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Die Römersiedlung am Auerberg -

St. Georgskirche & Restaurant
 
(Foto: Originalbild: Günter Ulbert, Der Auerberg I. Topographie, Forschungsgeschichte und Wallgrabungen. Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 45 (München 1994) S.10 Abb. 1 u. 2.)
 
Hinweisschild für röm. Wallanlage
Welcher Wanderer und/oder Ausflügler vermutet auf diesem Berg „historische Spuren“ ?
Sieht jemand von der Aussichtsplattform dieses herrlichen Ausflugsortes bietet sich ihm vorerst ein aussergewöhnliches Alpenpanora. Dies hatten Menschen unserer Vergangenheit nicht nur wegen der Aussicht so gesehen....
Der kegelförmige Auerberg - eine Erhebung im Alpenvorland an der Grenze zwischen den Regierungsbezirken Oberbayern und Schwaben übertrifft mit seinen Höhe von 1055mtr den knapp 22 km Luftlinie nordöstlich gelegenen und wesentlich bekannteren Hohen Peißenberg um knapp 70 Meter.
Erste Spuren der Besiedelung um den Auerberg in der Jungsteinzeit – ca. 2500 Jahre vor Chr. – sind seit 1918 durch den Fund eines Steinbeils im Ort Heggen belegt. Um ca. 1200 bis 1000 vor Chr. siedelten vereinzelt Illyrer aus dem Balkan. Ab dem 8. Jahrhundert vor Chr. brachten die eingewanderten Kelten die neue Technik des Salzbergbaus, sowie der Eisenverhüttung und -verarbeitung mit. Sie legten die Grundlage für eine intensivere bäuerliche Wirtschaftskultur und erbauten die schon vom griechischen Geographen Strabo erwähnte, mit dem Auerberg in Zusammenhang gebrachte und vermutlich dort lokalisierte Festung Damasia.

Mit Damasia in Verbindung gebracht wird besonders der Auerberg, (1055m ü.M.) ein kegelförmiger Berg vor den Alpen (Oberbayern-Allgäu). Hier soll eine keltisch-römische Festung mit dem Namen Damasia gewesen sein. Dabei taucht Damasia als Keltenburg(Oppidum)und römisches Heerlager auf. Womit sie zugleich die höchste Römerstadt Deutschlands ist. Ausgrabungen ergaben ein von einer weitläufigen Stadtmauer (Ringwall) umgebenes städtisches Siedlungsgebiet (Therme, Fabrica, u.a.m.), auf der Gipfelregion des größten voralpenländischen Berges am Lech (röm. Licca, Likka), der archäologisch in zwei Zonen unterteilt worden ist, den Schlossberg östlich und den Kirchberg westlich. Strabo schreibt ".....Vindeliciern,...ihre Städte sind.....Kambodunum und Damasia, gleichsam die Burg der Likattier." Hier ist Damasia als Felsenburg („Akropolis“) beschrieben,als Hauptstadt des keltischen Stammes der Likatier (= Bewohner des Lechgebiets). Da am Lech aber keine auch nicht annähernd vergleichbare Höhenburg liegt, muss der Auerberg das gesuchte Damasia sein. Bestätigt wird diese Folgerung darin, dass nur 5% des Auerberges archäologisch untersucht worden sind, also die Belege unter der Erde liegen, womit die archäologische Bestätigung noch in Aussicht steht, sobald genügend Geldmittel die restlichen 95% freilegen werden. (*) Was anhand antiker Literatur über Strabo, in Verbindung zur Topografie und antiker Bodenstruktur zweifelsfrei bereits heute identifizierbar ist, kann also der archäologischen Sekundierung harren. Ein Fund eines alten Marktsiegels andernorts, in Zusammenhang eines Warentausches, „Sigilium Civium et Communitatis ad Damasiam“(Siegel der Bürger und Gemeinde Damasia), mag den Namen der Stadt belegen.

Die Alternativen Füssen oder Dießen widersprechen in allen Punkten dieser Zuordnung. Denn Füssen ist das keltisch-römische Foetibus und enthält keine inhaltliche Ähnlichkeit zu Damas (indoeuropäisch-keltisch: Ziege,Schaf,-Haustierzüchter), dem Ursprung des Wortes Damasia. Und Dießen ist topografisch primär keine Höhensiedlung, Höhen-Burg, sondern ein Ort am großen See, dem Ammersee. Höhenburg und Seelage dagegen schließen sich gegenseitig aus. Die eine ist von Ziegen,Schafen umgeben, während am See die Fische dominieren. Hingegen die Schafzüchter idealtypisch Namensgeber des Auerberges sind. Augsburg scheidet völlig aus, da ihr alle Kriterien entgegenstehen, obwohl es Stimmen gibt, die dort Damasia verortet sehen wollen. Es ist keine Höhenburg, die Topografie der Schafzucht fehlt, der begriffliche Wechsel von Damasia auf Augusta Vindelicorum ist sprachtektonisch unhaltbar und logisch abwegig. Tatsachen, die gegen den Auerberg sprechen, sind jedoch, dass der Berg im Gegensatz zu Augsburg und Füssen nicht direkt am Lech liegt, aber Damasia als Hauptstadt der Likatier ( = Bewohner des Lechgebietes) bezeichnet wurde.
Ein weiteres Argument gegen den Auerberg ist, dass es sehr ungewöhnlich für eine "Hauptstadt" ist, dass die Siedlungstradition völlig verschwunden ist. Alle anderen bei Strabo genannten Städte wie Brigantia = Bregenz und Campodunium = Kempten existieren als Stadt weiter. Da die Römer Damasia zerstört haben, könnte es auch sein, dass sie eine Umbenennung der Stadt vorgenommen haben und damit eine neue Namenstradition gesetzt haben. Die Ableitung Damasia von Damas = Schaf ist fraglich.

