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Wie sieht soziales Engagement während der Pandemie aus?

„Bayern-Rudi“ mit Paketen für krebskranke Kinder (hier vor Weihnachten) (Foto: Manuel Tausend)

Der Bayern-Fanclub Gablingen berichtet

Vor 10 Jahren erschütterte der Supergau von Fukushima die Welt. Seit einem Jahr hat uns Corona fest im Griff. In den Intensivstationen kämpft das Personal bis zur Erschöpfung um das Leben von Viruskranken. Alte Menschen vereinsamen, Kinder sehnen sich nach ihren Freunden, Unternehmer zittern um ihre Existenz und viele Familien kriegen ihren Alltag nur noch mit größter Mühe geregelt. Doch das Virus schert sich nicht um solche Befindlichkeiten und Mutationen sorgen zusätzlich für ein dynamischeres Ausbruchsgeschehen. Unsere Hoffnung, alles werde sich schnell ändern, wenn nur erst ein Impfstoff zugelassen sei, hat sich als trügerisch erwiesen.

Schicksalsschlag Krebs


Aber: „Es gibt leider nicht nur Corona“. Bei all dem rücken leider viele andere Schicksale in den Hintergrund. Für Eltern ist die Diagnose „Krebs“ beim eigenen Kind zuerst ein unvorstellbarer Schock. Während des gesamten Krankheitsverlaufs werden die Eltern, aber auch die ganze Familie immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt, die ungeheure psychische Kraft erfordern. Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit bringen sie dann oft weit über die Grenzen ihrer Belastbarkeit hinaus. Umso wichtiger ist in dieser schwierigen Situation neben einer bestmöglichen medizinischen Betreuung des Kindes eine einfühlsame Unterstützung sowohl des Kindes, als auch der Familie. Ein positives Umfeld und Menschen, die ihnen emotionalen Halt geben – vor allem während der oftmals langen Klinikaufenthalte. Diese Patienten leiden immens unter den Kontaktbeschränkungen, weil sie sich auf keinen Fall anstecken dürfen, sowie unter dem eingeschränkten Besuchsverbot in der Klinik, wenn sie stationär behandelt werden.

Red-White Glammhogga unterstützt krebskranke Kinder - auch in Zeiten von Corona

Deshalb hat es sich der Bayern-Fanclub „Red-White Glammhogga“ aus Gablingen seit über 17 Jahren zur Aufgabe gemacht, junge krebskranke Menschen zu begleiten und deren Familien zu unterstützen. Kinder, die an Krebs erkranken, brauchen weit mehr als medizinische Hilfe. Ihre Angehörigen sind mit der Situation oft ebenfalls überfordert – seelisch und materiell. Auch das Berufsleben und die persönliche finanzielle und sozialrechtliche Situation werden in Mitleidenschaft gezogen. Leider ist ein persönlicher Kontakt auf der Station – der vom Ehrenpräsident des Fanclubs regelmäßig bis zur Besuchssperre gepflegt wurde – derzeit nicht möglich.

Trotz des coronabedingten Ausfalls der Nikolaustombola (Einnahmen aus Losverkauf) jedoch setzt der Fanclub sein soziales Engagement fort. Jetzt sind allerdings alternative Aktivitäten und neue Wege gefragt, nachdem keine Besuche auf Station mehr möglich sind. Mitglieder verzichteten auf Geburtstagsgeschenke und baten stattdessen um Spenden zugunsten krebskranker Kinder. Selbst der Wunsch von Verstorbenen ging in diese Richtung. Statt Grabschmuck wurde ein Spendenkonto eingerichtet. „Tausend Dank für tausend Euro“ war der Ausruf von Rudi Tausend für jeweils 2 Großspender. Es war die Berichterstattung über die Verleihung der Silberdistel, die den Inhaber der Firma Pharmpur aus Königsbrunn veranlasste, mehrere Jahre einen vierstelligen Betrag als Dank für das soziale Engagement des Fanclubs zu überreichen. Aus dem gleichen Grund sammelt Hubert Wackerl das ganze Jahr über Überschüsse aus dem Getränkeverkauf der Belegschaft der Sped. Schmidt in Foret. Der Betrag wird jeweils von ihm und seiner Familie großzügig auf 1.000 € aufgerundet. Der Ideenreichtum von Mitgliedern, aber auch Freunden und Firmen die Aktionen „der Roten“ zu unterstützen, kennt keine Grenzen.

