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Der Brexit und seine Folgen: Interessanter Vortrag bei den Ruheständlern

  Aichach (hbe) Mit dem aktuellen Themenbereich „Der Brexit und seine Folgen für Deutschland, Europa und den Rest der Welt“ starteten die Aichacher „Ruheständler“ mit sehr ernsten Fragen für die Zukunft Europas in die Vortragsreihen des Jahres 2017. Vorsitzender Heinrich Hutzler durfte hierzu im vollbesetzten Re(h)-Restaurant den Referenten Peter Bauch, ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag, herzlich willkommen heißen. In Anbetracht der politischen Entwicklung in der Türkei, der Präsidentschaftswahl in Amerika, den Vorgängen in Ungarn und Russland und auch in unserer Nachbarschaft sah der Referent nicht unbedingt „friedliche und entspannte Zeiten“ in der auf uns zukommenden Etappe der Geschichte. Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen in drei Gründerländern der EU, in den Niederlanden, Frankreich und am 24. September bei uns in Deutschland, bemerkte der Europa-Spezialist im Dienste der Hanns-Seidl-Stiftung, dass wohl „Veränderung in der Luft liege“. Viele rechnen auch noch damit, dass auch in Italien noch gewählt werden muss. Europa befindet sich aktuell in einer Phase der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Selbstbehauptung und solange die Wahltermine anstehen, könne sich Europa auch nicht gemeinsam für die Zukunft organisieren. Bisher war die EU der umsatzstärkste Wirtschaftsraum in der Welt. „Unsere Umgebung hat sich politisch dramatisch verschlechtert“, so der Referent, der davon sprach, dass sich sowohl die Anzahl und auch die Qualität der Herausforderungen von innen und außen verstärkt haben und dass mit dem Brexit der Trend zur Re-Nationalisierung, zum Zurückbau von Europa gefahren werde. Zwischenzeitlich habe sich die Kritik an Europa buchstäblich „verselbständigt“ und es muss uns bewusst sein, dass damit die europäische Grundstruktur auf dem Spiel steht, mahnte der Referent, der forderte, dass schleunigst der Mehrwert für Europa in den Fokus der Diskussion gerückt werden müsse. Es muss den Menschen vermittelt werden, warum Europa erhaltenswert ist. Wir haben ein nie gekanntes Wohlstandsniveau, können seit 70 Jahren in Frieden leben und davon seit über 60 Jahren im Wohlstand. Auch wenn die Umstände komplexer und schwieriger geworden sind, es lohnt sich für Frieden, Wohlstand, Schutz, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit einzutreten. Gleichzeitig forderte Peter Bauch auf, dass sich die Leute zeigen, die für die Fortsetzung eines geeinten Europas sind, bisher sind diese Leute zu wenig sichtbar und viel zu wenig wahrnehmbar. Vielfach fehle das Grundwissen zu Europa, denn kaum jemand kenne die volkswirtschaftlichen Eckdaten unseres Landes. Deutschland ist mit Abstand die stärkste Volkswirtschaft in der EU. Mit dem Brexit, dem Ausstieg von Großbritannien, verliert die EU die zweitstärkste Volkswirtschaft, einen Partner, Leistungsträger und Nettozahler, ein Verlust, dessen Auswirkungen wir noch gar nicht abschätzen können. Für den Europakenner Peter Bauch ist äußerst unklar, ob die von Art. 50 vorgegebenen Austrittsverhandlungen über maximal zwei Jahre ein abstimmungsfähiges Ergebnis bringen werden. Ohne Übergangsregelungen wird es nach Ansicht von Bauch nicht gehen und man kann sich in dieser Verhandlungsphase nicht nur um den Austritt kümmern, sondern auch um Zukunftsverträge.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.aichacher | Erschienen am 04.03.2017
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