Ist sie wirklich so schlecht?
Die Arbeitsmoral der Deutschen
Wenn unser Bundeskanzler über Work-Life-Balance spricht, klingt es wie ein Schimpfwort. Und: "Hätten wir damals Eure Einstellung zur Arbeit gehabt, läge Deutschland immer noch in Trümmern", tönen manche in den sozialen Netzwerken. Ich denke aber, die Menschen haben sich nicht geändert, nur die Umstände. Man hat schon immer vorwiegend für den eigenen Wohlstand gearbeitet. Damals, nach dem Krieg, hatten die Menschen buchstäblich nichts. Sie arbeiteten hart, um sich wieder etwas aufzubauen. Erstmal richtig sattessen; nach der Freßwelle kam die Wohnwelle, dann wurde auf ein Auto gespart, dann wurde gereist. Heute dagegen haben wir alles, und der Trend geht in die umgekehrte Richtung. Man fragt sich: "Brauche ich das wirklich oder ist das nur Frust-Kompensation?" Zudem hat man das Gefühl, dass egal, wieviel man arbeitet, kaum etwas hängenbleibt, was dazu führt, dass sich in den Köpfen verankert hat, dass niemand allein durch Arbeit reicht wird. Reich wird man durch Investitionen oder durch bahnbrechende Erfindungen. Oder durch Erbschafen.
Zum Schluß möchte ich noch auf einige Klischees, die oft kontrovers diskutiert werden, eingehen.
1.) Westdeutschland hat seinen Wohlstand den Amerikanern zu verdanken.
Stimmt zum Teil, wobei die USA jedoch weniger aus Nächstenliebe als aus Eigeninteresse handelten. Ein starkes Westdeutschland nützte ihnen im kalten Krieg mehr als ein schwaches.
2.) Die Gastarbeiter haben Deutschland mit aufgebaut.
Kaum darauf an, wie man Aufbau definiert. Versteht man darunter, Trümmerwüsten in bewohnbare Städte zu verwandeln, waren sie natürlich nicht beteiligt, denn sie kamen erst später. Sie wurden geholt, als Deutschland zu wenig Arbeitskräfte hatte. Insofern ist die Aussage, sie hätten zu Deutschlands Wohlstand beigetragen, korrekt.
3.) Boomer = fleißig; Gen-Z = faul?
Stimmt so pauschal nicht. Generationenkonflikte gab es außerdem schon immer, wovon auch eine Bezeichnung für meine Generation zeugt. Diese wurde nämlich außer Gen-X, Generation Golf und Turnschuh-Generation auch als Null-Bock-Generation bezeichnet.
Bürgerreporter:in:Astrid Günther aus Duisburg |
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