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Museum Barackenlager Lette

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Die "Aktion Schwalbe" hat nichts mit dem Natur- und Umweltschutz zu tun. Sie brachte stattdessen Not, Elend, Vertreibung und Tod in die deutschen Siedlungsgebiete in Osteuropa.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zogen die siegreichen Alliierten die deutschen Grenzen neu; mit dem Ostblock wuchs das sowjetische Einflußgebiet erheblich. Diejenigen Deutschen, die nicht während der Kampfhandlungen während des Krieges geflohen, sondern dort geblieben waren, wurden aus den neugegründeten Staaten (wie beispielsweise Polen) ausgewiesen. RUnd 14 Millionen Deutsche verloren so ihre Heimat, rund 2 Millionen sollen ihre Vertreibung nicht überlebt haben.

Coesfeld heißt eine Kreisstadt im westfälischen Landesteil des 1946 neu gegründeten westdeutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Sie nahm überwiegend Flüchtlinge aus Schlesien auf. Und das im nennenswerten Umfang. Im Jahre 1951 lebten dort rund 11.000 Vertriebene, was kanpp 15 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachte.

Um ihre Lebensbedingungen zu der Zeit ihrer Ankunft und Unterbringungen einordnen zu können, müssen wir einen kurzen Blick in die Anfangstage des Dritten Reiches werfen.

Lette war bis zum Jahre 1975 eine eigenständige Gemeinde und ist heute noch bekannt durch den Hauptsitz des Textileinzelhandelsunternehmen "Ernstings family". Etwa 3 km westlich des heutigen Ortsteils von Coesfeld wurde schon 1933, kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten ein Barackenlager errichtet. Nach außen hin eine "Sportschule" der SA, lag dort in Wirklichkeit eine paramilitärische und ideologische Ausbildungsstätte. 1935 wurde das Lager dann zur Truppführerschule 8 des Reichsarbeitsdienstes umfunktioniert. Junge Männer sollten dort in dreijährigen Lehrgänge auf ihre Führungsaufgaben vorbereitet werden.

Kaum waren nach dem Kriegsende alliierte Truppen in Coesfeld einmarschjiert, wurden ab Apri 1945 befreite ausländische Zwangsarbeitskräfte aus Polen und Rußland untergebraucht, ehe sie in ihre Heimatländer zurückkehren konnten. Ab Mai 1946 bis Ende September 1946 nutzte die Kreisverwaltung das nordürftig wiederhergestellte Barackenlager als Durchgangslager für die eintreffenden Vertriebenen aus dem Osten, wobei die Belegungszahl auf 450 Personen erhöht worden war.

In den `50er und `60er Jahren wurde das Barackenlager als Altenheim für alleinstehende Vertriebene genutzt; 2006 verkaufte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Einrichtung an eine Privatperson. Eine Besichtigung an Ort und Stelle ist daher nicht möglich.

Macht aber nichts. Im Heimathaus gibt es seit September 2019 eine Dauerausstellung, die die Erinnerung an das denkmalgeschützte Barackenlager aufrechterhalten soll. Sie ist in 2 Räumen im 1. Stock untergebracht.

Auf den ersten Blick wirkt sie flächen- und mengenmäßig klein, ist dafür aber sehr modern kuratiert. Es gibt zahlreiche schrankähnliche und gut beleuchtete Vitrinen; in ihnen sind einige wenige Original-Habseligkeiten von Vertriebenen präsentiert. Ausweisunterlagen, Geschirr, Bekleidung sowie Bibeln seien als Beispiele für die Ausstellungsstücke genannt. Der geringe Umfang erklärt sich nicht nur durch die Tatsache, daß die Vertriebenen nur einen geringen Teil ihrer Habseligkeiten bei ihrer Flucht mitnehmen konnten; auch der große zeitliche Abstand spielt eine Rolle.

Lesetexte und Kartenmaterial sind sowohl an die Wände als auch auf gläserne Schiebewände vor den Vitrinen aufgetragen.

Im 2. Raum gibt es eine Video-Station (einschließlich Hörteil), an der sich der interessierte Besucher die Lebensläufe von Vertriebenen in bewegten Bildern anschauen kann.

Höhepunkt der modernen Museumspädagogik ist der Medientisch im 1. Raum. Mittels Berührbildschirm kann der Besucher das Aussehen des Barackenlagers optisch zum Leben erwecken.

Es gibt einen ansprechend gestalteten Ausstellungskatalog, der einen Rundgang durch die Ausstellung sowie die Ansprachen während der Ausstellungseröffnung 2020 bietet.

Die Mitglieder des Heimatvereins haben mit ihrem ehrenamtlichen Engagement ganze Arbeit geleistet - das Barackenlager gilt schließlich als eines der wenigen geschichtlich bedeutsamen und vollständig erhaltenen Gebäude vor Ort.

Die finanzielle Förderung durch öffentlich - rechtliche Geldgeber kommt helfend hinzu.

Bei Interesse besteht die Möglichkeit, sich die Ausstellung auch außerhalb der geringen Öffnungszeiten anzuschauen, Anmeldung erforderlich.

Bürgerreporter:in:

Andreas Rüdig aus Duisburg

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