Ausstellung junger Westen in Recklinghausen
Die Ausstellung „Kunstpreis junger Westen 2025 – Malerei“ ist derzeit in der Kunsthalle Recklinghausen zu sehen.
Der Kunstpreis junger westen nach der gleichnamigen Künstlergruppe benannt: Die Maler Emil Schumacher, Thomas Grochowiak, Heinrich Siepmann, Hans Werdehausen, Gustav Deppe sowie die Bildhauer Ernst Hermanns und Hermann Breucker gründeten die Gruppe 1948 in Recklinghausen. Ihr Ziel? Den in der Zeit des Nationalsozialismus verlorenen Anschluss an die Kunst der Moderne wiederherzustellen.
Die Gruppe löste sich 1962 auf.
Der Kunstpreis ist die älteste kommunale Auszeichnung für Kunst nach 1945 in Deutschland. 1948 von der Stadt Recklinghausen gestiftet, ist er seit 1956 öffentlich ausgeschrieben und wird alle zwei Jahre in wechselnden Kategorien vergeben, 2025 für Malerei.
Die Jury wählte aus 690 Bewerbungen 22 Künstler für die Ausstellung aus: Annabelle Agbo Godeau, Johanna Ehmke, Nicholas Grafia, Rahel grote Lambers, Monilola Olayemi Ilupeju, Lucas Kaiser, Tobias Kerger, Jody Korbach, Gašper Kunšič, Sojeong Lee, Janis Löhrer, Line Lyhne, Sol Namgung, Minh Phuong Nguyen, Matthias Noggler, Aduni Ogunsan, Jan-Luka Schmitz, Tariano Schneider, Rui Suzuki, Kiriakos Tompolidis, Salwa Wittwer und Seoyoung Yun.
Zugleich wählte sie Jeehye Song zur Trägerin des mit 20.000 Euro dotierten Kunstpreises. Ihre Kunst wird in der Mitteletage, also im 1. Obergeschoß ausgestellt. Die übrigen Teilnehmer sind im Erdgeschoß (einschließlich Eingangsbereich) sowie im 2. Obergeschoß zu sehen.
Ich gestehe es gerne: Ich habe noch nie von Song gehört. Daher habe ich mal auf der Weltnetz-Startseite des Museums nachgeschaut. „Jeehye Song schloss 2021 ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschülerin von Prof. Andreas Schulze ab. Sie erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen und Förderungen im In- Ausland. Ebenso konnte sie Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland realisieren, darunter u.a. Deutschland, Dänemark, Finnland, Italien, Südkorea und den USA. Bereits 2019 war sie in der Ausstellung zum Kunstpreis junger westen für Malerei vertreten und 2024 auf der Shortlist für den Paula Modersohn-Becker Kunstpreis,“ wird sie dort vorgestellt.
Dr. Nico Anklam ist nicht nur Museumsdirektor, sondern auch Kurator dieser Ausstellung. „In vielen Arbeiten scheint sich das Bild gleichsam vor unseren Augen zu formen oder aufzulösen: ein Prozess, der nicht nur technische Virtuosität belegt, sondern auch die künstlerische Positionierung selbst zum Thema macht. Wer malt hier eigentlich? Was bedeutet es heute, ein Bild zu schaffen? Welche Rolle spielt die Künstlerin im Spannungsfeld von Autorschaft, Narration und Repräsentation? Jeehye Song beantwortet diese Fragen zwar mit konkreten Bildern, aber zugleich mit einer offenen, assoziativen Bildsprache, die den Betrachtenden Raum lässt. Ihre Malerei ist weder selbstgenügsam noch affirmativ, sondern sucht nach einer Haltung,“ stellt er dabei auch das künstlerische Schaffen der Dame vor. Daß sie 1991 in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul geboren wurde, sei hier nur am Rande erwähnt.
Die Ausstellung zeigt großformatige, oft sehr farbenfrohe Bilder, teilweise figürlich, teilweise abstrakt. Anklam kehrt mit dieser Ausstellung zu den Anfängen zurück, wie sie von Ferdinand Ullrich und Hans Jürgen Schwalm vorgegeben und zumindest bei mir in Erinnerung geblieben sind. Im Jahr des 75. Jubiläums der Kunsthalle Recklinghausen wird zugleich die 40. Auflage des Preises gefeiert. Der Kulturpreis junger westen war eigentlich dazu gedacht, Kunst und Kultur mit regionaler Verankerung auszuzeichnen. Dieser Ansatz ist zumindest ansatzweise gelungen. Die gezeigten Kunstwerke könnten auch von jungen heimischen, zeitgenössischen Künstlern aus dem Vest (also der Region) stammen.
Eine weitere positive Nachricht sei an dieser Stelle auch erwähnt: Durch zusätzliche Förderung des Rotary Club Recklinghausen und der Ulrike und Bernd Tönjes Stiftung, konnte das Preisgeld seit 2023 von 10.000 auf 20.000 Euro erhöht werden. Diese Aufstockung bleibt für die nächsten Wettbewerbe bis 2031 bestehen.
Es bleibt dem Museum zu wünschen, daß der Bezug zur Region erhalten bleibt – er machte in den Jahren vor Anklam immer den Reiz der Ausstellungen aus. Möchte das Vest internationale Avantgarde und modischen Schnickschnack sehen, kann es gerne ins Rheinland kommen und sich die Museen dort anschauen.
Bürgerreporter:in:Andreas Rüdig aus Duisburg |
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