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Busfahren im Harz ist keineswegs schwierig
- hochgeladen von Bernd Jackisch
Südniedersachsen: Busfahren im Harz ist keineswegs schwierig
(Stand 08.10.2025)
Hallo liebe Eisenbahn-, ÖPNV- und SPNV-Interessierte!
Der Bericht im „Harzkurier“ am 08.10.2025 über die Einweihung der neuen – oder, besser gesagt, erweiterten – Busverbindung zwischen Herzberg und Braunlage bedarf in einigen Punkten der Ergänzung bzw. Korrektur.
„Höchste Eisenbahn“ hat keinen Seitenhieb gegen die Deutsche Bahn ausgeteilt. Dieser gilt vielmehr der Landesnahverkehrsgesellschaft in Hannover, denn diese zeichnet dafür verantwortlich, dass nach 2030 keine bequeme Verbindung von Göttingen nach Braunlage mehr bestehen soll, weil sie alle Harzer Bahnfahrer zu Umstiegen in Northeim oder Kreiensen zwingen will. Daran ist die Deutsche Bahn – man ist versucht, „ausnahmsweise“ zu formulieren – schuldlos. Man kann es nicht oft genug wiederholen:
Hier will das eigene Bundesland seine Region Harz abhängen!
Aber nun zum Bus. Schwierig ist beim Bus eigentlich gar nichts, denn da sitzt vorn immer ein Fahrer, der Auskunft gibt und einem den richtigen Fahrschein quasi unaufgefordert verkauft.
Schwierig ist es auch für denjenigen nicht, der mit einer „Flatrate“ fährt, was heute schon die meisten Leute tun, also entweder ein „Deutschland-Ticket“ besitzt oder mit einem „Niedersachsen-Ticket“ unterwegs ist, denn da spielen Tarifgrenzen keine Rolle. Solche Fahrgäste können einfach einsteigen und mitfahren.
Das können auch alle Urlaubsgäste des Harzes mit einer Gästekarte, soweit ihre Kommune bei HATIX mitmacht. Im Südharz ist eine Kommune ausgestiegen, nämlich Bad Sachsa. Aber wer von Bad Sachsa nach Braunlage will, der fährt sowieso nicht über Herzberg, sondern der hat die stündliche Möglichkeit, mit den Linien 470 oder 472 über Walkenried schneller dorthin zu gelangen. Aber zahlen muss er natürlich, auch als Gast, weil Bad Sachsa eben kein HATIX mehr haben wollte.
Aber nun zum eigentlichen Thema des Berichts, der sich ja vorrangig mit der Tarifproblematik auseinandersetzt. Ja, die gibt es in der Tat im Harz, und das schon seit Jahrzehnten, nämlich seit der Zeit, zu der man die beiden Verbundtarife des VSN und des VRB geschaffen hat, die sich an der Kreisgrenze zwischen dem Kreis Goslar und dem damaligen Kreis Osterode orientieren.
Da man seinerzeit aber schon ahnte, dass das im Harz schwierig werden könnte, hat man den „Übergangstarif Harz“ geschaffen, der bis zum heutigen Tag das einfache Lösen eines Fahrscheins zwischen den Orten des Altkreises Osterode und denen im Kreis Goslar ermöglicht.
Was man damals nicht bedachte: Es gibt ja auch rund um den Harz noch Zugverkehr und durchaus Verbindungen, bei denen gar kein Bus genutzt werden kann, zum Beispiel von Bad Lauterberg nach Bad Grund – da muss man auf einer Teilstrecke den Zug nehmen. Und da gilt der „ÜT Harz“ eben leider nicht. Er gilt nur im Bus. Das beklagen wir seit gefühlt 20 Jahren. Geändert wurde daran nichts.
