Der lange Weg zurück zur Normalität

3 Tausend auf 3 Quadratmeter. Von links: Präsident Manuel Tausend, Sohn Fabian Tausend und Ehrenpräse Rudi Tausend | Foto: Bayern-Fanclub
  • 3 Tausend auf 3 Quadratmeter. Von links: Präsident Manuel Tausend, Sohn Fabian Tausend und Ehrenpräse Rudi Tausend
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Zwei Jahre Corona-Pandemie, nun wird die Welt von einem anderen Thema dominiert, dem Krieg in der Ukraine – eine Krise folgt derzeit auf die andere. Bereits in dieser zurückliegenden Zeit mussten jegliche Aktivitäten, wie Busfahrten des Fanclubs in die Allianz Arena, Sommerfeste, Nikolausfeiern mit Tombola, aber auch Fahrten für krebskranke Kinder mit ihren Familien zu einem Heimspiel des FC Bayern abgesagt werden, zu hoch waren die gesundheitlichen Risiken. Es bleibt also nur zu hoffen, dass das Virus in Richtung Herbst keine neue Mutation auf den Weg bringt, die sämtliche Pläne – erneut – über den Haufen schmeißt.

Der Fußball jedoch gerät angesichts des Kriegs – der mit dem Truppeneinmarsch am 24. Februar in die Ukraine begann – zur Nebensache. An traurigen Tagen wie diesen zeigt sich, wie banal Themen wie Transfers oder Tore tatsächlich sind – und dennoch spielen natürlich auch der Sport und im Besonderen der Fußball in Kriegszeiten eine Rolle. Es ist zynisch und sarkastisch, dass in den aktuellen politischen Ereignissen das Wort „Krieg“ von der Agressorseite offiziell als „spezielle militärische Operation“ umschrieben wird. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Verflechtung zwischen Politik und Fußball. Keine andere Sportart zieht soviel Aufmerksamkeit auf sich und genießt deshalb einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. „Sowohl Corona, als auch die brisante politische Konstellation stellen auch unseren Verein vor große Herausforderungen, wie es sie in unserer fast 20-jährigen Geschichte noch nie gegeben hat“, so Präsident Manuel Tausend vom Bayern-Fanclub „Red-White Glammhogga“ aus Gablingen, der sich mit einem künstlich lahmgelegten Vereinsleben nicht abfinden will und sich deshalb große Sorgen um den Club macht. Sein Wunsch – und da spricht er allen Fans aus dem Herzen – dass wir alle bald wieder so zusammen Sport erleben, jubeln und feiern können wie vor der Pandemie. Deshalb griff er auch im März sofort zu, als sich die Gelegenheit für 40 Eintrittskarten zum CL-Rückspiel gegen Salzburg ergab. 25.000 Zuschauer durften in die Allianz Arena. Trotzdem herrscht zu Beginn noch Geisterspiel-Atmosphäre! Das änderte sich jedoch schlagartig im Laufe der Gala, in der Robert Lewandowski mit dem schnellsten Hattrick der Champions-League Geschichte in nur 10 Minuten mit dem 7:1 den Weg in das Viertelfinale ebnete. Es ist für jeden Fan der „Roten“ faszinierend, wie sich dieser Club immer wieder, gerade in schweren Momenten , neu erfindet – und das auf höchstem Niveau. Am so bitter verlorenen CL-Finale 1999 gegen ManU oder an der Niederlage im Finale dahoam gegen Chelsea „wären andere zerbrochen“. Daher bleibt die Planung, die ja meist eine längere Vorlaufzeit hat, für die Veranstalter nach wie vor eine große Herausforderung. Jede Veranstaltung wird zum Risiko. Doch Not macht erfinderisch. Bereits im Dezember wurde aus dem geplanten Nikolausgrillen des Fanclubs eine Nikolausstiefel-Aktion, die von Präse Manuel und Peter Auer zur Freude von knapp 40 Kindern persönlich durchgeführt wurde. Die prall gefüllten Stiefel fanden ausnahmslos ihren Weg zu den freudestrahlenden Kindern. Schwierige Zeiten – sei es eine Pandemie, ein persönliches Schicksal, oder aber auch ein Krieg – belasten die Psyche. Als Gegengewicht zur mentalen Ausnahmesituation, oder als Ablassventil für den Geist, wird oft der Sport ins Spiel gebracht. Eine Zeit, in der die Menschen mit Unsicherheiten kämpfen und um den Job bangen. Fußball hat für viele Menschen eine zentrale Bedeutung in ihrem Leben. Weltweit kann Fußball begeistern, regt zum Gespräch an, ist grenzüberschreitend integrativ und wirkt attraktiv auf Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten.

