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Neuer DENKORT in Bremen erinnert an sowjetische Kriegsgefangene

Ein neuer DENKORT in Bremen-Neustadt erinnert an die Leiden der sowjetischen Kriegsgefangenen.
 
Ingo Mose, Sprecher Beirat Neustadt, Vizekonsul Mikhail Marin, Generalkonsulat der Russischen Föderation in Hamburg, und Falko Bries, Sprecher Beirat Huchting (von links), enthüllen feierlich die Informationstafel über „Lager für sowjetische Kriegsgefangene".
Bremen: Gedenkstätte für sowjetische Kriegsgefangene | Am 4. Dezember 2020 wurde in der Bremer Neustadt ein weiterer DENKORT gegen das Vergessen der Verbrechen des NS-Staates der Öffentlichkeit übergeben. Der Treffpunkt befindet sich an der Duckwitzstraße 67 bis 69/Ecke Ochtumdeich.

Für Interessierte bietet sich hier ein Informationsangebot über Kriegsgefangene, die ab Ende 1941 aus der Sowjetunion an die Ochtum verschleppt wurden. Corona bedingt wurde die Veranstaltung im kleinen Kreis durchgeführt.

Bevor die letzten Spuren verblassen

Nach langen Recherchen konnte geklärt werden, dass auf dem Areal zwischen Duckwitzstraße und Warturmer Heerstraße ab Ende 1941 neben Lagern für Zwangsarbeiter aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich zwei weitere Lager für sowjetische Kriegsgefangene betrieben wurden.

Ab November 1941 setzte das Bremer Amt für Kanalisation und Abfallwirtschaft sowjetische Kriegsgefangene ein, um auf der städtischen Müllkippe zu schuften. Anfang Dezember folgte ein weiteres, von der Wehrmacht bewachtes, Barackenlager für weitere Gefangene. Diese wurden gezwungen, in den dort ansässigen Franke Werken Kriegsmunition zu fertigen. Die Behandlung der sowjetischen Gefangenen wurde bewusst unmenschlich gestaltet: Hunger, mangelnde Kleidung, Kälte, verweigerte ärztliche Versorgung, Gewalt und Erniedrigung kennzeichneten ihren Alltag. Viele überlebten diese Tortur nicht. In beiden Lagern starben zahlreiche Kriegsgefangene an den Folgen der erbarmungslosen Behandlung. Der Tod der von den Nazis als „Untermenschen“ diffamierten Menschen aus der Sowjetunion wurde bewusst in Kauf genommen.


Erfolgreiche Zusammenarbeit der Stadtteilbeiräte

Möglich wurde der neue DENKORT an der Ochtum durch die enge Kooperation der Ortsämter und Beiräte Neustadt und Huchting in Verbindung mit der DENKORTE-Initiative Neustadt. Ingo Mose, Sprecher des Beirates Neustadt, und Falko Bries, Sprecher des Beirates Huchting, verwiesen in ihren Ansprachen auf die große Bedeutung für die ortsnahe Erinnerungskultur. Zugleich drückten sie ihre Hoffnung aus, dass dieser Ort großen Zuspruch insbesondere bei jungen Leuten findet, zum Beispiel durch das Aufsuchen der Stele im Geschichtsunterricht.

Vizekonsul betont gemeinsame Verantwortung für die Zukunft

Als Gast konnten die Versammelten Vizekonsul Mikhail Marin als Vertreter des Generalkonsulats der Russischen Föderation in Hamburg begrüßen. Mit eindringlichen Worten erklärte er: „Wir sind verpflichtet, unserer europäischen Geschichte kundig zu sein. Jegliches Vergessen kann zu einer dramatischen Wiederholung der Tragödie führen, die unsere Groß- und Urgroßeltern erlebt haben. Und das wollen wir nicht.“ Und weiter heißt es in seiner kurzen Ansprache: „Meine Dankbarkeit gilt auch jenen Bürgerinnen und Bürgern der Freien Hansestadt Bremen, die die Lehren der Geschichte an die junge Generation weitergeben.“

Horst Otto von der DENKORTE-Initiative ging in seiner Begrüßung zuvor auch auf das aktuelle angespannte deutsch-russische Verhältnis ein. Unter anderem kritisierte er die jüngsten Äußerungen der deutschen "Verteidigungs"ministerin, aus einer "Position der Stärke" gegenüber Russland zu agieren (und das angesichts der deutschen Vergangenheit!).

Zur Feier des Tages wurde die Stele durch die Beiratssprecher Mose und Bries und Vizekonsul Marin enthüllt.

Weitere Informationen:

https://www.spurensuche-bremen.de/

https://deutsch-russische-friedenstage.de/

https://www.bremerfriedensforum.de/
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