Eine weitere Deutungsmöglichkeit ist die Ableitung von dem Namen der Göttin DANA. Widerlegung dieses durch keinerlei Beleg gestützten rein spekulativen Widerspruchs: Weder ist von Hauptstadt die Rede, noch ist haltbar, dass eine exponierte Höhenburg, die nur 6 km geradlinig zum Lech hin abfaellt, schon nicht mehr Lechbewohner e1nschliessen, sie nicht mehr repraesentieren können soll? Das ist grundlegend falsch, denn der Lech hat w1e die Iller e1n historisches E1nzugsgebiet von beidse1tig 20km. Ein weiterer historischer Irrtum ist, die Römer hätten die Stadt zerstört. Richtig ist, die Römer hatten die Stadt verlassen: da in diesem Sinne die Stadt am Auerberg verschwunden ist und auch gleichze1tig der Namen Damasia, ist keine andere Konklusion als das Zusammenfallen beider möglich. Dass andere Städte weiterexistieren beweist in diesem Zusammenhang historisch, logisch und faktisch nichts, denn mehrere Städte in "Asia minor" aus der Zeit Strabos wie Daedala oder Calynda wurden auch aufgegeben. D1e Ableitung von Damas ist grundlegend etymologischer Natur und betrifft d1e indoeuropäische Frühgeschichte in die der Auerberg gleichermassen fällt. Hier liegt ebenfalls Eindeutigkeit vor, hingegen weder eine etymologische Spur noch irgende1n S1nngehalt zu e1ner Goett1n Dana führt. Der Einwand gegen den Auerberg ist ein Einwand von Meinungen mit märchenbelastetem Wunschdenken, gestützt auf naive Irrtümer. Insofern spricht keinerlei wissenschaftliches Tatsachenmaterial gegen den Auerberg als das historische Damasia Strabo`s.
Im Gegenteil: Ausgrabungen von G.Bersu und Dr. Ulbert ergaben einen "...jener rätisch-römischen Brandopferplätze.", die Auerberg/Damasia sogar als einen keltischen Nachweisplatz belegen, der Kempten/Cambodunum fehlt (Dr.Weber). Womit Auerberg/Damasia die quellenschriftlich und archäologisch-historisch älteste Stadt Deutschlands ist. Nach einer keltisch-römischen Entscheidungsschlacht zur Zeit von Drusus und Tiberius (ab 15 v. Chr.) stand die Region um den Auerberg für die nächsten Jahrhunderte unter römischer Vorherrschaft. In der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts ist ein militärischer Stützpunkt samt Zivilsiedlung durch Funde belegt. Eine Abzweigung der Via Claudia führte aus der Rosshauptener Gegend am Auerberg vorbei in Richtung Norden wo sie auf die Straße Cambodunum (Kempten) – Abodiacum (Epfach) stieß.
Germanische Alemanneneinfälle in der Zeit der Völkerwanderung führten zu einer flächendeckenden Landnahme und ab dem 6. und 7. Jahrhundert zur Entwicklung einer keltisch-alemannisch-römischen Mischbevölkerung. Gleichzeitig gewann das Christentum an Boden. Die Urpfarrei St. Georg auf dem Auerberg dürfte bereits in der Zeit um 800 entstanden sein.

(*) Aktuellere Grabungen an der Ostseite (archäolog. Schlossberg) brachten weitere Funde zutage, die z.T. in einem neu errichteten Museum in Bernbeuren mit ausgestellt werden (siehe u.a. Internet-Link).....

Literaturquellen/Hinweise:

G. Ulbert, Dietwulf Batz, Werner Zanier, Christoph Flügel:: Der Auerberg (Seite 37)
Max Spindler/Andreas Kraus: Handbuch der Bayerischen Geschichte
Allgemein: Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande;1856 (Seite 176)
Franz Streber: Über die sogenannten Regenbogen-Schüsselchen (Seite 65) Akedemie der Wissenschaften - Königlich bayerische Akedemie der Wissenschaften - 1860

Internet Links:

Von Damasia und anderen Geschichten - Augsburger Allgemeine
Website der Keltengruppe Damasia
Museum in Bernbeuren - Allgäuer Auerbergmuseum

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Ausführliche Bild-/Text-Beschreibung sind zu finden auf der Lechrain-Website http://www.lechrain-geschichte.de unter der Rubrik: Historische (Fund-) Orte/regional

http://www.lechrain-geschichte.de/HiO_Reg_KFB%20Au...
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gez. Alfred Platschka
(webmaster@lechrain-geschichte.de)
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7 Kommentare
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Horst Schmiedchen aus Wennigsen | 11.07.2009 | 22:20  
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Gabriele Walter aus Ichenhausen | 12.07.2009 | 19:21  
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