In der Fankurve, umgeben von Freunden, hinter wehenden Fahnen mit dem Vereinslogo, getragen von Fangesängen, dort fühlen sich sowohl Präsident Manuel Tausend, als auch sein Vater sehr wohl und mittlerweile findet auch Enkel Fabian daran Wohlgefallen, wie auf dem Bild zu sehen ist. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe und gehört zur Fankultur. Jenseits von Herkunft und Religion bietet ihnen ihr Lieblingsverein mit der „Allianz Arena“ auch eine Heimat. Der FC Bayern ist nach seinem 122. Geburtstag so lebendig und leistungsstark wie nie zuvor. Eine Glasvitrine des „Bayern-Rudi“ bestückt mit unzähligen Biergläsern aus vielen Jahrzehnten zeugt ebenso von der Treue zu seinem Lieblingsverein, wie Schals, Wimpel, Poster und die „legendäre Kuhglocke“, die bei jedem Spiel zu ihrem Einsatz kommt. Rot-Weiß wohin man sieht. 17 Jahre spielt der FC Bayern nun schon in Fröttmanning, „die Arena ist wie kein anderes Stadion zuvor unsere fußballerische Heimat, unser Stolz, unser Wohnzimmer“, so der Ehrenpräse.

Der Begriff „Heimat“ wird jedoch vielfältig - und gerade in der jetzigen Zeit – verwendet. Was für die einen die Sportstätte, ist für die anderen das Heimatland. Mehrere Millionen hat bisher der Krieg aus ihrer Heimat Ukraine vertrieben. Sie laufen über die Grenze oder kommen in Zügen und Bussen in anderen Ländern an. Dass es keine Normalität und Alltag mehr gibt, ist besonders für Kinder, sehr, sehr schwierig. Viele Menschen jedoch bleiben weiterhin in ihrer Heimat, oft ohne Strom, Wasser und Heizung, z.B. weil sie krank sind oder kranke Angehörige nicht alleine lassen wollen. Furchtbare Bilder und Nachrichten erreichen uns in dieser Zeit, die eine bedrückende Situation erzeugen. Tausende von Menschen verlieren gerade ihre Heimat. Was Fake ist und was Fakt, ist oft schwer zu unterscheiden. Viele in Deutschland, aber auch dem Rest der Welt haben es schlicht nicht für möglich gehalten, dass jemand einfach einen Krieg beginnt! Jeder Krieg verursacht unsägliches Leid, massive Zerstörung, Flucht von Millionen Menschen und viele Tote; Frauen fliehen derzeit vor dem Krieg, ihr Baby im Arm! Eine furchtbare Vorstellung! Eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität sowohl in der Sport- und Musikwelt, als auch in der übrigen Bevölkerung in ungeahnter Größe ist spürbar. Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg waren so viele Kinder in Europa auf der Flucht und nicht wenige sind getrennt von ihren Eltern oder auch als Waisen auf dem Weg. Diese Ereignisse prägen sie für ein ganzes Leben. Ein beklemmendes Gefühl innerer Unruhe und Ängste spüren derzeit viele Menschen in Europa. Einziger Trost: Die Hilfsbereitschaft als Zeichen der Solidarität ist großartig. Doch der unmenschliche Krieg tobt weiter, das Leid ist unermesslich, die Zahl der Toten und Verletzten steigt – und der Flüchtlingsstrom schwillt immer weiter an. Dies bekommt auch „der Bayern-Rudi“ bei seinen Besuchen auf der Kinderkrebsstation zu spüren, wo bereits 2 ukrainische Kinder stationär betreut werden, mittlerweile sind es bereits 4 Kinder. Der Fanclub will auch in einer schwierigen Zeit, ein Zeichen von großer Solidarität setzen, aber auch mit Geschenken Freude, Erleichterung und auch ein Lachen in der oft schweren Situation schenken. Seit vielen Jahren wird dieses soziale Engagement von Freunden, Mitgliedern und Firmen regelmäßig unterstützt - zuletzt von einem Kegelverein, von einem „Schalke-Fan“ durch einen Wassersprudler samt Säften für die Station, oder Schulbedarf vom „Gablinger Lädchen“ . Von finanziellen Zuwendungen konnte eine neue Werkbank für die Kinder auf der Station angeschafft, oder die Reparatur des E-Piano für die Kids vorgenommen werden, wofür der Fanclub die Anschaffungskosten schon übernommen hatte. Der Gesamtwert der Investitionen über ca. 500,-- € ist also gut angelegt.

„Sowohl die Pandemie, als auch die aktuellen Ereignisse stellen den Fanclub vor Herausforderungen, wie es sie in der bisherigen Geschichte nie gegeben hat und trotzdem schauen wir voller Hoffnung nach vorne“, so Präsident Manuel Tausend. Er kann mit Stolz zurück- und mit Motivation nach vorne blicken. Schließlich sollen im kommenden Jahr die Feierlichkeiten für das 20-jährige Jubiläum „der Roten“ stattfinden. Text: Rudi Tausend

myheimat-Team:

Nina Grimmeiß aus Augsburg

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