Männerrunde!

    Guten Tag liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte Sie herzlich im Tagebuch begrüßen.
Ich habe mich die letzten Wochen einmal ein wenig mit der Vergangenheit beschäftigt und festgestellt, dass es scheinbar mehr männliche Tagebuchschreiber gab als weibliche - zumindest bei den Hunden. Bei den Katzen dagegen haben fast immer die Katzen-Damen das Sagen. 
Ich weiß nicht genau, woran das liegen mag.
Sind unsere Hunde-Damen denn bisher immer sehr zurückhaltend gewesen oder waren wir Herren im Hundehaus nur einfach immer lauter und forscher und haben uns vorgedrängelt? Und warum können sich die Kater dann ganz offensichtlich schlechter gegen ihre Mitbewohnerinnen durchsetzen? 
Das sind Fragen, auf die ich aktuell keine Antwort habe, aber es erscheint mir ein interessantes Thema zu werden, dass ich gerne einmal mit dem ein oder anderen Kater im Katzenhaus bereden würde. Vielleicht kann ich Overbeck für einen kleinen Einblick ins Mietzhaus gewinnen- so als einer der wenigen Vertreter der Kater dort. Er ist ja nun auch schon eine Weile bei uns und hat auch eine spannende Reise bis zu uns hinter sich. Ich weiß zwar, dass seine Schwester Sophie sicherlich auch sehr gerne die Geschichte erzählen würde, aber vielleicht sollte sie ihm einmal ausnahmsweise den Vortritt lassen. Ich werde bei meiner nächsten Runde im Auslauf einen kleinen Plausch mit ihm halten und nachfragen, was er von der Idee hält.
Und wenn ich schon im Katzenhaus bin, dann kann ich Ihnen auch von einigen Auszügen berichten. Ich hatte erzählt, dass sich Alfred bereit erklärt hatte, den nächsten Eintrag zu machen. Was soll ich sagen, aus diesem Grund hat sich das Ganze dann auch wieder verschoben, weil der liebe Alfred ausgezogen ist. Das freut mich sehr für ihn und ich habe gehört, dass er sich in seinem neuen Leben richtig wohl fühlt. Es hat mich aber auch mal wieder den Co-Autor gekostet.
Dann hatte ich mir überlegt, dass vielleicht Max und Moritz sehr viel zu erzählen hätten, aber die beiden haben sich ganz leise in die Herzen von Menschen geschlichen und sind einfach so zu diesen gezogen. Damit hatte ich in der Tat nicht gerechnet, aber auch hier habe ich gehört, dass Max und Moritz langsam aber sicher bei ihren Menschen verstehen, dass das Leben wundervoll sein kann. Und auch meine nächsten Anlaufstellen mit Wilsberg und Ekki haben sich kurzerhand ein neues Zuhause gesucht. 
Sie sehen, es ist nicht ganz einfach im Katzenhaus einen Co-Autor zu finden. 

Und auch von unseren Pflegestellen gibt es gute Nachrichten. Der süße Fratz Ric ist in ein neues Leben aufgebrochen und kann nun dort mit alle seiner Energie und Freude der Sonnenschein seiner Familie sein.
Apropos Pflegestelle: ich sehe ja immer wieder die gleichen Namen, wenn ich Ihnen die Katzen und Kater vorstelle, die auch einer Pflegestelle leben - Bert und Berthold, Jimmy und Chayenne, Vince und Vito. Ich kenne die Jungs und Chayenne noch alle und ich weiß, dass sie bis auf Berthold alle ziemlich scheu und zurückhaltend gegenüber Menschen sind. Ich muss bei unseren Menschen nachfragen, wie sie sich denn alle so machen auf ihren Pflegestellen. Auch Nelly ist noch auf ihrer Pflegestelle, was mich in der Tat verwundert, da sie rein optisch gesehen doch viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollte und auch ihre Art ist beeindruckend. Nelly ist die perfekte Mischung zwischen "ich weiß genau was ich will" und "ich würde gerne kuscheln und freue mich, dass Du genau jetzt Zeit haben willst". Das klingt jetzt fast so, als ob sie immer das Sagen haben will ... wahrscheinlich, wenn Nelly noch bei uns wohnen würde, wäre sie die perfekte Kandidatin fürs Tagebuch: selbstbewusst, stark und dennoch extrem liebenswert.
Ach, ich hoffe, dass ich bald höre, dass auch von unseren Pflegestellen aus weitere Auszüge zu vermelden sind. 