Dass man folglich von Göttingen beim Einzelfahrschein zwei Mal lösen muss, ist insoweit kein neues Problem, es galt und gilt ja auch für die schon seit Jahrzehnten mögliche Fahrt von Göttingen über Walkenried nach Braunlage – die es im Übrigen auch weiterhin täglich und stündlich gibt. Hier empfiehlt es sich, einen – sehr preiswerten! – VSN-Fahrschein bis Herzberg (oder eben Walkenried) zu lösen und dort beim Busfahrer, also völlig stressfrei, einen weiteren Fahrschein nach Braunlage zu erwerben.
Aber dies müssen, wie gesagt, nur solche Kunden, die kein Niedersachsen-Ticket oder kein Deutschland-Ticket haben und die nicht Gäste in einer der Harzgemeinden sind, die HATIX anerkennt.
Was den Tarif-Wirrwarr betrifft, droht derweil an ganz anderer Stelle neues Unheil. Im Kreis Nordhausen hat man sich nun endlich entschlossen, einem Verbundtarif beizutreten. Der gilt natürlich nur bis Ellrich. Der VSN-Tarif gilt dann ab Walkenried. Und dazwischen? Kostenlos fahren, wie es die Polen auf der Strecke Görlitz – Zgorzelec handhaben? Natürlich nicht – wir sind ja in Deutschland. Deswegen gilt dann zwischen Ellrich und Walkenried ein dritter Tarif, nämlich der der Deutschen Bahn. Mit allem Blödsinn, der damit verbunden ist, zum Beispiel bei der Mitnahme eines Fahrrades.
Eine RB82 im Bahnhof Northeim. Sie kommt von Bad Harzburg und verbindet den Nordharz umsteigefrei mit Göttingen. Gleiches tut die RB80 im Südharz. Geht es nach dem Willen der LNVG, dann gehören solche Bilder bald der Vergangenheit an, und eine Reise in den Harz wird deutlich unkomfortabler. Hierunter dürfte dann auch die Inanspruchnahme der alten und neuen Buslinien leiden.
Es gibt also immer wieder etwas zu tun.
Vorrang hat für „Höchste Eisenbahn“ aber jetzt und auch in nächster Zeit, für die durchgehenden Züge nach und von Göttingen und gegen den zusätzlichen Umstieg in Northeim zu kämpfen. Genau dies würde übrigens auch die schöne neue Busverbindung mit Braunlage über Herzberg und die schon bestehende über Walkenried massiv in ihrer Attraktivität beeinträchtigen, da die schöne neue Welt mit nur einem Umstieg wieder im Eimer wäre. Nicht gleich, aber nach 2030, wenn wir im Harz nicht aufpassen.
Leider hat niemand bei der Einweihung diesen heiklen Punkt direkt angesprochen. Der Vertreter der Stadt Herzberg immerhin, der tat es indirekt, denn er wies auf die Knotenfunktion von Herzberg mit dem Vorteil der Direktverbindungen nach Göttingen, Braunschweig und Nordhausen hin, die es nach dem Willen der LNVG ja nach Göttingen nicht mehr geben soll. Diese Knotenfunktion wäre beim Bau der „Herzberger Kurve“ in höchster Gefahr.
Zur Erinnerung: Alle Busverbindungen – auch die neuen! – sind auf den Taktknoten zur Minute 30 am Herzberger Bahnhof ausgerichtet, wo alles zusammenkommt und wieder auseinanderfährt. Dieser Knoten muss bleiben – und zwar auch in Richtung Göttingen.
Denn wer mit Ski, Fahrrad oder Schlitten im schönen Bahnhof Northeim treppab – treppauf rennen soll („komfortabel umsteigen“ nennt es die LNVG), um dann in Herzberg erneut in den Bus umzusteigen, dem ist der Tarif dann auch egal: Der nimmt dann das Auto…
Michael Reinboth
Viele Grüße
Burkhard Breme
Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz"
37431 Bad Lauterberg
E-Mail: burkhard.breme@suedharzstrecke.de
Internet: http://www.suedharzstrecke.de
Bürgerreporter:in:Bernd Jackisch aus Bad Lauterberg im Harz |
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