Philo den Uhu Umilo, noch einen Erkundungsflug zu machen. Er sollte um Mitternacht zurückkehren und Sophie den Weg beschreiben, dann wollte sie aufbrechen. Umilo flog mit einem langgezogenen Schrei davon. Die Katzen schliefen noch einmal ein.

Als Philo in der Nacht frierend erwachte, war Sophie gegangen. Voller Sorge und Hilflosigkeit folgte er ihrer Spur, die schon nach kurzer Strecke abbrach, unberührt lag der Schnee, nicht einmal Kampfspuren waren zu erkennen. Aus der Ferne hörte Philo den Ruf des zurückkehrenden Uhus.

Philo ging weiter wie im Traum, Philo hatte jetzt nur noch ein Ziel: nach Hause. Philo fraß nichts, trank nicht, keine Klagelieder rührten den Mond. Philo ging. Philo ging wie eine Maschine. Als die ersten Häuser in Sicht kamen und er eilig die Straße überquerte, wurde er von einem Auto erfasst. Ein nachfolgender Autofahrer hielt an, wunderte sich über die Größe des Katzenkadavers und warf ihn in den Straßengraben.

Philo. Ich sehe meinen trauerschwarzen Philo durch eine rote Wüste schleichen, den Kopf geduckt, denn drohend und erdrückend stehen zwei Riesenmonde am Himmel. Er traut sich kaum aufzusehen. Sprechen kann er nicht mit den Monden. Sie verstehen ihn nicht. Der eine Mond ist fahlgrün und pockennarbig, der andere, knapp über dem Horizont, blutrot. Wolkenschleier geben ihm ständig ein anderes Gesicht. Wenn Philo höher zum Zenit schielt, sieht er noch einen dritten, kleineren Mond. Der ist nicht rund, sondern kartoffelförmig. Und gelb wie eine Zitrone. Philo, der Furchtlose fürchtet sich, Philo will weg, er zieht eine endlose Fluchtspur durch eine endlose Wüste. Philo miaut kläglich. Aber die Monde hören ihn nicht.

Ich sehe Philo vor einer Ruine sitzen. Verwitterte Säulen liegen im Sand. Keine Bäume. Keine Vögel. Keine Menschen. – Plötzlich ein Katzenschrei. Philo schaut auf und sieht die Schleier im roten Mond sich formieren, und Philo erkennt Sophie. Philo hört Sophie: "Du musst nicht traurig sein, Philo, denk an unsere Verabredung."
Philo miaut kläglich: "Du weißt, dass der Mond niemals im Sternbild des Großen Bären steht."
"Dann schau nach oben", sagt Sophie, und Philo sieht den zitronengelben Kartoffelmond mitten im Großen Bären stehen.
"Aber hier ist nicht unser Treffpunkt", sagt Philo, "auf der Erde hat der Mond noch nie im Zeichen des Großen Bären gestanden."
"Es genügt, dass es möglich ist", sagt Sophie, "die Zeit spielt keine Rolle, denn die längste Zeit ist kürzer als ein Augenblick, wenn sie vorüber ist. Es genügt, dass es möglich ist. Alles was möglich ist, wird einmal sein, denn wir können nichts denken, was nicht war, ist oder sein wird. Du musst nur an etwas glauben, um es wahr zu machen."
"Deinetwegen will ich es glauben", sagt Philo, "obwohl ich weiß, dass es nicht wahr ist."
"Es genügt mir, dass du es glauben willst", sagt Sophie und wird unsichtbar, und die Mondschleier sind wieder zufällig und sinnlos.

Ich sehe Philo auf einen großen Stein zugehen. Ich erkenne, dass es ein Grabstein ist. Ich lese: Philo – Sophie.

Da merkte ich im Traum, dass ich träumte. Aber bei meinem Versuch, aufzuwachen, glitt ich hinüber in einen anderen Traum. Doch davon erzähle ich dir ein anderes Mal.

Ich muss mich jetzt um Philo kümmern, er ist eifersüchtig und läuft jämmerlich klagend über das Papier und schiebt meinen Stift beiseite. Er gibt mir deutlich zu verstehen, dass er sich von mir vernachlässigt fühlt. Er hat recht. Katzen haben immer recht.

Und Sophie, höre ich dich sagen, was ist mit Sophie? – Ja, glaubst du, dass ich wirklich allwissend bin? – Im Übrigen weißt du, wo und wann Philo und Sophie sich treffen werden. Geh also hin! Aber frag vorher Algol Sternengucker, wann der Mond im Zeichen des Großen Bären steht.

Bürgerreporter:in:

Dietmar Weiss aus Laatzen

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