Ausstellung im Bredero-Hochhaus Hannover
Kunstprojekt "showing me home - Zeig mir Deine Heimat"
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Kunst im 16. Stock – Zwischen urbaner Höhe und innerer Tiefe
Im Juni 2015 verwandelt sich das Bredero-Hochhaus in Hannover für drei Tage in einen temporären Kunstraum. Vom 12. bis 14. Juni bespielen Künstler:innen den 16. Stock des markanten Bürogebäudes unweit des Hauptbahnhofs und stellen die Frage: Was passiert, wenn Kunst sich über den Dächern einer Stadt entfaltet – jenseits der etablierten Kulturinstitutionen?
Das Ausstellungskonzept stammt von Katrin Hamann, die bewusst auf Konventionen verzichtet und einen Ort der Bewegung, Funktionalität und Transparenz in einen Raum der Reflexion verwandelt. Die Besucher:innen treten aus dem städtischen Rhythmus heraus und begegnen zeitgenössischer Kunst in einer Atmosphäre, die gleichzeitig distanziert und intim wirkt. Der Blick durch die Panoramafenster über Hannover wird zum Teil der Ausstellung – als physische Öffnung, aber auch als Sinnbild für Perspektivwechsel.
Vielfältige Positionen, gemeinsamer Dialog
Gezeigt werden Werke aus Malerei, Zeichnung, Fotografie, Lichtkunst und Street Art. Die Bandbreite der Medien ist ebenso programmatisch wie das offene kuratorische Modell. Künstler:innen wie Michael Neugebauer und Marc Guggenbuehl widmen sich in ihrer Arbeit „vom sagensehen“ den Schnittstellen zwischen Wahrnehmung und Sprache, zwischen dem, was gezeigt wird, und dem, was sich zwischen den Zeilen verbirgt.
Eines der zentralen Projekte der Ausstellung trägt den Titel „Showing Me Home“ und stammt von dem hannoverschen Künstler Lars Schumacher. Es bringt eine globale Dimension in den Raum: Zahlreiche Mail-Art-Arbeiten von Menschen aus verschiedenen Ländern werden als digitale Installation präsentiert. Sie erzählen von Heimat – nicht als Besitz, sondern als emotionale Geografie, die sich zwischen Kindheitsorten, Gerüchen, Migration und Erinnerungsfragmenten entfaltet.
Die Entscheidung, diese Arbeiten gerade im Bredero-Hochhaus zu zeigen, wirkt zunächst überraschend – ist aber im Kern konsequent. Denn hier, im anonymisierten 16. Stock eines Bürogebäudes, wird Kunst zu einem persönlichen Gegenmoment. „Showing Me Home“ fordert dazu auf, innezuhalten und eigene Vorstellungen von Zugehörigkeit zu hinterfragen. Die Werke brechen mit musealen Konventionen und öffnen einen Raum für dialogische Erfahrung.
Interaktive Impulse – Der Fotoautomat als soziale Plastik
Besonderes Augenmerk verdient eine installative Arbeit von Schumacher, die in Hannover erstmals zum Einsatz kommt: ein Fotoautomat, der nicht als bloßes Dokumentationsmittel funktioniert, sondern als partizipative Kunstaktion. Besucher:innen lassen sich fotografieren, um Teil der großformatigen Collage „Heimat Hannover“ zu werden – einem visuellen Mosaik, das kollektive Identität abbildet.
Die Fotos entstehen live während der Ausstellung und werden später dauerhaft im Treppenhaus der Kunst- und Musiketage in der Vahrenwalder Straße 213 präsentiert. Vor allem bei Kunstspaziergängen erhalten sie künftig eine öffentliche Bühne. Der Automat wird damit zu einem Werkzeug der Selbstverortung – demokratisch, zugänglich und offen für alle.
Diese Aktion fügt sich konzeptuell in die größere Mail-Art-Initiative „Showing Me Home“ ein, die weltweit Beiträge sammelt und persönliche Perspektiven in ein gemeinsames Archiv überführt. Schumacher nutzt den Automaten nicht als Gimmick, sondern als künstlerisches Medium, das das Verhältnis von Selbstbild und Stadtbild reflektiert.
