Atomausstieg
Rückkehr zur Atomenergie? Vor 40 Jahren ereignete sich der Super-GAU in Tschernobyl

Das Atomzeitalter in Deutschland ist gottseidank vorbei und sollte es auch bleiben. (Die Fotos zeigen das Atomkraftwerk Grohnde an der Weser.) | Foto: Kurt Wolter
5Bilder
  • Das Atomzeitalter in Deutschland ist gottseidank vorbei und sollte es auch bleiben. (Die Fotos zeigen das Atomkraftwerk Grohnde an der Weser.)
  • Foto: Kurt Wolter
  • hochgeladen von Kurt Wolter

Wer aus der älteren Generation kann sich nicht an die Tage vor 40 Jahren erinnern, als es in der damaligen Sowjetunion im Kernkraftwerk von Tschernobyl zum Super-Gau und damit zur Kernschmelze kam, der größten Katastrophe, die es bei der Gewinnung der Atomenergie geben kann. Wie wirkt sich die radioaktive Wolke auf Deutschland aus? Kann man seine Kinder noch im Sandkasten spielen lassen, kann man die Früchte von den Feldern und aus dem eigenen Garten noch essen, kann man die Milch von Kühen auf der Weide noch trinken? Es waren durch die radioaktiven Niederschläge, die nun auch uns, nachdem sich der Wind nach Westen gedreht hatte und damit auch uns erreichte, Tage der Unsicherheit. Immerhin 1700 Kilometer vom Explosionsort entfernt.

Das Atomkraft gefährlich ist, wissen wir alle. So unwahrscheinlich ein schwerer Atomunfall rein rechnerisch auch ist, so kommt er doch immer wieder vor. Besonders schlimm war 1957 der Unfall im Atomkraftwerk Majak, ebenfalls in der Sowjetunion, als ein Kühltank mit hochradioaktivem Abfall explodierte und große Mengen strahlenden Materials freigesetzt wurden. Erst Jahrzehnte später, nach der Wende, erfuhr die Weltöffentlichkeit davon. Und das ist typisch für Atomunfälle, nicht nur in der damaligen Sowjetunion. So lange wie möglich wird verheimlicht, vertuscht, verharmlost und das Geschehene nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit gebracht. Eben dann, wenn es sich wirklich nicht mehr verheimlichen und verbergen lässt.
Die Unfälle danach sind uns alle bekannt. Ob Harrisburg in den USA, Tschernobyl, der Fast-Gau von Forsmark in Schweden und der Gau in Fukushima, sogar mit einer dreifachen Kernschmelze, um nur die Großen zu nennen.

Aber so schlimm das alles auch war, gibt es noch ein zweites Problem mit der Atomenergie, und das könnte vielleicht noch deutlich größer sein oder werden: nämlich die Entsorgung der strahlenden Abfälle.

Man stelle sich einmal vor, man würde ein erstes Flugzeug überhaupt bauen und sich damit in die Lüfte begeben. Man würde sich darüber freuen und den Flug genießen. Doch dann fällt einem ein, dass man auch landen muss. Aber man hat zuvor keine Landebahn gebaut. Was nun? Kann man auf holprigem Rasen ungefährdet landen, oder geht das schief und endet vielleicht sogar tödlich? Man hat nun keine andere Wahl mehr, als es auszuprobieren.

So ähnlich verhält es sich auch mit der Kernkraft. Der Strom wird, wenn auch sehr teuer, zunächst sauber produziert. Meistens geht das, bis auf die erwähnten Unfälle, gut. Aber dabei fällt immer mehr gefährlicher radioaktiver Müll an, und irgendwann muss dieser sicher entsorgt werden. Doch wie das machen? Niemand hat wirklich einen ausgereiften Plan, der Sicherheit für Jahrhunderttausende verspricht, da der Abfall so lange strahlt und eine große Gefahr darstellt. Also schiebt man das Problem erstmal auf die lange Bank. Nach dem Motto: Die nächsten Generationen können sich dann darum kümmern. Es wird schon irgendwie gutgehen. Und wenn nicht…?

Als logisch denkender Mensch sollte man eigentlich meinen, dass mit einer solch gefährlichen Energiegewinnung gar nicht erst anfangen werden sollte. Zumindest so lange nicht, bis ein sicheres Endlager zur Verfügung stehen würde. Aber die Realität sieht leider völlig anders aus.

