HARZ WANDERUNG
Nebelwanderung - Silberhütte - Fürstenteich - Teufelsteich - Waldkirche

am  Fürstenteich
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Der kleine Harzort Silberhütte war der Treffpunkt für eine Wanderung des Harzklub Zweigverein Quedlinburg.

Silberhütte - Unterharzer Teich- und Grabensystem

Der ruhige Ort Silberhütte im Selketal war vom 18.  bis anfangs des 20. Jahrhunderts  ein schon beeindruckender Industriestandort. Rings um Silberhütte wurde seit Jahrhunderten Bergbau betrieben. In Silberhütte erfolgte die Verarbeitung des Erzes. So gab es in Silberhütte neben den Pochwerken zur Zerkleinerung und Aufbereitung des Erzes zwei Hochöfen zur weiteren Verhüttung. Das Erz enthielt neben Blei auch geringe Anteile von Silber. Es wurde zum Namensgeber der Siedlung im Selketal. In dem schmalen Selketal haben sich neben den Hüttenbetrieb noch weitere Industriezweige angesiedelt. So gab es u.a. ein Zementwerk, ein Glaswerk, eine Schwefelfabrik, eine Schwefelsäurefabrik  und ein Anilin Farbenwerk. Im Jahre 1909 kam es zur Insolvenz des Hüttenbetriebes. Das bedeutete zugleich das "Aus" für die anderen Betriebe in Silberhütte. Mit einer Ausnahme, der Pulverfabrik. So gab es bereits seit 1790 dort eine Pulverfabrik. Es ist der einzige Betrieb in Silberhütte, der auch die politische Wende erfolgreich überstehen konnte. Er gehört heute zum Rheinmetall Waffe Munition GmbH. Damit die einzelnen Betriebe überhaupt produzieren  konnten, brauchte man die Wasserkraft bis anfangs des  20. Jahrhundert. Da die Wasserkraft des Harzflusses Selke dafür nicht ausreichte, wurden wie auch im Oberharz (Oberharzer Wasserregal)  Teichanlagen angelegt. Sie waren durch künstlich angelegten Graben miteinander verbunden. Der Silberhütter Kunstgraben hatte allein eine Länge von 25,5 km.

