Düsseldorf entdecken (3)
Die Königsallee - mehr als eine Luxusmeile
- Friedrich Coubillier: Tritonengruppe (1902). Der Meeresgott kämpft mit einem riesigen Fisch. Das von Anfang an beliebte Postkartenmotiv ist heute Hotspot für Selfies.
- Foto: copyright Margot Klütsch
- hochgeladen von Margot Klütsch
Sie ist knapp 1000 Meter lang, gehört zu den bekanntesten Einkaufsstraßen in Deutschland und bedient alle Klischees als Prachtstraße und Flaniermeile für die Reichen und (mehr oder weniger) Schönen. Hier kann man natürlich Schaufenster gucken oder problemlos viel Geld ausgeben, wenn man es denn hat...
Die andere Königsallee
Es gibt aber auch die "andere" Königsallee: Chillen statt Shoppen. Mitten durch den Boulevard zieht sich schnurgerade der von der Düssel gespeiste Kö-Graben. Brücken und Bäume spiegeln sich pittoresk im Wasser.
Von Pferdeäpfeln und "Klein-Paris"
Die heutige Touristenattraktion entstand ab 1804. Nach dem Frieden von Lunéville zog sich Napoleon aus den rechtsrheinischen Gebieten zurück und ließ zur Sicherheit die Festigungsanlagen schleifen. Die bedeutungslos gewordene ehemalige Residenzstadt erwachte allmählich zu neuem Leben. Der Stadtgraben mit der Kastanienallee an der Ostseite sowie weitere Grünanlagen wurden angelegt. Dass Napoleon bei seinem Besuch in Düsseldorf 1811 dann von "Klein-Paris" gesprochen haben soll, ist nicht belegt, wird aber natürlich gerne zitiert. Die Königsallee wurde übrigens erst 1851 zur "Königsallee", um den preußischen König Wilhelm IV. gnädig zu stimmen, der im Revolutionsjahr 1848 in Düsseldorf mit Pferdeäpfeln beworfen worden war.
Die "Kö" wird schöner
Ende des 19. Jahrhunderts war Düsseldorf längst Großstadt, das Kunstleben florierte dank der Kunstakademie. Bürger, Vereine und Künstler sorgten dafür, dass die Königsallee durch Skulpturen und Schmuckvasen noch attraktiver wurde. Ein Gesamtkunstwerk ist die Girardet-Brücke von 1907 mit ihren Kandelabern und dem Jugendstil-Geländer.
Mit dem Wirtschaftswunder
entwickelte sich die Königsallee immer mehr zur exquisiten Shoppingmeile. In den 1980er Jahren wurden Leuchter, Poller und Büdchen nach einem einheitlichen Konzept gestaltet. Und selbst in den Konsumtempeln wie der Kö-Galerie von 1986 kommt die Kunst nicht zu kurz, wie Arbeiten der ZERO-Größen Heinz Mack und Otto Piene zeigen.
Ich wünsche viel Spaß beim Flanieren über die "andere" Königsallee!
Quellen
Rolf Purpar: Kunststadt Düsseldorf, Düsseldorf 2009.
Wolfgang Funken: Ars Publica Düsseldorf, Bd. 1, Essen 2012.
Bürgerreporter:in:Margot Klütsch aus Düsseldorf |
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