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Wissenschaftler und Philosoph in Eichenau: Helmut Rehder

Prof. Dr.Helmut Rehder, 2007
 
Die Märchensiedlung 1964
 
Umweltschutzfibel Eichenau
(Eichenau) Helmut Rehder: Biologe und Philosoph in Eichenau - zum 80. Geburtstag.
Der Botaniker und Philosoph Helmut Rehder feiert am 13.10.2007 seinen 80. Geburtstag in Eichenau. Dies ist Anlass für einen kleinen Rückblick auf sein Leben und sein Schaffen.
Helmut Rehder ist weiter aktiv und voll am Gemeindeleben beteiligt und erst kürzlich hat er einen wesentlichen Beitrag zur Natur in und um Eichenau im Geschichtsbuch der Gemeinde Eichenau veröffentlicht.

„Es ist nicht leicht, Menschen zu finden, die etwas Neues zu sagen haben. Noch viel schwerer ist es, Menschen zu finden, die etwas Neues hören wollen.“
H. Leyendecker, 27.9.2007


Helmut Rehder kam mit seiner Familie 1964 nach Eichenau und kaufte sich in der neu entstehenden „Märchensiedlung“ unweit des Starzelbaches ein Reihenhaus. Der Großgrundbesitzer Stadler, der Architekt Latzel und die Baugenossenschaft Eichenau hatten sich für einen gemeinsamen Bebauungsplan zwischen Starzelbach und Emmeringer Straße zusammengetan und eine neue Phase der Expansion von Eichenau begann mit der Stadtrandwanderung von München. Das Ehepaar Rehder mit den zwei kleinen Töchtern gehörte dazu. Wegen der Benennung der Straßen mit Märchennamen erhielt der neue Siedlungsteil den Spitznamen „Märchensiedlung“.
Helmut Rehder begann sein Leben 1927 in Hamburg, wo er dann auch Biologie und Geografie studierte und mit einer Arbeit zur Ökologie promovierte. Umweltschutz und seine Liebe zur Natur begleiteten ihn sein ganzes Leben.
Er wurde dann Assistent beim Ökologen Heinrich Walter in Stuttgart, heiratete 1959 und folgte seinem Lehrer Heinz Ellenberg an die ETH in Zürich. In dieser schaffensreichen und glücklichen Zeit beteiligte er sich auch am Klimadiagramme- Weltatlas von Walter und Lieth. 1962 zog es ihn zur TU nach München, da er sich hier habilitieren konnte und er fand dann 1964 seine Heimat in Eichenau. Im Gegensatz zur Modeströmung der Molekularbiologie blieb er der geliebten Arbeit in der freien Natur treu und wurde so zum Pflanzensystematiker, der zur Bestimmung in der Natur anleitete. Diese Durchdringung der Vielfalt der Arten und der Komplexität der Gestaltimpulse in der Evolution führte ihn auch zu tieferen Fragen nach dem Ursprung des Lebens aus wissenschaftlicher Sicht. Er kam zu einer anderen Sicht der Evolution als Charles Darwin, dessen Nachfolger die ganze Welt des Lebens durch Zufall aus der unbelebten Materie entstehen sehen. Helmut Rehder drehte die Sichtweise um und sieht die unbelebte Materie nur als eine besondere träge Ausprägung des Lebens. Schließlich entstand auf diese Weise viel unbelebte Materie der Gesteinswelt der Gebirge aus Resten des Lebens. Der Naturwissenschaftler Helmut Rehder hielt die Theorie der Nachfolger Darwins für wissenschaftlich nicht aus der Erfahrung belegbar und unlogisch, und er wandte sich in Anlehnung an Gedanken von Aristoteles und Goethe dem „Vitalismus“ zu. Er begreift so die Evolution als einen aktiven Vorgang des Lebens und nicht des Zufalls und als eine von vielen Erscheinungsformen des Lebens. Die Naturgesetze, die die Physik und die Chemie begründeten, beschreiben das präzise, was das Leben hervorgebracht hat. Ohne die Notwendigkeit einer unwissenschaftlichen Transzendenz oder die Erklärungsmuster der Religionen beschreibt er in mehreren kleinen Schriften eine undogmatische Naturwissenschaft, die nicht dem Mainstream folgt, aber angesichts der drohenden Gefahren der Umweltzerstörungen eine gewisse Zukunft haben kann. Sie hat den Schutz der Natur und die Freude am Lebendigen als logische Konsequenz und führt zur Notwendigkeit des Naturschutzes als Handlungsanleitung für menschliches Leben.
Der Ökologe und Philosoph hat so unzählige Studentinnen und Studenten sein ganzes Lehrerleben auf vielen Exkursionen in die Systematik des Erkennens in der Vielfalt der Natur eingeführt. Seine ökologischen Forschungen führten ihn besonders in die geliebte Alpenregion, aber auch jährlich in den Mittelmeerraum und mit DFG Förderung an den Mount Kenya, wo er mit Kollegen eine Vegetationskarte erstellte.
Die von ihm betreuten Diplomarbeiten und Promotionen behandelten oft die schutzbedürftige Vegetation in der näheren und weiteren Umgebung von München. Dieses Engagement für seine Heimat leitete ihn auch im örtlichen Umfeld. Er beteiligte sich an der Umweltbroschüre für Eichenau und wurde mit Gemeinderat Martin Prem Sprecher im neu geschaffenen Umweltbeirat der Gemeinde Eichenau, der von Bürgermeister Niedermeir sehr gefördert wurde. Mit seinen großen örtlichen Kenntnissen begeisterte er viele Eichenauerinnen und Eichenauer, sich für den Schutz ihrer Umwelt einzusetzen. Ich entsinne mich noch gut an die Begeisterung Anfang der 80er Jahre, die er bei den jungen Mitgliedern im Bund Naturschutz weckte, als er die Sibirische Schwertlilie in Eichenau zeigen konnte. Er regte uns an, Schutzzäune zu ziehen und entwickelte Programme zur Vermeidung der für viele Pflanzen tödlichen Überdüngung.
Seit seiner Emeritierung pflegte Helmut Rehder seinen Beruf mit Begeisterung als Hobby und führte Exkursionen und hielt Vorträge. Seit 1995 bereiste er die Gebirge der südlichen Halbkugel ( Neuseeland, Chile, Südafrika), in die er mit seinen Studenten nicht gekommen war.
Neben seiner Botanik und den philosophischen Arbeiten (vergl Seldrake) erfreut sich der Jubilar am aktiven Klavierspielen und Musizieren im Familienkreis. Bei den Konzerten in Eichenau sind Herr und Frau Rehder immer im Auditorium zu finden. Beide sind ausgeprägte Charaktere, deren zugewandte, liebenswürdige, zurückhaltende und bescheidene Art sie zu bekannten und beliebten Persönlichkeiten in Eichenau machen.
In der Serie „Wissenschaftler im Landkreis“ wurde Helmut Rehder in der SZ vom 3.7.1997 schon anlässlich seines bevorstehenden 70. Geburtstages vorgestellt. Seine Auseinandersetzung mit dem Vitalismus sollte in ihrer Argumentationsstruktur noch einmal gesondert vorgestellt werden.
Viele Eichenauer Mitbürger danken Helmut Rehder und seiner lieben Frau für ihr aktives Wirken in der Gemeinde und wünschen von Herzen gute Gesundheit und starke Schaffenskraft.

Michael Gumtau, Referent für Ortsgeschichte
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Marie-Thérèse Ritz-Burgstaller aus Eichenau | 19.10.2007 | 13:11  
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