Fürstenteich - Teufelsteich - Silberhütter Kunstgraben

Zwei von den 36 Teichen, die einst durch den Silberhütter Kunstgraben verbunden waren, wollten wir  auf unserer Wandertour aufsuchen. Der Wanderführer Manfred Böhm, begrüßte die, trotz des unfreundlichen und nebligen Novembertages, zahlreich erschienen Mitwanderinnen und Mitwandern recht herzlich und stellte uns den Wanderplan für die Wanderung nochmals vor. Unser erstes Wanderziel, der Fürstenteich,  hatten wir bereits nach wenigen Minuten erreicht. Der Fürstenteich befindet sich unmittelbar oberhalb des Ortes Silberhütte. Nach der Aufgabe des Standortes Silberhütte im Jahre 1909 dient der Teich heute dem Hochwasserschutz im Selketal. Zugleich ist er wie der Teufelsteich, den wir später aufsuchten, ein Anglerparadies. Durch den teilweise dichten Nebel, war die Sicht doch stark eingeschränkt. Die Wege, besonders die naturbelassenen, waren zum Teil aufgeweicht, was aber für die Jahreszeit nicht ungewöhnlich war. An mehreren Aufzuchtteichen vorbei, ging es im Teufelsgrund stetig leicht bergauf. Etwa 300 m vor dem Teufelsteich trafen wir auf einem gut ausgebauten Forstweg. Diesen etwas steileren Forstweg folgten wir in nördlicher, später in östlicher Richtung. Nach etwa 700 m erreichten wir die ehemalige von Harzgerode in Richtung Auerberg führende Landstraße. Sie führte direkt über den Damm des Teufelsteiches. Seit der letzten Rekonstruktion des Teufelsteiches in den 80-er Jahren des vorherigen Jahrhunderts wurde diese Verbindungsstraße gekappt. Auf dieser Straße wanderten wir etwa 200 m in südlicher Richtung weiter. Kurz bevor diese Straße endet, ging es auf einen schmalen Waldweg weiter. An dieser Abzweigung befindet seit einigen Jahren eine Station des Harzgeröder  KUGELsPASS. Auf diesem interaktiven Erlebniswanderweg, der vom Schloss Harzgerode über 8 derartige  Stationen zum Schaubergwerk Glasebach führt, wird durch Spiel, Audio und Infotafeln diese vom Bergbau geprägte Landschaft besonders den jungen  Wanderern näher gebracht. Über dem Waldweg erreichten wir nach ein paar hundert Metern den Damm des Teufelsteiches. Der Teufelsteich wurde zur Unterstützung der Gruben mit Wasserkraft bei Biewende in den Jahren 1696/97 errichtet. 1754 kam es zur Stilllegung der Gruben in dem Gebiet Biewende. Zusätzlich  wurde der Fürst Viktor Schacht bis 1896 mit Wasserkraft unterstützt. Erst im Jahre 1903 wurde der Teufelsteich an den Silberhütter Kunstgraben angeschlossen. Bereits im Jahre 1909 kam es nach dem Niedergang des Neudorfer Reviers zur Insolvenz der Silberhütte in Silberhütte. Damit verlor der Teufelsteich seine Funktion als Kunstteich für den Bergbau in der Region. Ab 1947 dient er zur Trinkwasserversorgung und dem Hochwasserschutz des nahen Selketales. Nach gut 400 m davon 211 m auf der Dammkrone, erreichten wir eine Wegkreuzung. Wir wählten den in westlicher Richtung führenden Weg. Nach etwa 600 m kamen wir zu einem Teilstück des Silberhütter Kunstgrabens. Über diesen Kunstgraben wurden neben den Bergwerken die Wasserräder in Silberhütte mit Wasserkraft versorgt. Nach über einem Kilometer an der Seite des seit dem Jahre 1909 funktionslosem Wassergrabens legten wir am Silberhütter Kunstgraben an einem Rastplatz unsere Mittagspause ein. Denn, nach der Stärkung ging es nach einem kurzem Abstecher zum Mundloch des ehem. Fürst Viktor Schachtes hinauf zur  KUGELsPASS  Station Nr. 6. Hier trafen wir neben der ehem. 4,5  km langen und 750 mm breiten Erzbahn Neudorf - Silberhütte auch auf den Neudorfer historischen Bergbaurundwanderweg. Von nun an ging es nur noch bergab in Richtung Silberhütte. Auf der ehem. Bahnlinie  wanderten wir nach Silberhütte.

Neudorfer Erzbahn - Fürst Viktor Kunstgraben

Daneben verlief der vom Mundloch des Fürst Viktor Schachtes führende der Kunstgraben Fürst Viktor. Er stellt die Verlängerung des Silberhütter Kunstgrabens dar. In Silberhütte wurde das Wasser des Kunstgraben über ein Rohr auf das 25 m tiefer liegende Wasserrad der Erz -Aufbereitungsanlage in Silberhütte zugeführt.  Auch die Erzbahn endete an fast der gleichen Stelle in Silberhütte. Über einer Kopfstation  am Bremsweg wurden die Erzloren auf eine zweigleisige Seilzugstrecke umgeladen. An der Talstation wurden die Loren entleert und das Erz wurde der Aufbereitungsanlage zugeführt. Anschließend wurde das gereinigte und zerkleinerte Erz, über eine mit der Selketalbahn verbundene 1.000 mm breite Hochbahnstrecke, den beiden Hochöfen zugeführt.
Zum Abschluss der 8 km langen Wanderung besuchten wir, die im Jahre 1932 aus Fichtenholz erstellte Waldkirche. Wir hatten das Glück, dass wir uns eine an der Fensterfront befindliche Honigbienenwabe ansehen konnten. Für die - durch den früheren Bergbau - besonders  interessante Wanderung möchte ich mich beim Wanderleiter Manfred Böhm recht herzlich bedanken. Zum besseren Verständnis habe ich wieder ein paar Bilder aus meinem Archiv beigefügt.

Bürgerreporter:in:

Gerd Horenburg aus Aschersleben

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