Moore
Die Renaturierung von Mooren ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz
- Moore bilden weltweit einen enorm wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
- hochgeladen von Kurt Wolter
O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt! –
O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!
Viele kennen vermutlich das schöne Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff, das so beginnt. Vielleicht haben sie es sogar in der Schule auswendig lernen müssen. Es beschreibt etwas Unheimliches, Mystisches, denn so haben es die Menschen in früheren Zeiten gesehen. Normalerweise trauten sie sich nicht ins Moor hinein. Aber manchmal mussten sie es eben doch. So zum Beispiel zum Holzholen, zum Birkenschlagen für Festlichkeiten oder zum Torfstechen. Vom Altwarmbüchener Moor brachten den Torf in früheren Jahrhunderten die Bauern der umliegenden Dörfer mit Pferdefuhrwerken nach Hannover, wo er zum Heizen benötigt wurde. Im späteren Mittelalter wurde sogar ein Torfkanal angelegt, der am Aegidien-Tor endete. Mit Kähnen wurde das Brennmaterial zur Stadt transportiert. Das fanden die Bauern gar nicht lustig, wurde ihnen doch damit eine Verdienstmöglichkeit genommen. Und so schütteten sie den Kanal mehrere Male wieder zu. Heute weist die Straße Schiffgraben noch darauf hin. Übrigens dienen Reste der einstigen Balustrade des Kanals im späteren Stadtbereich heute als Begrenzungsmauer des Engesohder Friedhofs. Aber ab dem 18. Jahrhundert setzte sich dann immer mehr die Steinkohle durch, die in Barsinghausen am Deister im Klosterstollen gefördert wurde.
In Deutschland gibt es noch 18.000 Quadratkilometer Moorfläche. Und wenn das auch nur noch ein kleiner Teil der ursprünglichen Moorflächen ist, die durch Torfabbau, Trockenlegung und Kultivierung für Weide- und Feldflächen und für Wälder verschwunden sind, so sind diese doch gerade wichtig für die Artenvielfalt und auch das Klima. Obwohl Moore weltweit nur ungefähr drei Prozent der Landmasse ausmachen, so sollen sie doch 30 Prozent des gesamten Kohlendioxids unserer Erde speichern. Während Wälder das CO2 bei der Vermoderung von Pflanzen relativ schnell wieder abgeben, speichern es Moore dauerhaft, da Bakterien das saure Moorwasser nicht mögen und so die Pflanzenreste erhalten bleiben. Und je mehr CO2 im Boden gebunden bleibt und je weniger in die Luft gelangt, desto besser ist es für unser Klima, wird doch der Treibhauseffekt weniger schnell angeheizt.
Mit etwa einem Drittel hat Niedersachsen die meisten Moorflächen in Deutschland. Sie machen an Mooren oder moorähnlichen, kohlestoffreichen Böden gut 14 Prozent der Landesfläche aus. Im Mittelalter und auch lange danach wussten die Menschen noch nicht, wie wichtig und bedeutsam Moore für das Ökosystem Erde sind. Nun weiß der Mensch seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts darum. Und trotzdem zerstörte er Moorflächen, wie man es zum Beispiel im Toten Moor am Steinhuder Meer sehen kann. Die Verträge mit der Industrie müssen eben eingehalten werden. Immerhin ist für den Hobbygärtner ein Torfverbot für Blumenerde in den nächsten Jahren in Sicht, gibt es doch auch Alternativen dazu. Das ist erfreulich und ein Mosaikstein für weniger CO2 in der Atmosphäre und damit für eine bessere Umwelt.
Noch wichtiger aber ist es, dass Moore seit wenigen Jahrzehnten renaturiert werden. So wurden und werden von Landwirten einstige Moorflächen zurückgekauft. Entwässerungsgräben werden aufgestaut. In Moorwälder werden breite Schneisen geschlagen und Senken angelegt, in denen sich Wasser sammeln kann. Große Bereiche werden unter Wasser gesetzt. Die Bäume, meist Birken, die dem Boden extrem viel Wasser entziehen, vertragen das saure Moorwasser nicht und sterben ab. Und nachwachsendes Birkengrün muss entfernt werden, Entkusseln genannt, damit die Flächen frei bleiben. Das alles sind aufwändige und auch teure Maßnahmen, die viele Bereiche einstiger Moorflächen wieder herstellen sollen. Natürlich braucht es auch Zeit dazu, viel Zeit, wächst das Moor doch etwa nur einen Millimeter pro Jahr in der Höhe. Es geht dabei also um Jahrhunderte und noch viel längere Zeiträume. Aber es ist notwendig und gibt keine Alternative dazu, um das Klima für uns Menschen erträglicher zu machen.
Moore sind Landschaften, die einen ganz besonderen Reiz haben. Dort darf die Natur, wenn sie einigermaßen intakt sind, noch natürlich sein. Anders als in deutschen Wäldern, die nicht selten sterile Forstwüsten sind. Dort wächst die typische Moorvegetation wie Besenheide, Glockenheide und Wollgras. Es kommen aber auch noch die Rosmarinheide, die Moosbeere und verschiedene Sonnentauarten vor. Die Torfmoose dagegen hauptsächlich in den früheren Torfstichgebieten. Nur dort wächst das Moor noch.
Zum Ende des oben genannten Gedichts lauten die Worte: Ja, im Geröhre war’s fürchterlich, O schaurig war’s in der Heide.
Auf mich, der ich diese Landschaft überhaupt nicht schaurig und fürchterlich finde, üben Moore eine besondere Anziehungskraft aus. Häufiger bin ich darin unterwegs, fernab vom hektischen Treiben der Stadt. Wenn man sich still verhält, kann man so manche Tiere beobachten, die dort ruhige Rückzugsorte finden. Moorfrösche, Eidechsen, Kraniche, in Moorwäldern auch Hirsche, mit viel Glück eine Ringelnatter oder eine Kreuzotter. Von Menschen aber dürfen große Bereiche aus Naturschutzgründen nicht betreten werden. Immerhin gibt es ausgeschilderte Pfade, die mit Erläuterungstafeln versehen sind. Es lohnt sich ihnen zu folgen, bekommt man doch einen Einblick in diese sehr besondere und eindrucksvolle Natur. Und natürlich denkt man dann daran, wie wichtig gerade diese Landschaften für Pflanzen, Tiere und Menschen sind. Für Arten, die auf Dauer bedroht sind. Und vielleicht steht auch der Mensch irgendwann auf der Roten Liste. Deswegen sollten wir alles tun, um das zu verhindern. Der große Aufwand der Renaturierung lohnt sich. Besonders für die folgenden Generationen.
P. S. Die Fotos habe ich im Altwarmbüchener Moor, Bissendorfer Moor, im Toten Moor am Steinhuder Meer und im Torfmoor bei Torfhaus im Harz gemacht. Die ausgestopften Schlangen habe ich im Landesmuseum Hannover fotografiert.
Bürgerreporter:in:Kurt Wolter aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode |
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