Inmitten all dessen tritt Lars Schumacher als Künstler auf, der Kunst als sozialen Prozess versteht. Er arbeitet nicht isoliert im Atelier, sondern sucht den Austausch, die Vielstimmigkeit, das fragmentarische Denken. Mail-Art – ein oft unterschätztes Genre – wird bei ihm zu einer politischen Praxis, die Nähe schafft und Öffentlichkeit neu definiert.
Seine Projekte sind nicht abgeschlossen, sondern prozesshaft und wachsend. Die Inhalte der Bredero-Präsentation sind später in in anderen Orten zu sehen, die ebenfalls im Wandel begriffen sind und es eine künstlerische Reflexion zum Raum gibt. Schon in Hannover jedoch zeigt sich: „Showing Me Home“ ist mehr als eine Ausstellung. Es ist eine Plattform, ein Archiv, ein ästhetisches Statement für ein pluralistisches Verständnis von Heimat.
Besuchsdaten: Ausstellung: Kunst im 16. Stock
Vernissage: Freitag, 12. Juni 2015, ab 19 Uhr
Öffnungszeiten: Samstag & Sonntag, 13. & 14.6.2015 von 14–18 Uhr
Ort: Bredero-Hochhaus, Lister Meile / Ecke Hamburger Allee, Hannover
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer:
Argentinien: Cristina Denzler (Buenos Aires) Maya Lopez Muro (La Plata)
Armenien: Lilit Stepanyan (Jerewan)
Belgien: Guido Vermeulen (Brüssel), Tzvetanka Koykova (Ghent)
Brasilien: Dòrian Ribas Marinho (Balneario Camboriu SC)
Dänemark: Poul Poclage (Guldborg)
Deutschland: Angela Behrendt, Chris Link, Hans-Georg Wenke, Horst Tress, Ingeborg Rath, Klaus Störch, Lutz Beeke (Fluxus Potsdam) Stefan Mahnke, Timm Kronenberg, Wolfgang Kraus aka Welfchen, Mirta Navas, Andrea Patricia Pop (Baia Mare / Maramures, Rumänien & Oldenburg, Deutschland) und aus Stadt und Region Hannover: Anca Graterol, Andrea Roeff, Bela Ruehmt, Anette Behlau, Burkhard Hußmann, Cathy Beck, Claudia van Bommel, Clemens Wiedel, Franziska Greite-Schillert, Line Hübotter, , Marina Hlubek, Negin Pirouzmandi, Ralf Sommer, Renate Golde, Sarina Wert, Siggi Weinert, Simone Foedrowitz, Stefan Heuer, Susanne Schumacher, Ute Rönnpag-Lohmeyer,
Frankreich: Pascal Coupechoux (Chablis)
Griechenland: Kleanthi Liodi, Chania/Griechenland & Heidelberg/Deutschland
Großbritannien: Lene Lovich,
Italien: Claudio Grandinetti (Cosenza), Guido Capuano (Sizilien), Serse Luigetti (Perugia),
Japan: Keiichi Nakamura (Tokyo), Ryosuke Cohen (Osaka)
Österreich: Monika Mori, Nika Baum (Maria Enzersdorf)
Rumänien: Diana On (Timisoara), Stefan Balog (Aiud), Valentina Stefanescu, Victor Gingiu (Timisoara)
Slovakai: Iveta Vladovičová (Hlohovec),
Spanien: Amelia Secas (Seoane-Chanes, Puebla de Trives, Galicia)
Türkei: Meral Ağar & Türkan Elçi (Istanbul):
USA: Familie Meyer – Piscoya, Alaska & Otto D. Sherman (NY)
Im Anschluß können in der Galerie Kunstpanzer Hannover alle eingesandten Werke im Format 10x15cm bis zum 27.06.2015, immer Donnerstag und Freitag von 15 – 18 und am Sonntag von 13 – 16 Uhr angesehen werden. Der Kunstpanzer befindet sich im Allerweg 29 gegenüber der Erlöserkirche / Gospelkirche in Hannover Linden (Süd) und ist über die Haltestelle Allerweg mit der Bahn gut zu erreichen.
Bürgerreporter:in:ART PROJECT aus Hannover-Vahrenwald |
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