Sinti und Roma in Vergangenheit und Gegenwart

3. Dezember 2025
19:00 - 20:30 Uhr
Katholische Kirche Maria Königin des Friedens, Johannesstrasse 4, 86368 Gersthof...
4Bilder

Ausstellungseröffnung am Mittwoch,den 3. Dezember 2025 in der Kath. Kirche Maria Königin des Friedens um 19.00 Uhr. Ausstellung vom 3.12. 2025 bis 22. Januar 2026, täglich von 12-19 Uhr geöffnet. Für Schulklassen auf Voranmeldung auch am Vormittag Führungen möglich.
Festvortrag von Marcella Herzenberger, Vorsitzende des Regionalverbandes Deutscher Sinti und Roma Schwaben e.V., bei Interesse Führung durch die Ausstellung.

Sinti und Roma in Schwaben in Vergangenheit und Gegenwart
Sinti und Roma sind seit Jahrhunderten in Deutschland beheimatet und seit 1995 als nationale Minderheit anerkannt. Die Ursprünge der Gesamtethnie werden in Indien und Pakistan vermutet, begründet durch die sprachliche Verwandtschaft des Romanes mit dem altindischen Sanskrit. Ihre Geschichte in Europa ist jedoch seit Beginn von Vorurteilen, Fremdbezeichnungen und diskriminierenden staatlichen Strukturen geprägt.
Rolle von Vorurteilen und Fremdbezeichnungen
Die gebräuchliche Selbstbezeichnung der Minderheit ist Sinti und Roma. Demgegenüber steht die rassistische Fremdbezeichnung „Zigeuner“, die seit dem Mittelalter nachgewiesen ist. Dieser Begriff wurde von außen übertragen und spätestens seit der NS-Zeit untrennbar mit dem Genozid verbunden; er wird von der Minderheit abgelehnt.
Frühe Vorurteile, wie Diebstahl und Wahrsagerei, entstanden ab 1453 im Zuge der „Türkenkriege“, untermauert durch die Unterstellung, die Minderheit sei religionslos oder Spione türkischer Heere. Diese über Jahrhunderte tradierten Vorurteile führten dazu, dass die vermeintliche Fremdartigkeit im 18. Jahrhundert ein Feindbild konstruierte. Die Minderheit wurde in behördlichen Verordnungen als „hochschädlich“ und „gottloses und verruchtes Jauner- und Zigeunervolck“ bezeichnet, mit der Forderung, die Lande von ihnen zu „säubern“ und sie „auszurotten“. Auch in der Epoche der Romantik im 19. Jahrhundert wurde durch die Schaffung des stereotypen „Zigeunerbildes“ eine exotisierende und gleichzeitig kriminalisierende Sichtweise gefördert.
Rolle staatlicher Strukturen und Gesetze
Staatliche Strukturen spielten die zentrale Rolle bei der Institutionalisierung der Diskriminierung. Bereits 1498 auf dem Reichstag zu Freiburg wurde die Verfolgung und Einschränkung der Lebensweise aller entsprechend titulierten Personen nahegelegt. In der Frühen Neuzeit führten sich verstärkende Vorurteile zur Annullierung der Schutzbriefe und dazu, dass Sinti und Roma für Jahrhunderte als „vogelfrei“ galten. Dies zwang sie zur dauerhaften Migration und schloss sie von der gesellschaftlichen Ordnung aus.
Im 18. Jahrhundert wurden Verfolgungen durch Gesetzestexte legitimiert, die hohe Strafen bis hin zur Hinrichtung vorsahen. Spezielle Maßnahmen wie das erste Zuchthaus in Buchloe (1722–1725) und „Zigeunerwarntafeln“ dienten der Stigmatisierung und Ausgrenzung.
Diese systematische polizeiliche Erfassung verschärfte sich um 1900 mit der Gründung der „Zigeunerzentrale“ in München (1899) und der Veröffentlichung des antiziganistischen „Zigeuner-Buchs“ (1905), die auf eine systematische Erfassung aller markierten Personen abzielten. Die Weimarer Republik legalisierte diese Verfolgung durch Gesetze wie das bayerische Gesetz zur „Bekämpfung von Zigeunern, Landfahrern und Arbeitsscheuen“ von 1926.
Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus 
Der Nationalsozialismus profitierte direkt von dieser umfassenden polizeilichen Dokumentation der vorangegangenen Jahrzehnte. Die „Rassenhygienische Forschungsstelle“ (RHF) lieferte ab 1936 die pseudowissenschaftliche, rassistische Begründung für die Verfolgung. Mit dem „Auschwitz-Erlass“ von 1942 befahl Heinrich Himmler die Deportation aller Sinti und Roma, wodurch die Mehrheit der deutschen Sinti und Roma bis 1944 getötet wurde. Nach Schätzungen wurden bis zu 500.000 Sinti und Roma ermordet. 
Zeit nach 1945
Auch nach 1945 hielt die Diskriminierung durch staatliche Stellen an. Der Bundesgerichtshof (BGH) lehnte 1956 in einem empörenden Urteil Entschädigungen ab, da die Verfolgung bis 1943 angeblich nicht rassistisch, sondern aufgrund „asozialer“ Verhaltensweisen erfolgt sei. In Bayern setzte die „Landfahrerverordnung“ (1953) über die „Landfahrerzentrale“ die umfassende polizeiliche Erfassung der Vorjahre fort.
Erst die Bürgerrechtsbewegung der Minderheit (ab den 1970er Jahren, prominent: Hungerstreik in Dachau 1980) führte zur offiziellen Anerkennung des Genozids durch die Bundesregierung im Jahr 1982 und zur Gründung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Trotz Fortschritten sind Sinti und Roma heute immer noch Antiziganismus ausgesetzt.

