Beachtenswerter Lebensweg meines Vatis
- hochgeladen von Uwe Zerbst
Die Jugend meines Vatis wurde davon geprägt, dass er mit großer Freude in der „Kolonialjugend“ tätig war und sich mit der Geschichte des Koloniallebens beschäftigte.
Als diese der „Hitlerjugend“ zugeordnet wurde, gab dies seiner Mitmachfreude einen starken Dämpfer. Es war nicht mehr das, wofür er sich engagieren konnte.
Der zweite Weltkrieg führte meinen Vati an die Ostfront. Seine Erzählungen davon ließen mich ahne, was er Schlimmes erleben musste und zu sehen bekam.
Nein, das war nicht sein Krieg – wenn er sich auch noch nicht konsequent mit der deutschen Ideologie auseinandersetzte.
Schließlich kam Vati in sowjetische Gefangenschaft. Dort bekam er die Gelegenheit, selbst zu entscheiden, was nunmehr in seinen Kopf kommen solle und was er da ausräumen wollte.
Kein Wunder, dass mein Vati nach Kriegsende aus der sowjetischen Gefangenschaft wieder nach Deutschland kam und dabei helfen wollte, ein „gutes Deutschland“ mit aufbauen wollte.
Er brachte sich aktiv ein und studierte schließlich in Jena mit dem Ergebnis, an der Jenaer Universität als Dozent tätig zu werden.
Groß war sein Engagement und konnte er in den ersten Jahren der DDR viele Erfolge der intensiven Bemühungen feststellen.
Mit der Wende wurde Vati klar, dass seine Vorstellungen eines „neuen Deutschland“ über viele Jahre regelrecht mit Füßen getreten wurde und sein Engagement regelrecht verpuffte. Überall konnte er sogar feststellen, dass nicht nur seine Vorstellungen des „neuen Deutschland“ geplatzt waren, sondern in vielen Köpfen noch Gedanken blühten, welche er nach dem Krieg nicht mehr hören und sehen wollte.
Was war von seinem Lebenskampf übrig geblieben=? Wo und wie sollte er sich nun wieder finden?
Meine Heide, die ich ja in der Wendezeit kennen und wertschätzen lernte sprach mit Vati darüber, was nun seine weitere Lebensaufgabe sei.
Wer, wenn nicht die Generationen, welche den Krieg erlebten und am „neuen Deutschland“ aufbauend geholfen haben, kann schriftlich festhalten, was er erlebte und welche falschen Wege ihm begegneten?
Vati nahm sich diese Aufgabe an und schrieb seinen Lebensweg auf. Hoch interessant!
Seine Aufzeichnungen habe ich nunmehr meinem jüngsten Sohn übergeben.
Der 28. Mai 1990 war ea, an dem meine Heide Vati einen Sinn seiner weiteren Aktivitäten gab und er diese Aufgabe annahm.
Beide, Vati und meine Heide, sind und bleiben die wohl wichtigsten und beachtenswertesten Menschen in meinem Leben!
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Nachtrag (29.5.2026 - 14:00):
Bis 1984 war Vati noch der Meinung, dass es eine DDR geben könne, wie er und andere ehemalige Soldaten des zweiten Weltkrieges sich ein „neues Deutschland“ vorgestellt und gewünscht hatten. Er war da voll engagiert.
Dann aber merkte er immer deutlicher, dass seine Bemühungen im Sande verliefen und gar nicht gewollt waren. Verzweifelt war er schließlich, als alles den Bach runter ging und vor allem viele falsche Vorstellungen und sogar Gedanken der Hitlerzeit festzustellen waren- Auch erklärte er, wie er sich ein wirklich "neues Deutschland" vorgestellt und mit daran gearbeitet hatte.
Neben dem Auschreiben seines Lebens war er nach der Wende bei etlichen Diskussionsrunden dabei, um seine Erkenntnisse weiterzugeben und sich falschen Gedanken entgegenzustellen.
Wichtig war ihm, meiner Heide und mir sein Wissen weiterzugeben.
Bürgerreporter:in:Uwe Zerbst aus Gotha |
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