Schlesien in Dormagen
- hochgeladen von Andreas Rüdig
Der Rhein-Kreis Neuss feiert in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag. Er ist demnach ein Kind der großen kommunalen Gebietsreform aus dem Jahre 1975.
Der Rhein-Kreis Neuss unterhält bereits seit rund 25 Jahren eine Partnerschaft mit dem Kreis Mikolow in Polen. Neben gegenseitigen Besuchen, findet auch ein reger kultureller Austausch der beiden Kreise statt. Die Ausstellung Zwischen Industrie und Natur würdigt im Rahmen der Geburtstagsfeierlichkeiten des Rhein-Kreis Neuss die besondere Bedeutung dieser innereuropäischen Zusammenarbeit - wann kann eine Städtepartnerschaft schon "Silberne Hochzeit" feiern?
Bergbauhütten, Industriezentren, grüne Hügel und historische Ortschaften: Schlesien ist eine spannende Region voller Gegensätze, die über die Jahrhunderte zahlreiche Kunstschaffende inspiriert hat. Zu den bekanntesten Vertretern zählen von Eichendorff und Heine, aber auch zahlreiche Malerinnen und Maler sind in Schlesien tätig gewesen und haben die Region porträtiert.
Ein künstlerisches Zentrum für die Malerei war über 30 Jahre der kleine Ort Mikolow im Herzen der heutigen Provinz Schlesien. Von 1991 bis 2022 fand dort alljährlich die sogenannte „Impression“ statt, „Impresje Mikolowskie“, eine der renommiertesten Kulturveranstaltungen Polens. Gedacht als „Pleinair“ (Freiluftmalerei), kamen in den Sommermonaten Künstlerinnen und Künstler in Mikolow zusammen, um dort gemeinsam zu arbeiten. Inspiriert von Orten, Landschaften, Industrie und Geschichte entstanden zahlreiche eindrucksvolle Werke.
Obwohl die Kunstschaffenden ihre Motive frei wählen konnten und eine beeindruckende Formenvielfalt entstanden ist, ist vielen Arbeiten eine Beschäftigung mit der Region Schlesien, seinen Bewohnerinnen und Bewohnern und (Kultur-)Landschaften gemein.
Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von rund 90 Werken und entführt die Besuchenden auf eine Reise durch die Region rund um Mikolow: zwischen Industrie und Natur.
Die Ausstellung ist im 1. Obergeschoß des Museums untergebracht - also nicht barrierefrei zugänglich. Aber egal. Es gibt eine gute Mischung aus Malerei, Zeichnung und Fotografie zu sehen. Franciszek Masluszczak ist hier vertreten, genauso wie Renata BBonczar, Kielczykowski Zdzislae, Magdalena Hanysz-Stefanska - diese Namen sind nicht nur schwer zu schreiben; sie dürften auch kunstbeflissenen Mitmenschen vor Ort völlig unbekannt sein.
Was auf den ersten Blick verwundert, ist, daß es nur Bilder gibt, die an die Wand gehängt sind. Bildhauerei beispielsweise, die mitten in die großen Räumlichkeiten kuratorisch integriert werden können, fehlen völlig. Kann man es so sagen, daß die relativ großen Ausstellungsräume so etwas "leer" wirken?
Dormagen liegt im Speckgürtel der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Wer dort in der Kulturszene unterwegs ist, wird hier natürlich die "großen" Namen vermissen. Macht aber nix. Läßt man sich als Besucher und Betrachter auf das Thema ein, lernt man eine Ausstellung kennen, die gefällt.
Bürgerreporter:in:Andreas Rüdig aus Duisburg |
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