Deutlich wird das Problem der Entsorgung zum Beispiel am Bergwerk Asse, einem Ort jeder Menge Vertuschungen durch den damaligen Betreiber Helmholtz. Dieses Bergwerk für leicht- und mittelradioaktive Abfälle ist ein Pulverfass mit ungewissem Ausgang, in dem verbotenerweise sogar hochradioaktives Plutonium und Uran eingelagert wurde. Wie können die Abfälle dort, nachdem Salzlauge eindringt, wieder sicher herausgeholt werden, und wohin dann damit? Oder sollte man sie versiegeln, so dass die atomare Strahlung zumindest vorerst in Schach gehalten werden kann? Natürlich ist klar, dass sie dann durch Erdbewegungen oder durch das Grundwasser irgendwann freigesetzt werden könnten. Aber vorerst wäre die Gefahr gebannt.

Nach dem Atomgesetz aber müssten die Abfälle wieder rausgeholt werden, wie auch immer. So der neuere Stand der Dinge. Es wurden sogar Termine festgemacht, bis wann das angegangen und geschehen soll. Die erweisen sich jetzt allerdings als utopisch, und so wird nun mal wieder alles auf die lange Bank geschoben. Es wird von verschieden Seiten auch gemunkelt, ob das Zurückholen technisch überhaupt möglich ist. Vielleicht mit ferngesteuerten Robotern. Und wenn der Beschluss dann doch gefasst wird, ist es dann vielleicht zu spät, weil inzwischen Wasser eingedrungen ist? Manche Menschen erinnern sich vielleicht auch an Fernsehbilder, die zeigen, wie Fässer mit Atommüll bei der Einlagerung durch einen Schaufellader einen Hang hinuntergekippt, übereinander polterten. Könnten sie dabei schon beschädigt worden sein?

Dieser bisherige Umgang mit dem Atommüll – und weltweit gibt es noch viel schlimmere Beispiele – ist ein Desaster ohnegleichen, das von der Öffentlichkeit meist gar nicht so wahrgenommen wurde und wird. Dass das nicht unbedingt zu einem Sicherheitsgefühl bei dieser Energieform beiträgt, kann sich wohl jeder vorstellen. Und auch wenn die technische Entwicklung natürlich weitergeht, so werden doch für die Zukunft jede Menge Unsicherheiten bleiben.

Nun aber kommen manche deutsche Politiker auf die Idee, eine Diskussion um die Wiedereinführung dieser gefährlichen Energie mit ihren ungelösten Problemen zu eröffnen. So ein Jens Spahn oder ein Markus Söder. Auch die EU-Präsidentin Ursula von der Leyen, deren Vater Ernst Albrecht, einst Ministerpräsident Niedersachsens, dafür gesorgt hat, dass mit Gorleben nicht das geologisch sicherste Endlager ausgesucht wurde, sondern das politisch am vertretbarste, das mit dem Wendland in einer dünnbesiedelten Gegend und zur Grenze der DDR lag. Und da frage ich mich dann, zumal auch die meisten der ehemaligen Kraftwerksbetreiber es für keine gute Idee halten, ob diese Politiker denn nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Dass sie damit außerdem den Ausbau der grünen Energie ausbremsen würden, auf die sich Wirtschaft und Industrie längst eingestellt haben.

So wäre es besser, meine ich, nun nicht wieder in die Atomkraft einzusteigen. In Zukunft werden unsere Nachkommen sehen, was mit dem strahlenden Müll passiert. Besonders in anderen Industrieländern, die nicht davon abrücken und weiter auf Atomstrom setzen. Ob es gut gehen wird, werden wir nie erfahren. Aber irgendwann die Welt nach uns.

Das Atomzeitalter in Deutschland ist gottseidank vorbei und sollte es auch bleiben. (Die Fotos zeigen das Atomkraftwerk Grohnde an der Weser.) | Foto: Kurt Wolter
Was in der Sonne auf natürliche Weise vor sich geht, macht der Mensch auf der Erde nach. Und das ist nicht ungefährlich. | Foto: Kurt Wolter
Die Technik wird zwar immer sicherer. Aber eine Hundertprozentige gibt es nicht, und irgendwann wird es vermutlich wieder zu einem großen Unfall kommen.  | Foto: Kurt Wolter
So sauber diese Energieform auch scheint, so ist doch über große Zeiträume überhaupt nicht absehbar, ob aus Endlagerstätten nicht doch irgendwann radioaktive Strahlung entweichen kann.   | Foto: Kurt Wolter
Die Bevölkerung Deutschlands ist gespalten. Die einen wollen keine Atomenergie, die anderen könnten sich eine Wiedereinführung vorstellen. | Foto: Kurt Wolter
Bürgerreporter:in:

Kurt Wolter aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

46 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.