Affinities in der Kunsthalle Recklinghausen
Die Ausstellung „Affinities Neue Begegnungen in der Sammlung der Kunsthalle Recklinghausen“ ist im Winter 2025 / 2026 zu sehen.
„Den Abschluss des 75. Jubiläumsjahres der Kunsthalle bildet die Ausstellung „Affinities“, die Werke aus der eigenen Sammlung der Kunsthalle, des ehemaligen Vestischen Museums und des Ikonen-Museums mit national und international bekannten Künstler*innen als Gästen im Haus kombiniert. Alle Werke stehen in Bezug zur Ausstellungsgeschichte des Hauses, zu kuratorischen Ideen, oder Displays von den Anfängen der Kunsthalle bis in die Gegenwart. Gezeigt werden sie über klassische Epochen- und Genrefragen hinaus als ästhetische Verwandtschaften. Und diese Beziehungen sollen als Affinitäten zueinander verstanden und präsentiert werden.
In Rückbezug auf Thomas Grochowiaks bahnbrechenden Ausstellungen an der Kunsthalle Recklinghausen in den 1950er Jahren, oder die großen monografischen Projekte der 1990er Jahre in Recklinghausen mit Einzelausstellungen von Per Kirkeby oder Jannis Kounellis, mit einem Blick für kuratorische Konzepte wie Harald Szeemanns When Attitudes Become Form (1969) in Bern oder Danh Vos Slip of the Tongue (2015) in Venedig will diese Ausstellung einen kaleidoskopischen Rückblick und eine perspektivische Aussicht für die Kunsthalle und die in ihr gezeigte Kunst bieten,“ stellt die Kunsthalle die Kunstpräsentation in ihremWeltnetzauftritt vor.
Zu sehen gibt es Søren Aagaard, Marina Apollonio, Katja Aufleger, Noémi Barbaglia, Béatrice Balcou, Marianne Berenhaut, Erich Bödecker, Hal Busse, Vivian Ellis, Ayşe Erkmen, Ângela Ferreira, Isabella Fürnkäs, Christine Gironcoli, Katharina Grosse, Dor Guez, Flo Kasearu, Barbara Kasten, Tadeshi Kawamata, Per Kirkeby, Mischa Kuball, Sigalit Landau, Jeewi Lee, Julio Le Parc, James Lewis, Heinz Mack, Paola Siri Renard, Anahita Razmi, Michael Sailstorfer, Morgaine Schäfer, Mona Schulzek, Berit Schneidereit, Franz Erhard Walther, Andy Warhol sowie Werke aus dem Ikonen-Museum und dem ehemaligen Vestischen Museum Recklinghausen.
Soweit zur Theorie. Und wie sieht die Praxis aus? Machen wir uns auf den Weg nach Recklinghausen.
Das Museum liegt direkt gegenüber dem örtlichen Hauptbahnhof sowie in unmittelbarer Näöhe zum Busbahnhof. Eine Anreise mit einem Personenkraftwagen ist also nicht nöglig.
Das Museum ist – von den Toiletten einmal abgesehen – barrierefrei nutzbar. Es gibt einen Personenaufzug in die beiden oberen Stockwerke. Möchte ein mobilitätseingeschränkter Nutzer die Aborte im Keller nutzen, ist es ratsam, an der Kasse im Eingangsbereich um Hilfe zu bitten; dort gibt es freundliches, hilfsbereites Personal, das gerne mit Rat und Tat zur Seite steht.
Mit Stand März 2026 kann der Museumsnutzer samstags selbst entscheiden, ob und wieviel Eintrittspreis er entrichtet.
Doch nun zur eigentlichen Ausstellung. Was erwartet den Besucher? Zu sehen gibt es Malerei genauso wie Zeichnung, kinetische Kunst, Video, Lichtkunst sowie Bildhauerei / Skulptur. Erstaunlicherweise fehlt Fotographie.
Die Ausstellung erstreckt sich über das Erdgeschoß sowie 1. + 2. Obergeschoß. Nico Anklam nutzt – als Kurator der Ausstellung – im Erdgesch0ß und 1. Stock die ganze Breite des Raumes in dem ehemaligen Hochbunker. Die spärliche Ausstattung mit Ausstellungsstücken hinterläßt einen luftigen Eindruck.
Im 2. Obergeschoß ist die Situation schon ein wenig anders. Dort unterteilen großformative Stellwände den Raum und dunkeln die Fenster zur Straßenseite ab. Ohne daß es düster oder dunkel wäre, sind hier beispielsweise die Leihgaben aus dem Ikonen-Museum zu bewundern.
Einen Ausstellungskatalog gibt es (leider) nicht. Dafür macht es aber Sinn, das Begleitheft käuflich an der Kasse zu erwerben (Preis: den symbolischen 1 Euro).
(ein persönlicher Kommentar)
An dieser Stelle sei ein großes Lob an die Herren Ferdinand Ullrich und Hans-Jürgen Schwalm erlaubt. In ihrer Eigenschaft als Museumsdirektoren brachten sie uns Bürgerreportern Wertschätzung entgegen und ermöglichten uns auch in schwierigen Zeiten einen Museumsbesucht.
Bei Anklam ist dies offensichtlich anders. Wer sich – als Besucher – nicht auf der Ebene Universitätsprofessor, Kirchenfürst, Wirtschaftsmagnat, Mäzen oder Ministerialbürokratie bewegt, ist seiner nicht würdig und wird hinauskomplimentiert.
Ihm fehlen vor Ort auch Geldgeber für die Museumspädagogik. Hörstationen? Ein Museumskino? Hörmuseumsführer? Ausliegende Exemplare von Ausstellungskatalogen? Andere zeitgenössisch – moderne Informationsquellen für Besucher? Lesetexte an den Wänden? Sie fehlen völlig. Der Bücherladen am Eingang sowie die sonntäglichen Führungen können sie nicht ersetzen.
Schwalm und Ullrich folgten dem Adenauer`schen Grundsatz „Keine Experimente“. Sie boten gutbürgerliche, bodenständige Kunst, die im Vest verhaftet war
Anklam hat dies alles über den Haufen geworfen. Unter seiner Ägide ist die Kunsthalle künstlerisch nicht wiederzuerkennen. Diese hier vorgestellte Ausstellung macht deutlich: Recklinghausen muß aufpassen, daß nicht ein ausgezeichneter Standort für Kunstpräsentationen leichtfertig verspielt wird.
Bürgerreporter:in:Andreas Rüdig aus Duisburg |
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