Geschenke-Aktion

Doch jeder dieser Spender hat auch ein Anrecht darauf zu erfahren, was mit „seinen Geldern“ geschieht. Der Fanclub hat sich deshalb entschlossen, gerade in Zeiten des Lockdowns alternativ verstärkt Geschenkpakete zu versenden, ob an Weihnachten, oder zu Geburtstagen der krebskranken Kinder, aber auch deren Geschwister. Finanziell durch den Schicksalsschlag in Not geratene Familien werden auf ihrem schweren Weg unterstützt. „Unser Hilfsangebot werden wir auch in Zukunft auf die Bedürfnisse der krebskranken Kinder und deren Familien ausrichten und stetig erneuern“, so Präsident Manuel Tausend.

Vielfältiges Hilfsspektrum


Das vielfältige Hilfsspektrum des Fanclubs reicht von der finanziellen Unterstützung in Not geratener Familien bis hin zu persönlichen Besuchen. Während die Kosten für die rein medizinischen Aspekte der Behandlung der Patienten von den Krankenkassen getragen werden, fehlen die Mittel für die psychosoziale Betreuung und die Alltagsgestaltung der Patienten weitgehend. Dass dies dank der Hilfe der „Glammhogga“ nicht so sein muss, zeigt ein kleiner Ausschnitt der Unterstützung. Ein Ausgleich zum oftmals anstrengenden Therapieverlauf erfahren die Kinder durch ein Angebot des Spielens und Gestaltens auf der Station. Auf Nachfrage bei der Station konnten so zwischenzeitlich die Kosten für einen Kicker, Massagesessel, Traktor mit Anhänger, Tablet, Kinderspielzeug aller Art, Spielhaus, Nähmaschine, fahrbarer Schrank, Kugelbahn, TV-Gerät ect. im Wert von über 4.000,-- vom Fanclub übernommen werden. Zu einem neuen „Snoezelen-Raum“ wurde für die Einrichtung etwas beigesteuert. Es geht darum, Menschen mit sensorischen Störungen und schwersten Behinderungen adäquate Therapie- und Erholungsmöglichkeiten zu bieten. Zusätzlich wurde eine „sogenannte Regenbogenfahrt“ mit FC Bayern-Souvenirs ausgestattet. Alle Fahrer haben in ihrer Kindheit oder Jugend lebensbedrohliche Krebserkrankungen besiegt und sind heute alle topfit auf dem Fahrrad unterwegs. Vor einiger Zeit konnte die „Covid Kids-Bavaria-Studie“ finanziell unterstützt werden, ebenso wie verschiedene Typisierungsaktionen. Der Einsatz des Fanclubs wurde auch in der aktuellen Broschüre der Uniklinik Augsburg gewürdigt.

Es war eine feste Tradition, dass sowohl die Fußball-Bundesligasaison mit einer Busfahrt in die Allianz Arena für betroffene Familien abgeschlossen wurde, als auch eine zusätzliche Fahrt in einen Freizeitpark. Dafür übernahm der Fanclub ebenso die Kosten wie für die jährliche Bescherung am Hl. Abend. Zu WM/EM wurde jeweils ein Tippspiel organisiert, deren Preise organisiert und finanziert wurden. Jeden 2. Dienstag im Monat traf sich der „harte Kern des Elternkaffees“ zu einer lebhaften Runde im Mildred-Scheel-Haus. Eine Schicksalsgemeinschaft von Betroffenen, aus denen auch Freundschaften entstanden sind. All das brach durch die Corona-Beschränkungen weg, ebenso wie die persönlichen Besuche des „Bayern-Rudi“ auf der Station, bei denen die anwesenden Kinder nebst Geschwisterkinder beschenkt wurden. Leere Stadien sind jedoch mittlerweile der Normalzustand. Gewöhnen daran will sich jedoch keiner.

Derweil geht es im Fußball in die heiße Phase. Die Zeit der großen Emotionen ist für gewöhnlich im April oder Mai, wenn es in den letzten Spielen der Saison um kostbare Silberware geht. Mit Paris Saint Germain hat der FC Bayern den Vorjahres-Finalist vor der Brust. Trotzdem: Muss man nach einem Jahr ohne Zuschauer nicht auch mal demütig und dankbar sein? (Text: Rudi Tausend)


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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.AMH01 myheimat gersthofer | Erschienen am 03.04.2021
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