Buchbesprechung
Mord im Orient-Express

Agatha Christie. Mord im Orient – Express Ein Fall für Poirot; Hoffmann und Campe Verlag Hamburg 2024; 253 Seiten; ISBN: 978-3-455-01920-9

Der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot hat in Syrien erfolgreich einen Fall gelöst und befindet sich auf dem Rückweg nach London. In Jugoslawien fährt sich der Orient-Express allerdings in einer Schneewehe fest.

Doch damit der Unbill nicht genug: Am Morgen wird ein Fahrgast tot aufgefunden – er wurde offensichtlich ermordet, erstochen, um genau zu sein. Von der Außenwelt abgeschnitten, übernimmt Poirot die Ermittlungen.

Das englischsprachige Original wurde 1934 in Großbritannien, die deutschsprachige Übersetzung dann schon im selben Jahr veröffentlicht. Geschrieben haben soll Christie den Roman in einem Hotel in Istanbul.

Christie greift in dieser Geschichte einen realen Kriminalfall auf, nämlich die Entführung und die Ermordung des Kindes von Charles Lindbergh, dem amerikanischen Flugpioniers, im Jahre 1932. Der wirkliche Kriminalfall ist 1934 zwar noch nicht aufgeklärt (erst Monate später wurde ein Tatverdächtiger aufgespürt, zum Tode verurteilt und schließlich hingerichtet); die britische Erfolgsautorin verbindet hier aber gekonnt Fiktion und Wirklichkeit.

Der Sekundärliteratur zufolge sind einige Figuren der Handlung deutlich an Personen aus dem wirklichen Fall angeleht.

Auf den ersten Blick wirkt die Handlung konstruiert. Eine Handvoll Tatverdächtiger ist in einem überschaubaren Ort eingeschlossen. Der Mörder kann offensichtlich nicht von Außen kommen – einer der Personen muß also der Täter sein. Wer das Buch zum ersten Mal liest, wird dann überrascht sein, wie die Lösung aussieht.

Mord im Orient-Express ist einer der Romane von Christie, in denen die Täter nicht vor Gericht gestellt werden, und der einzige, in dem die Täter bewusst als freie Menschen davonkommen. 

Die Handlung ist bewußt im Winter angesiedelt – es wäre wohl auch ansonsten schwierig, eine Situation zu konstruieren, in der eine solche Mordtat möglich ist.

Dieser Roman gilt als einer der beliebtesten und bekanntesten Werk von Agatha Christie. Das mag an den Verfilmungen liegen. Vielleicht liegt es aber auch an der Schreibweise und der Lösung, die dem Leser irgendwie ans Herz geht – auch wenn Lynchjustiz eine zweifelhafte Herangehensweise geht, kann man sie in diesem Fall doch irgendwie verstehen (und insgeheim vielleicht auch gutheißen).

Ein subjektive, persönliche Bemerkung sei an dieser Stelle erlaubt. Es gibt eine Verfilmung des Romans aus dem Jahre 1974. Für den Autoren dieser Zeilen ist dies eine der besten Verfilmungen des vorliegenden und hier besprochenen Stoffes.

Bürgerreporter:in:

Andreas Rüdig aus Duisburg

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