Und es gab auch einen Auszug aus dem Hundehaus! Unsere Luana hat eine Hundefreundin gefunden und die Menschen dazu auch gleich mit adoptiert. Erstaunlich, wie schnell es manchmal gehen kann, wenn dann die passenden Menschen kommen und sich keiner für ein Zusammenleben verbiegen muss.
Mir fallen so viele ehemalige Bewohner ein, die unsere Menschen teilweise um den Schlaf gebracht haben, weil sie nicht wussten, woran eine Vermittlung scheitert. Wenn ich so darüber nachdenke, dann hat auch fast jeder dieser Bewohner das Tagebuch geschrieben. Sollte mir das zu denken geben? Wollen mich unsere Menschen los werden? Ich weiß schon, keine Angst, unsere Menschen meinen es mehr als nur gut mit mir und allen Bewohnern. Ich sehe in ihren Augen, dass sie sich manchmal fragen, ob es mir gut geht und ob sie nicht doch noch mehr für mich tun können. Mal ehrlich, ich bin nicht einfach zu vermitteln. Ich bin groß, ich bin keine einfache Rasse und ich bin kein Junghund mehr, ich habe schon sehr viele Vermittlungsversuche hinter mir, es fällt mir nicht leicht in einem Haus zu leben, es fällt mir nicht leicht mit mehreren Menschen zu leben, ich kann in vielen Dingen nicht über meinen Schatten springen und ich brauche einen sehr geregelten Tagesablauf, um zu wissen, was passiert. Das Leben hier in meinem Tierheim mag vielen Menschen als tragisch und furchtbar erscheinen, für mich ist es aber ein gutes Leben so wie sich unsere Menschen um mich bemühen. Wahrscheinlich würde ich mich mit dem richtigen Menschen, im richtigen Umfeld, also genau für mich passend, noch viel besser fühlen, aber das Leben im jetzt und hier ist wirklich nicht das Schlechteste für mich. Ich weiß, ich sage das immer wieder und viele Menschen zweifeln daran, aber ein dauerhafter Umzug für mich, müsste so perfekt passen, dass es ohne Frage mehr als nur schwierig ist. 
Gleiches gilt wohl auch für meinen Kumpel - naja, Kumpel sind wir eigentlich nicht, wenn ich ehrlich bin - aber auch für ihn muss schon der eine richtige Mensch kommen, damit er dauerhaft ausziehen kann. Auch bei Nero müssen ohne Frage die Voraussetzungen für eine Vermittlung komplett erfüllt sein, unsere Menschen wissen, was sie tun, wenn sie darauf bestehen. 
Eines darf man hier nämlich nie vergessen und das habe ich von unseren Menschen in der Zeit, in der ich hier lebe, gelernt: unsere Menschen lieben uns - ohne wenn und aber und genau deswegen können wir manchmal auch nicht das tun, was uns in den Sinn kommt, weil wir nicht wissen, ob es gut oder schlecht für uns ist. 
Auch wenn ich hier das Tagebuch schreibe und immer wieder Geschichten von uns allen erzähle, so kann ich dies ja nur aus meinem Bauchgefühl heraus tun oder auf Erfahrungen zurückgreifen, die ich mit Menschen gemacht habe. Unsere Menschen aber werten dies alles aus und setzen uns Bewohner Puzzleteilchen für Puzzleteilchen zusammen, um am Ende ein komplettes Bild zu haben. All das machen sie für uns und unser Wohlergehen und nicht, um uns oder Interessenten zu ärgern. 
Nein, unsere Menschen haben den harten Job angenommen, sich um uns zu kümmern und das ist eine unfassbar große Aufgabe.
Ich muss ehrlich gesagt sagen, dass ich mich sehr glücklich schätzen kann, hier eingezogen zu sein - wer weiß, was aus mir geworden wäre und wo ich heute am Ende des Tages gelandet wäre.

So kann ich mich jeden Abend, wenn ich mich in meinen kuschligen Korb lege und anfange zu träumen, auf den nächsten Tag freuen - bringt er eine Gassirunde mit meiner Patin oder eine schöne Kuscheleinheit mit einem unserer Menschen, kann ich im Auslauf mal wieder eine Pferdekutsche anbellen, die vorbei fährt oder unseren Menschen erzählen, dass nicht nur ein Blatt vom Baum in den Auslauf gefallen ist ... es gibt viel zu tun hier und Gott sei Dank habe ich auch Menschen, die mir immer zuhören möchten.

Damit wünsche ich Ihnen allen eine gute Woche und vergessen Sie uns bei all dem, was in der Welt passiert, dennoch nicht.
Ihr
Keks

Tierheim Höchstädt
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1 Kommentar
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Peter Pannicke aus Lutherstadt Wittenberg | 08.03.2022 | 03:13  
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