Neue Gesamtschule
Wie kommen Schülerinnen und Schüler dorthin?
Der Standort der neuen Gesamtschule Duisburg-Mitte/Süd in Wanheimerort ist auf Grund deren vorgesehenen Einzugsbereichs unter verkehrlichen Gesichtspunkten hochgradig problematisch:
Öffentlicher Personenverkehr
Zu den Hauptverkehrszeiten ist die U79, die dort verkehrende Stadtbahnlinie, bereits jetzt gut ausge- bis stark überlastet - zumal die von der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) gestellten Züge derzeit wieder gelegentlich als Einzelwagen an Stelle der üblichen Zweiertraktion fahren. Sie wird den Großteil der aus Kaßlerfeld, Neuenkamp, Duissern, der Innenstadt und dem Süden kommenden Schüler/innen, soweit sie den öffentlichen Nahverkehr nutzen, aufnehmen. Umsteigemöglichkeiten bestehen vor allem am Hauptbahnhof, am König-Heinrich-Platz, am Sittardsberg sowie an der Münchener Straße, beide im Stadtteil Buchholz gelegen. Ein kleiner Teil, vor allem aus Wedau, wird mit der Buslinie 934 (15-Minuten-Takt, allerdings im Wechsel vom Wolfssee und aus Großenbaum; sie erschließt, in Kaßlerfeld startend, auch die Innenstadt und Teile Neudorfs), Umstieg an der Sportschule Wedau (an der Grenze zwischen Neudorf und Wanheimerort gelegen) in die Linien 937 und 947 (jeweils Stundentakt, um 30 Minuten gegeneinander versetzt), kommen. Diese Busse verkehren zwischen Kaßlerfeld und Rheinhausen und queren dabei Neudorf, Wanheimerort und Hochfeld. Sie halten an der Wanheimerorter S-Bahn-Station DU-Schlenk (die S1 fährt im 20-Minuten-Takt über Rahm, Großenbaum und Buchholz) sowie am DVG-Betriebshof Grunewald, dem gegenüber die Schule liegt.
Obgleich die Flächenerschließung auf den ersten Blick nicht schlecht aussieht, werden die Fahrzeiten meist recht lang sein, bedingt auch durch zu erwartende Zeitverluste beim Umsteigen. In welchem Ausmaß die Busse Kapazitätsprobleme haben werden, bleibt abzuwarten.
Die über den Grunewald führende Verbindung von Hochfeld und Wanheimerort nach Neudorf, früher mittels Straßenbahn und Busses, später nur noch durch den Bus realisiert, wurde vor etlichen Jahren aufgegeben. Daher werden von dort lange Umwegfahrten erforderlich sein - es sei denn, es gäbe eine eigene Schulbuslinie.
Die Haltestelle am Betriebshof, ob Stadtbahn oder Bus, erscheint nicht geeignet, die zu erwartende Anzahl an Schülerinnen und Schülern verkehrssicher bewältigen zu können. Sollte zudem vorgesehen sein, auch hier einen barrierefreien Hochbahnsteig zu errichten, wird der Stadtbahnhaltepunkt über viele Monate ausfallen.
Rad- und Fußverkehr
Die Radwege, auf der Düsseldorfer Straße und einigen Seitenstraßen benutzungspflichtig, auf Teilstrecken als gemeinsame Geh- und Radwege beschildert, in anderen Seitenstraßen, falls vorhanden, nicht benutzungspflichtig, befinden sich ausnahmslos in schlechtem Zustand: teils bezüglich der Oberflächenqualität, durchgehend hinsichtlich ihrer Dimensionierung. Keiner, ob Altbestand oder erst in jüngerer Zeit „saniert“, entspricht auch nur ansatzweise den Anforderungen der aktuellen Regelwerke bzw. berücksichtigt die Erkenntnisse der Verkehrssicherheitsforschung. Sämtlich weisen sie eine große Zahl gefährlicher Konfliktpunkte auf: Aufkommen an Fußgänger/inne/n, zu schmale Gehsteige, problematische Führung an Bushaltestellen, unfallträchtige Kreuzungen, Einmündungen und Grundstückszufahrten, keine (hinreichenden) seitlichen Sicherheitsräume zu ruhendem und fließendem Kfz-Verkehr - alles mißachtete Ausschlußkriterien bezüglich der Benutzungspflicht. Hinzu kommen großzügige Duldung rücksichtslosen Falschparkens sowie vereinzelt (auch dauerhafte) Hindernisse im (!) Wegequerschnitt.
Auf dem Sternbuschweg endet der nach Süden führende, nicht benutzungspflichtige Radweg gegenüber der Einmündung des Kalkwegs. Die Überleitung auf die Fahrbahn erfolgt völlig ungesichert wie auch die des benutzungspflichtigen in Fahrtrichtung Nord unmittelbar am Beginn des Sternbuschwegs. Die Führung am Grunewald nordwärts entlang der Düsseldorfer Straße gestaltet sich wegen der gegeneinander versetzten Grünphasen (drei getrennte Fahrbahnquerungen) äußerst zeitaufwendig. Der Möglichkeit, diese Stelle zu umfahren, steht seit Jahrzehnten das unzumutbar grobe und an etlichen Stellen gefährdend schadhafte Kopfsteinpflaster der Paul-Esch-Straße entgegen.
Es ist nur allzu offensichtlich: Wer den Standort dieser Schule ausgewählt hat, besitzt hinsichtlich der verkehrlichen Erschließung keinerlei Sachverstand.
Chance verpaßt
Der Schaffung und fahrradgerechten Herrichtung eines stadtweiten, großteils über (meist bereits vorhandene) wenig befahrene Straßen und fahrbahnunabhängig verlaufende Nebenwege geführten Hauptroutennetzes für den Radverkehr, welches auch die hier angesprochene Erschließung zwar nicht ausreichend, aber doch deutlich entschärft hätte, war bereits in den 90er Jahren von Stadtverwaltung und Kommunalpolitik abgelehnt worden. Diese Einstellung wurde in der Folge bis in jüngste Zeit wiederholt bestätigt, indem einzelne zu diesem Konzept passende Maßnahmen und selbst Diskussionen über sie immer wieder verworfen oder auf den St.-Nimmerleins-Tag verschoben worden sind.
Die seit 2009 bestehende Mitgliedschaft der Stadt Duisburg in der „Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e.V.“ (AGFS-NRW) läßt bislang kein Umdenken verspüren und soll offensichtlich nur irreführender Imagewerbung dienen.
Bürgerreporter:in:Wolfgang Bönig |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.