Gesetzliche Phosphat-Rückgewinnung in Gefahr
Umweltschutzverein kritisiert geplanten "Ablasshandel" bei der Klärschlammverwertung
- hochgeladen von Siegfried Lemke
Ab 1.1.2029 sind grundsätzlich Betreiber großer kommunaler Abwasserbehandlungsanlagen grundsätzlich zur Phosphorgewinnung verpflichtet. Hintergrund ist, dass Phosphate für menschliche Ernährung unverzichtbar sind und Deutschland keine eigenen mineralischen Quellen hat.
Der Umweltschutzverein, der das Konzept der Klärschlammentsorgung kritisch begleitet, sieht sich in seiner Sorge bestätigt, dass die Anlage in Lahe den gesetzlichen Vorgaben nicht nachkommen wird. Der Verein hatte u.a. gegen die Verbrennungsanlage der enercity in Hannover-Lahe vor dem Verwaltungsgericht geklagt. Der Vertreter des Vereins im Abfallbeirat, Dipl.Ing. Siegfried Lemke, hat daher die Phosphat-Rückgewinnung im Auge und kritisiert, dass die Betreiber nur unverbindliche Gespräche geführt hätten und bisher keine vertraglichen Verpflichtungen für den gesetzlichen Termin 2029 eingegangen seien.
Die letzte Sitzung des jüngsten Abfallbeirats brachte aber die Krönung: Auf die Frage: „Was passiert, wenn im Jahr 2029 keine Verträge dafür vorliegen?“ Kam die Antwort, "das Bundesumweltministerium prüfe eine Fondslösung zur Unterstützung der Phosphor-Rückgewinnung aus Klärschlammasche!“
Mit anderen Worten: Klärschlammentsorger sollen in einen Topf einzahlen und sich damit von der Verpflichtung zum eigenen Handeln freikaufen.
Damit würde eine Stilllegung der Verbrennungsanlage vermieden. Auch der Verbleib der Klärschlammasche wurde beantwortet: „Sie wird bis 2029 gesetzeskonform entsorgt“. Eine rückholbare Lagerung ist bis dahin auch nicht vorgesehen.
Damit wird offenbar, dass das Konzept der zentralen Klärschlammverwertung, zumindest in der gesetzlich vorgesehen Form der Phosphat-Rückgewinnung, in weite Ferne gerückt ist und an der Finanzierung zu scheitern droht. Ein geschlossener Nährstoffkreislauf ist schon gar nicht in Sicht!
Die angeschlossenen Kunden und Anwohner sind die Leidtragenden: Sie haben nicht nur die Belastung der Transporte hinzunehmen, sondern müssen auch mit steigenden Abwassergebühren rechnen. Da auch die Stadt Langenhagen sich einer solchen Anlage in Hildesheim anschließen will, kommt das auch auf die BürgerInnen Isernhagens zu, weil wir unser Abwasser in Langenhagen behandeln lassen.
Wie einfach haben es doch Anlieger einer dezentralen Anlage, wie z.B. die Pyrolyseanlage in Frohnbach (Sachsen). Hier gibt es die Phosphate kostenfrei in der Pyrolyse-Kohle und die Anlage führt sogar zu sinkenden Abwassergebühren (https://fb.watch/Ere08Y3S6G/)
Wäre das nicht auch etwas für Isernhagen? Wir werden diese Frage an den Rat der Gemeinde stellen.
Bürgerreporter:in:Siegfried Lemke aus Isernhagen |
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