Assyrische
Wir haben überlebt – jetzt wollen wir leben: Die Assyrische Autonomie Bewegung
- hochgeladen von Charli Kanoun
Ende des Jahres 2024 wurde im Saarland die Assyrische Autonomie Bewegung e. V. gegründet – aus der Initiative und dem Engagement des Assyrischen Kulturvereins e. V. Saarlouis heraus. Vorsitzender Charli Kanoun hatte diesen Schritt mit angestoßen, um dem politischen Anliegen des assyrischen Volkes ein organisatorisches Dach und eine klare Stimme zu geben.
Heute besteht die Bewegung aus zahlreichen engagierten Aktivistinnen und Aktivisten aus der Diaspora. Vorsitzender der Bewegung ist Majed Bahi, ein assyrischer Anwalt aus Syrien, der nun im Exil lebt. Er repräsentiert eine neue Generation von Assyrern, die politische Verantwortung übernehmen wollen – friedlich, rechtlich fundiert und historisch begründet.
Ein überlebendes Volk zwischen Vergessen und Widerstand
Die Assyrer gehören zu den ältesten christlichen Völkern der Welt. Ihre Wurzeln reichen tief in das alte Mesopotamien zurück. Trotz ihrer historischen Bedeutung sind sie heute kaum noch sichtbar. In ihren angestammten Siedlungsgebieten – vor allem im Irak – wurden sie immer wieder Ziel von Völkermord, religiöser Verfolgung und kultureller Auslöschung.
Der Völkermord von 1915, die Massaker von Simele 1933, die Verbrechen des Islamischen Staates und die Marginalisierung durch arabisch-nationalistische wie auch kurdische Strukturen haben das assyrische Volk schwer getroffen. Viele wurden zur Flucht gezwungen und leben heute über alle Kontinente verstreut.
Das kleine assyrische Dreieck – Herzland unseres Volkes
Im Zentrum unserer Bewegung steht die Forderung nach Autonomie in den historischen assyrischen Gebieten im Nordirak, die wir als das „kleine assyrische Dreieck“ bezeichnen. Es umfasst die Ninive-Ebene, die Region Dohuk (historisch: Nohadra) und umliegende Gebiete.
Diese Region ist nicht zufällig gewählt – sie ist das Herzland unseres Volkes. Die Ninive-Ebene war jahrhundertelang ein spirituelles und kulturelles Zentrum der assyrischen Christen. Sie trägt nicht nur den Namen der alten assyrischen Hauptstadt Ninive, sondern ist auch Heimat zahlreicher Klöster, Kirchen und historischer Siedlungen, die bis heute Zeugen unserer Anwesenheit sind.
Auch Dohuk (Nohadra) war über Generationen hinweg ein Rückzugsort für vertriebene Assyrer – ein Ort, an dem sich unsere Gemeinden immer wieder neu gesammelt und organisiert haben. Dieses Dreieck ist für uns kein „neues“ Territorium – es ist der Boden unserer Vorfahren.
Rückkehr und Wiedereingliederung – unsere Vision
Im Laufe der Geschichte wurde unser Volk immer wieder gezwungen, diese Region zu verlassen. Heute leben Assyrer mit verschiedenen Staatsangehörigkeiten in der Diaspora – in Europa, Nordamerika oder Australien. Doch unsere gemeinsame Herkunft liegt in diesem Dreieck. Unsere Bewegung setzt sich daher mit aller Kraft dafür ein, die Voraussetzungen für eine Rückkehr und Wiedereingliederung unseres Volkes in seine historische Heimat zu schaffen – unter internationalem Schutz und mit dem Recht auf politische Selbstverwaltung.
Dabei soll die Assyrische Autonomie nicht nur der Rettungsanker für unser eigenes Volk sein – sondern auch ein Zufluchtsort für andere verfolgte orientalische Christen. Für Armenier, Chaldäer, Melkiten, Maroniten, syrisch-orthodoxe oder syrisch-katholische Gläubige – für alle, die in ihren Herkunftsregionen religiös und ethnisch bedroht sind.
Unsere zentralen Forderungen:
Autonomie für das assyrische Volk im „kleinen assyrischen Dreieck“ (Ninive-Ebene, Dohuk/Nohadra)
Rückkehrrecht und aktive Förderung der Rücksiedlung vertriebener Assyrer
Wiederaufbau zerstörter Dörfer, Kirchen, Schulen und kultureller Einrichtungen
Anerkennung der Assyrer als indigenes Volk des Irak
Schutz durch internationale Menschenrechtsorganisationen und kirchliche Partner
Bewahrung unserer Sprache, Religion und Identität in der Heimat und in der Diaspora
Zufluchtsrecht für orientalische Christen, die in ihren Herkunftsregionen keine Sicherheit mehr finden
Ein Aufruf an Europa – das Schweigen muss enden
Die Assyrische Autonomie Bewegung appelliert an die Verantwortung Europas – besonders an christliche Parteien, Kirchen und Menschenrechtsorganisationen. Ein Volk, das über 6000 Jahre Geschichte trägt, darf nicht im 21. Jahrhundert im Schweigen verschwinden.
Solidarität statt Schweigen
Wir stehen für Dialog, nicht für Konfrontation. Für Recht, nicht für Rache. Für Heimat, nicht für Hass. Die Assyrische Autonomie Bewegung versteht sich als friedliche, demokratische Stimme eines überlebenden Volkes – und ruft zur gemeinsamen Verantwortung auf.
Kontakt:
Assyrische Autonomie Bewegung e. V.
Vorsitzender: Majed Bahi
Unterstützt durch:
Assyrischer Kulturverein e. V. Saarlouis
Vorsitzender: Charli Kanoun
📧 E-Mail: kanouncharli@outlook.com
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