Unfall auf der Brücke der Solidarität
Was muss sich verbessern?
Am Dienstagmorgen, 29. September 2026, wollte ein erwachsener Fahrradfahrer auf der Brücke der Solidarität von Duisburg-Hochfeld nach Duisburg-Rheinhausen einen jugendlichen Fahrradfahrer überholen und brachte ihn dabei zu Fall. Der Junge stürzte auf die Fahrbahn. Eine Autofahrerin konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr ihn an.
Was lernen wir daraus? Zwei Dinge: Erstens: Nehmt mehr Rücksicht aufeinander. Wenn sicheres Überholen nicht möglich ist, dann lasst es. Das gilt für alle, ob mit dem Fahrrad, mit dem Auto, mit dem Motorrad, dem E-Scooter oder mit was auch immer. Die wenigen Minuten Zeitersparnis sind es nicht wert, sich und andere zu gefährden. Zweitens: Wir brauchen eine Infrastruktur, bei der solche Unfälle so gut wie ausgeschlossen sind. Es sind ja nicht immer nur die rücksichtslosen anderen Verkehrsteilnehmer, weswegen man stürzt, sondern auch Unebenheiten der Fahrbahn, Glätte, herumliegenden Gegenstände. Idealerweise ist zwischen Radweg und Fahrbahn noch ein Grünstreifen. Dann stürzt der Radfahrer nämlich dorthin und nicht auf die Fahrbahn. Da es aber selten genug Platz dafür gibt, befürworte ich die Empfehlung der Radverkehrsprofessorin Heather Kaths, die auf der Duisburger Mobilitätskonferenz vorschlug, Nebenstraßen für den Radverkehr zu nutzen statt der Hauptverkehrsachsen. Dies hätte mehrere Vorteile: Man muß nichts neu bauen, und dem Autoverkehr Platz wegzunehmen ist auch nicht nötig - die Geschwindigkeit in diesen Nebenstraßen auf 30 km/h zu beschränken reicht völlig. ( Eine generelle Beschränkung auf 30 km/h innerorts lehne ich jedoch ab. Auf den Hauptstraßen soll man ruhig weiter 50 km/h fahren können. Ein Unterschied zwischen Haupt- und Nebenstraßen, was die Geschwindigkeit angeht, hätte auch einen gewissen Lenkungseffekt: Die Tendenz, durch die Nebenstraßen abzukürzen, ist weniger stark ausgeprägt als wenn überall die gleiche Geschwindigkeit gelten würde. ) Bei 30 km/h gelingt es eher, rechtzeitig zu bremsen und wenn man doch nicht mehr bremsen kann, ist der Aufprall weniger stark und die Wahrscheinlichkeit, dass der Angefahrene wieder vollständig genesen wird, um einiges höher. Diese Routen durch die Nebenstraßen sollten einfach besser ausgeschildert werden. Dann noch sichere Querungsmöglichkeiten und die Sache ist geritzt.
Eine sichere Infrastruktur hilft nämlich allen. Es ist ja nicht so, als wenn es Autofahrer kalt läßt, wenn sie Radfahrer oder Fußgänger anfahren. Zwar tragen sie keine nach außen sichtbaren physischen Schäden davon, aber die psychischen Folgen sind auch nicht zu unterschätzen.
Und noch ein Wort an diejenigen unter den Radfahrern, die sich in diesem Fall, also wenn der Radverkehr durch die Nebenstraßen geleitet wird, beschweren, dass man auf diese Weise nicht auf direktem Weg zum Ziel gelangt: Niemand verbietet Euch, auf der Fahrbahn zu fahren oder die bisherigen Radwege und Schutzstreifen entlang der Hauptverkehrsachsen zu nutzen. Aber verlangt es nicht von anderen. Es muss auch Alternativen geben für diejenigen, die nicht ganz so risikobereit sind und denen Sicherheit wichtiger ist als Schnelligkeit.
Bürgerreporter:in:Astrid Günther aus Duisburg |
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