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Kalendertag 8. März 1939: Vor 80 Jahren spielt das „Meistersextett“ seinen Erfolg „Jetzt oder nie“ im Aufnahmestudio ein

Das „Meistersextett, früher Comedian Harmonists“, kurz nach seiner Gründung (von links): Ari Leschnikoff (1. Tenor), Robert Biberti (Bass), Walther Blanke (Bariton), Erwin Bootz (Klavier), Fred Kassen (Buffo) und Richard Sengeleitner (2. Tenor). (Foto: Archives State Agency of Bulgaria / Wikimedia Commons)
Vier Jahre war es inzwischen her, als die Comedian Harmonists dem politischen Druck nachgeben mussten und verschiedene Wege gingen. 1935 hatten die Nazis die jüdischen Mitglieder der Comedian Harmonists, Erich A. Collin, Roman Cycowski und Bandgründer Harry Frommermann, mit einem Auftrittsverbot in Deutschland belegt, weshalb diese schließlich emigrierten. Robert Biberti, Ari Leschnikoff und Pianist Erwin Bootz blieben in Deutschland und gründeten das „Meistersextett – früher Comedian Harmonists“, das auch schon bald mit „Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn“ 1936 einen Evergreen aufnahm und veröffentlichte. Mit dem Bariton Herbert Imlau und den Tenören Alfred Grunert und Fred Kassen, die als Angestellte die Nachfolge der Emigranten antraten, war das „arisierte“ Berliner Nachfolgeensemble der Comedian Harmonists schon wenige Monate nach seinem Neustart wieder mit Plattenaufnahmen und Konzerten präsent. Eine kaum überschaubare Anzahl an Auftritten belegt das riesengroße und deutschlandweite Interesse an der Musik dieses Ensembles, die klanglich eng an die Musik der Comedian Harmonists angelehnt war.
„Jetzt oder nie“ (Musik: Siegfried Muchow, Text: Robert Biberti) wurde im Arrangement von Siegfried Muchow zunächst am 28. Februar 1939 zweimal aufgenommen. Die dritte Aufnahme am 8. März 1939 wurde dann veröffentlicht. Der Komponist von „Jetzt oder nie“, Siegfried Muchow, damals 32 Jahre alt, machte seinerzeit Karriere als Cellist und Orchesterleiter.
Das Aufnahmestudio der Electrola Gesellschaft m.b.H. Berlin befand sich im Haus Schlesische Straße 26/27 (Berlin SO). Rudolf Zeller spielte inzwischen anstelle des überraschend Ende Juni 1938 ausgetretenen Erwin Bootz Klavier.
Noch im März 1939 begab sich das Meistersextett letztmalig auf Auslandstournee nach Italien. Wenige Monate später brach der Zweite Weltkrieg aus, das Meistersextett wurde mehr und mehr für die Zwecke der Nationalsozialisten instrumentalisiert. Im Februar 1941 hatten die Musiker noch immer ein volles Programm, aber fast alle Konzerte wurden nun der Reihe nach abgesagt. Damit war zugleich das Ende dieses starken Gesangsensembles besiegelt. Das Meistersextett mit dem anfangs noch gebräuchlichen Zusatz „früher Comedian Harmonists“ brach auseinander. Der frühere Pianist Erwin Bootz wurde im Februar 1942 zum Militär eingezogen, wo er vor allem als Alleinunterhalter in Offizierkasinos tätig war.
Veröffentlicht wurde „Jetzt oder nie“ auf Schellackplatte mit dem umseitigen Lied „Holla Lady“ (Electrola E.G. 6785), dann wieder veröffentlicht im Wiener Boheme-Verlag 1996 auf der CD „Comedian Harmonists – Die großen Erfolge 5“, ferner auf einer Vier-CD-Edition mit der Gesamtaufnahme sämtlicher Schellackplatten des Meistersextetts, der Bear-Family-CD „Das Beste vom Meister-Sextett“ und auf einer CD-Neuerscheinung mit dem Titel „Eine kleine Frühlingsweise“ (2018), zudem stand der Name des Liedes Pate für ein 2005 erstaufgeführtes Theaterstück.
Detaillierte Biographie von Josef Westner: „Drüben in der Heimat – Das Meister-Sextett“ 
Literatur:
Wolfgang Schneidereit: Discographie der Gesangsinterpreten der leichten Muse von 1925 bis 1945 im deutschsprachigen Raum, BoD, Norderstedt 2019, S. 255 ff. 
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