Zur Ausstellung: 
Die Ausstellung „Schwäbische Sinti und Roma-Vergangenheit und Gegenwart“ wurde in Kooperation zwischen dem Regionalverband Deutscher Sinti und Roma Schwaben e.V., dem Bezirk Schwaben und der Bezirksheimatpflege erarbeitet.
Sie lädt Besucherinnen und Besucher ein, sich mit der Geschichte, Kultur und heutigen Lebenswirklichkeit der schwäbischen Sinti und Roma auseinanderzusetzen und so ein besseres Verständnis füreinander zu fördern.
Gersthofen ist bunt, der Regionalverband der Deutschen Sinti und Roma Schwaben e.V., die Bezirksheimatpflege sowie die Kooperationspartner Gegen Vergessen-Für Demokratie RAG Augsburg-Schwaben und die Stolpersteininitiative Gersthofen laden Sie sehr herzlich zur Eröffnung der Ausstellung am Mittwoch, den 3. Dezember um 19 Uhr in die Kirche Maria Königin des Friedens, Johannesstraße 4 sehr herzlich ein.

Ablauf der Veranstaltung am 3.12.2025 um 19 Uhr in der Kath. Kirche Maria Königin des Friedens, Johannesstr. 4:

Klarinettentrio des Jugendorchester Gersthofen

Grußwort Bürgermeister Michael Wörle, Stadt Gersthofen
Grußwort des Bezirkstagspräsidenten Martin Sailer
Sigrid Puschner, Gersthofen ist bunt: Relevanz der Ausstellung

Klarinettentrio des Jugendorchesters Gersthofen

Dr. Bernhard Lehmann, Gegen Vergessen-Für Demokratie: Ausgrenzung der Sinti und Roma-die historische Perspektive
Marcella Herzenberger: Verfolgt-Vergast-Verdrängt. Sinti und Roma in Schwaben

Klarinettentrio des Jugendorchesters Gersthofen

Die Veranstaltung wird musikalisch umrahmt vom Klarinettentrio des Jugendorchesters Gersthofen mit Maxima Mayer, Korbinian Hochmuth und Helena Stromer

Gersthofen ist bunt als Veranstalter freut sich über ihren Besuch. Mitveranstalter ist der Regionalverband Deutscher Sinti und Roma Schwaben, die Katholische Kirche Maria Königin des Friedens, Gegen Vergessen-Für Demokratie, RAG Augsburg-Schwaben sowie die Stolpersteininitiative Gersthofen.

Bürgerreporter:in:

Dr. Bernhard Lehmann aus Gersthofen

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.