Döneken von Jupp Brüx
Rägend et noch?

„Rägend et noch?“ | Foto: Heimatkalender für den Landkreis Dinslaken, Ausgabe 1943, Seite 268
  • „Rägend et noch?“
  • Foto: Heimatkalender für den Landkreis Dinslaken, Ausgabe 1943, Seite 268
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Jupp Brüx (1889–1944) ist hier am Unteren Niederrhein sehr bekannt durch seine Bilder, Zeichnungen, Skulpturen und Denkmäler, wobei eines der Klever Wahrzeichen, das Schüsterken (Bältermann), wohl das bekannteste sein dürfte. Weniger bekannt ist, dass Brüx auch ein Geschichtenerzähler war, nicht nur mit seinen Bildern. So nannte ihn die Autorin Christl Jansen, bekannt durch ihre historische und kunstgeschichtliche Berichterstattung zum Niederrhein, auch einen „Poeten mit dem Pinsel“.

Es waren sehr spannende Gespräche, die ich in den letzten Jahren mit Jörg Sachistahl, dem Enkel von Jupp Brüx, führen konnte und in denen ich sehr viel – auch bislang Unbekanntes – über die Künstlerfamilie Brüx, insbesondere über Jupp Brüx selbst, erfahren habe. Im Verlauf eines Gesprächs erwähnte ich die Anekdote (eine kurze, witzige Geschichte), hier sagt man „Döneken“ dazu, „Rägend et noch?“, die ich vor vielen Jahren im Kalender für das Klever Land 1970 gelesen hatte – leider nicht online. Sachistahl regte an, diese Geschichte im Lokalkompass zu veröffentlichen. Lokalkompass ist Geschichte, deshalb jetzt MyHeimat.

Beim „Verein für Heimatpflege Land Dinslaken e.V.“ wurde ich schließlich fündig, und mit freundlicher Genehmigung des Geschäftsführers Herrn J. Lattasch kann ich das Döneken „Rägend et noch?“ mitsamt Zeichnung aus dem Heimatkalender für den Landkreis Dinslaken, Ausgabe 1943, Seite 268, veröffentlichen.

„Verein für Heimatpflege Land Dinslaken e.V.“: hier klicken
„Heimatkalender 1940–1949 Dinslaken“: hier klicken

Rägend et noch?
von Jupp Brüx
Et was all ovend. Hänneke Isermann fuhr met Korr an Pärd van Kävelar no Hüs, no Twistede. Et schtörmde, bletzde an donnerde döreen, met enn Woord: et was onheimlek. Hänneke sot op de Korr, hej hat sich en Pip aangestoke an tägge de Rägen ene Sack öwer de Kopp gehange an dösde soo op Hüs aan. Op eene kehr scheude denn Bock, de Korr weppde an ging tröküt, an wij Hänneke sin Glikgewecht wär hat, de Sack van de Kopp geschmete an öwer de Korrplank kek, woll öm et Hort stell stoon. An de nächsten Boom stond, wij en Mahnteiken, oprächt en Dojekest. Hänneke schlug en Krüs, de Knejje wirden öm week, an in sin Opregung schlodderden hej op alle Vier van de Korr heronder. Wat no duun? So wit hej kos, öwerleiden hej an stond een Deel as seeker: „Hej alleen hat gen Kurasch op dij Kest aantegoon.“ Vörsechteg kek hej öm den Huck van de Korr. In den eigeste Ogenblek, et liep öm kald öwer de Röck, bewägde sich den Deckel van de Kest, en Hand kom herüt an en Stemm frug van benne: „Rägend et noch?“
Et was Grades Wemmers, dänn vör sinne Mester en Dojekest no Twistede brocht am vör de grötsde Buj dringekrope was.

Für alle, die dem Kleefs Platt beziehungsweise dem Kleverländischen nicht so mächtig sind:

Regnet es noch?
Es war schon Abend. Hänneke Isermann fuhr mit seiner Karre und seinem Pferd von Kevelaer nach Hause, nach Twisteden. Es stürmte, blitzte und donnerte durcheinander – mit einem Wort: Es war unheimlich. Hänneke saß auf der Karre, hatte sich eine Pfeife angesteckt und gegen den Regen einen Sack über den Kopf gehängt und döste so seinem Zuhause entgegen.

Auf einmal scheute das Pferd, die Karre wippte und setzte zurück. Als Hänneke sein Gleichgewicht wiedergefunden, den Sack vom Kopf gezogen und über das Karrenbrett geschaut hatte, wollte ihm das Herz stillstehen: Am nächsten Baum stand, wie ein Mahnmal, aufrecht eine Totenkiste.

Hänneke schlug ein Kreuz, die Knie wurden ihm weich, und in seiner Aufregung kroch er auf allen Vieren von der Karre herunter. Was nun tun? So gut er konnte, überlegte er und fand eines sicher: „Alleine hat er nicht den Mut, zu dieser Kiste hinzugehen.“

Vorsichtig schaute er um die Ecke der Karre. Im selben Augenblick – es lief ihm kalt über den Rücken – bewegte sich der Deckel der Kiste, eine Hand kam heraus, und eine Stimme fragte von innen: „Regnet es noch?“

Es war Grades Wemmers, der für seinen Meister eine Totenkiste nach Twisteden brachte und wegen des heftigen Schauers hineingekrochen war.

Bürgerreporter:in:

Günter van Meegen aus Bedburg-Hau

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