Lesen macht frei - Abt Hausmann beim Empfang zum Kolping-Gedenktag von Kolping in der Diözese Augsburg

Augsburg: Kolpingsaal |

„Ein Leben wie es im Buche steht“, war der Titel des Vortrages von Abt Theodor Hausmann beim Empfang zum Kolping-Gedenktag am 8. Dezember 2014, zu dem Kolping in der Diözese Augsburg in den Kolpingsaal in Augsburg eingeladen hatte. Der Benediktinerabt von St. Stephan in Augsburg schlug das Buch der Geschichte auf und las mit den rund 150 Gästen aus Politik, Kirche und Gesellschaft im Leben und den Zeitumständen Adolph Kolpings. Der Religions- und Geschichtslehrer Abt Hausmann blieb nicht dabei stehen, nur historische Zusammenhänge und Hintergründe zu erschließen, sondern lenkte den Blick auf wichtige Handlungsfelder eines katholischen Sozialverbandes heute, wie zum Beispiel die Situation von Flüchtlingen und die Diskussion über die Würde menschlichen Lebens an dessen Ende (Stichwort: Sterbehilfe).

In der Vorbereitung auf eine Schulstunde hatte sich Abt Hausmann mit der programmatischen Schrift: „Der Gesellenverein. Zur Beherzigung für alle, die es mit dem wahren Volkswohl gut meinen“ von Adolph Kolping aus dem Jahr 1848 beschäftigt und war über die Jahre tiefer in das Leben, Wirken und Werk Adolph Kolpings eingedrungen. Hausmann bekennt im Vortrag seine Entdeckung, dass Kolping „mit seinen Vorstellungen die Grundanliegen des hl. Benedikt von Nursia aufgreift und für seine Zeit umsetzt“. Wie Benedikt in der Spätantike so hätte Kolping in einer Zeit großer Umbrüche gelebt. Den Antwortversuchen seiner Zeit von Konservativen, Liberalen und Sozialisten sei Kolping nicht gefolgt.
„Er ist zwar ein unternehmungsfreudiger Mensch, der um den Sinn der Tat weiß, aber er geht einen sehr eigenständigen Weg, setzt auf das Wort als prägende und Freiheit schenkende Kraft für Menschen“, charakterisiert Hausmann den Gründer des Kolpingwerkes. Als Beleg zitiert der Benediktinerabt aus der Schrift Kolpings „Der Gesellenverein“ einen zentralen Abschnitt, in dem es um die Gründung von Gesellenvereinen geht. Nicht nur die Sorge um das körperliche Wohl durch die Ausstattung von Räumen, den Wert einer Gemeinschaft und die Wertschätzung der jungen Handwerker liest Hausmann aus dem Text Kolpings heraus. Durch das Auslegen von Büchern, Zeitschiften und Zeitungen sollte, so Hausmann, „die Entwicklung einer unabhängigen, kompetent informierten und daher zur Entscheidung fähigen Persönlichkeit angezielt werden“. Und dass trifft nach der Ansicht von Abt Hausmann mit dem Grundanliegen Benedikts zusammen, der zwei Stunden am Tag für das Lesen reserviert.
„Menschen bestehen die Umbrüche, in die sie gestellt sind, nur dann, wenn sie des Lesens fähig sind“, fasst Hausmann die verbindende Grundintention des Ordensgründers und des Gesellenvaters zusammen. Als Beleg führt Abt Hausmann das Leben der beiden Märtyrer des NS-Regimes Ernst Volkmann und Franz Jägerstätter an. Letzterer sagt: „Wer nicht liest, wird sich nie so richtig auf die eigenen Füße stellen können, wird nur zu leicht zum Spielball der Meinungen anderer.“

An das wenige Tage zuvor eröffnete „Jahr der Orden“ erinnerte die Vorsitzende des Kolpingwerkes in der Diözese Augsburg Sonja Tomaschek bei ihrer Begrüßung. Der Aufruf von Papst Franziskus „Weckt die Welt auf“ verbinde Orden und Verbände, sagte die Vorsitzende des über 13.000 Mitglieder umfassenden Kolpingwerkes im Bistum Augsburg.

Kolping-Diözesanpräses Alois Zeller verglich bei der Predigt in der vorausgegangenen Messfeier Adolph Kolping mit Maria. Die Gottesmutter, die von der Kunst bei der Verkündigung durch den Engel Gabriel in der heiligen Schrift lesend dargestellt wird, verehrte der Gesellenvater Zeit seines Lebens. Die Lektüre der Bibel sei für beide das Fundament ihres Glaubens gewesen, sagte Zeller.

Am Ende des Abends bedankte sich Gebhard Kaiser, Vorsitzender des Kolping-Bildungswerkes in der Diözese Augsburg und ehemaliger Landrat Oberallgäu, bei Abt Hausmann mit einer DVD vom Musical „Kolpings Traum“ für seine tiefgründigen Worte. Er sagte auch den beiden Musikern Tobias Reinsch (Klavier) und Jan Kiesewetter (Saxophon) für die virtuose musikalische Gestaltung der Feierstunde dank.

Der Kolping-Gedenktag wird von den Kolpingsfamilien und Einrichtungen weltweit in den über 60 Ländern der Erde, wo es Kolping gibt, rund um den 4. Dezember begangen. An diesem Tag im Jahre 1865 war Adolph Kolping in Köln gestorben. Sein Geburtstag (8. Dezember 1813) ist im gleichen Monat. Das Kolpingwerk Diözesanverband Augsburg, das Kolping-Bildungswerk in der Diözese Augsburg e.V. und die Kolping-Stiftung Augsburg laden jährlich Politiker, Mandatsträger in der sozialen und wirtschaftlichen Selbstverwaltung, ehrenamtliche Engagierte aus dem Verband und Partner zu einem Empfang mit Messfeier, Vortrag und Begegnung nach Augsburg ein.




Verwendetes Zitat aus „Der Gesellenverein. Zur Beherzigung für alle, die es mit dem wahren Volkswohl gut meinen“ von Adolph Kolping:

„Man richte nur in allen Städten, wenn nicht in allen größeren Gemeinden, einen freundlichen, geräumigen Saal ein, sorge an Sonn- und Feiertagen wie am Montag abend für Beleuchtung und im Winter für behagliche Wärme dazu und öffne dann dies Lokal allen jungen Arbeitern, denen es mit ihrem Leben und ihrem Stande nur immer ernst ist. Da die jungen Leute, die der Einladung folgen, Gemeinsames mit ziemlich gleichen Kräften wollen, bilden sie dadurch einen Verein,… Da dürfte es nicht an guten Büchern, Schriften und Zeitungen fehlen, nicht bloß, die das religiöse Interesse vertreten, sondern die auch, was ja nicht zu übersehen wäre, dem bürgerlichen Leben gelten, die gewerbliche Gegenstände behandeln und, soviel wie möglich, jedem Handwerker von Nutzen sein können… Tüchtige Bürger sollen sie werden, zu tüchtigen Bürgern muss man sie erziehen…“

In: Rosa Copelovici, Michael Hanke, Franz Lüttgen und Josef Anton Stüttler (Herausgeber), Soziale Frage und Gesellenverein. Teil I: 1846-1852. Kolping Schriften Bd. 3, Kolping-Verlag Köln 1985, Seiten 44 – 60, hier: 53 – 54.

Weitere Informationen zu Kolping in der Diözese Augsburg unter: www.kolping-augsburg.de
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