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Burgen und Schlösser in der Region Hannover (Teil 9): Auf dem Burgberg in Gehrden ging eine weiße Frau um

Burgwall auf dem Burgberg von Gehrden.
 
Baureste im Park Franzburg.
Gehrden: Burgberg | Von Ronnenberg ist es nicht weit bis nach Gehrden. Gehrden ist mit dem Gehrdener Berg ebenfalls ein beliebtes Ausflugsziel der Hannoveraner, obwohl die Straßenbahn schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr bis hierher fährt. Bekannt ist der Burgberg von Gehrden – wenn es auch früher manchmal vorgekommen sein soll, dass die Reste eines ehemaligen Schullandheimes als vermeintliche Burgruine betrachtet wurden. Die Burg auf den Burgberg ist dagegen viel unscheinbarer. Daran ändert auch die Sage von einer weißen Frau nichts. Sie soll als Geist hier einst umgegangen sein. Erhalten ist eigentlich nur der ehemalige Burgwall und der vorgelagerte Spitzgraben. Der Burgberg ist altes Siedlungsgebiet. Aufgefundene Flintartefakte werden bis zur Mittel- und Jungsteinzeit datiert. Die Burganlage erscheint aufgrund ihrer Bauweise indes wesentlich jünger und dürfte den Früh- oder dem beginnenden Hochmittelalter zuzurechnen sein.

Der Ringwall auf dem Burgberg bildet keinen geschlossenen Kreis. Auf der Steilseite des Burgberges fehlt es an einer Befestigung. 1938 fand eine Grabung statt. Seit dieser Zeit wird die Anlage gern in die Urgeschichte datiert und als „Cheruskerburg“ bezeichnet. Die heutige Burg stammt ganz sicher nicht aus dieser Zeit. Ausgeschlossen ist aber nicht, dass auch schon früher hier eine befestigte Höhensiedlung lag.

Außer der Wehranlage auf dem Burgberg beherbergte die Stadt Gehrden unten im Ort einst einen weiteren Herrensitz, die Franzburg. Das Herrenhaus wurde erst 1967 abgebrochen. Seitdem erinnert nur eine kleine Parkanlage an das ehemalige Gut. Um 1650 ließ – nachdem das Gut früher von der Familie von Sürsen bewohnt war – der neue Eigentümer Franz Ernst von Reden die alte, innerhalb der Stadtbefestigung gelegene Burg abbrechen und auf dem Süerser Feld die neue Franzburg erbauen.

Verlassen wir die Kernstadt Gehrden. Einige der 1974 eingegemeindeten Ortsteile können mit Herrensitzen aufwarten.

Das Herrenhaus des Gutes in Lemmie wurde um 1830 wohl auf den Fundamenten eines älteren Gebäudes errichtet. Im Jahr 1850 erweiterte man das Bauwerk bereits. Das Gut (Alte Bahnhofsstraße 17-25) selbst ging aus einem Meierhof hervor. Nach mündlicher Überlieferung soll beim Gut in früheren Zeiten ein „Schloss“ gestanden haben. Wahrscheinlich war damit der Vorgängerbau des jetzigen Herrenhauses gemeint.

Die Familie der Ritter von Lenthe wird bereits 1255 in alten Urkun-den erwähnt. Ihnen gehörten die beiden Rittergüter des gleichnamigen Ortes. Das Obergut ist aus dem Burghof hervorgegangen. Sein Herrenhaus an der Winterstraße 23 dürfte das wahrscheinlich älteste Gebäude des Dorfes darstellen. Der zweigeschossige Bau steht auf den Kellergewölben einer ehemaligen Wasserburg. 1604 erhielt der Herrensitz einen sandsteinernen Renaissanceerker und im 18. Jahr-hundert wurde das ehedem massive Obergeschoss durch Fachwerk ersetzt. Teile des alten Wassergrabens sind noch vorhanden. An der Straße Im Eickhof 6 liegt das Herrenhaus des Untergutes, das 1847 erneuert wurde. Nach Mithoff besaß auch das Untergut einen Hausgraben.

1425 wurde die Wasserburg von Leveste abgerissen. Von hier aus starteten deren Herren Überfälle auf die Kaufleute, die den nahen Weg nach Hannover benutzten. Teilweise wird vermutet, dass diese Anlage identisch mit der sogenannten Lohburg war. Die Lohburg wurde 1250 erwähnt. Sie wurde zur Beherrschung des Hellweges vor dem Santforde errichtet. Gemeinhin wird ein Teich – der Lohteich - bei der Ortschaft mit dem Standort der früheren Wasserburg in Verbindung gebracht. Wahrscheinlich gab es daher im Mittelalter zwei Wasserburgen in Leveste. Neben der Lohburg eine weitere, die im Park des heutigen Gutes lag. Das jetzige Herrenhaus des Gutes, welches ursprünglich auch mit einem Wassergraben umgeben war, wurde in den Jahren 1726 bis 1728 errichtet.

Nur der Vollständigkeit halber soll in Everloh das Gut erwähnt werden. Erst 1877 wurde der Lehnsthof 1 zum Rittergut erhoben. Das massive Wohnhaus stammt zum großen Teil noch aus der davor liegenden Zeit.

Gliederung:
01. Einleitung / Literaturverzeichnis - 30.10.11
02. Burgen im Stadtgebiet von Hannover - 04.11.2011
03. Schlösser der Stadt Hannover – 13.11.2011
04. Burgen und Herrensitze in Hemmingen – 24.11.2011
05: Herrensitze in Laatzen – 15.12.2011
06. Schlösser und Burgen der Stadt Pattensen –
02.01.2012
07. Springe – Waldspaziergang mit Burgresten –
08.01.2012
08. Gutshäuser in Ronnenberg – 20.01.2012
09: Gehrden- Auf dem Burgberg ging eine weiße Frau
um – 29.01.2012
10. Wennigsen: Die mächtigste Wasserburg des
Calenberger Landes und ein Jagdschloss des
Königs – in Vorbereitung
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3 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 29.01.2012 | 17:02  
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Dieter Goldmann aus Seelze | 29.01.2012 | 19:29  
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Shima Mahi aus Langenhagen | 29.01.2012 | 21:25  
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