Der Metzger, der blieb und mehr als Farbe fand
Satire von Andreas Ingramm, der heute in die Rolle eines Metzgers schlüpft, der nach dem Beruf seine künstlerische Ader - die er immer hatte - jetzt voll auslebt.
- Künstler Manfred Dahmen, hier mit HA SCHULT vor seinem Atelier "Amt für weiterbildende Fantasie" in der Ruhrtalstadt Mülheim in Nordrhein-Westfalen.
Dahmen stammt aus einer bekannten Kölner Metzgerfamilie, die ihn früh einspannte. Aber Dahmen hatte sich schon immer der bildenden Kunst verschrieben, die er heute in allen Facetten auslebt. - Foto: Andreas Ingramm während der Vernissage HA SCHULT "Bildboxes" in der RuhrGallery
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Der Metzger, der blieb – und mehr als die Farbe fand
Satire von Andreas Ingramm, der heute in die Rolle eines Metzgers schlüpft, der nach dem Beruf seine künstlerische Ader - die er immer hatte - jetzt voll auslebt.
Weißt du, irgendwann war Schluss damit, mich kleinmachen zu lassen. Nicht von Künstlern, nicht von Kuratoren, nicht von Leuten, die nervös werden, sobald jemand ein Messer richtig herum hält.
Ich habe beschlossen: Ich male. Punkt. Nicht blutig, nicht grau, nicht durch irgendeinen Fotokurs weichgespült. Ich wollte Farbe, die lebt. Farbe, die nicht flüstert, sondern singt. Etwas Rohes, das trotzdem fertig ist. Direkt. Ehrlich. Schön – ohne sich zu entschuldigen.
Der Moment, in dem ich begriff: Ich darf das
Als die Weltkünstlerin aus Buenos Aires vom Abendessen nach der Vernissage in der Ruhr Gallery zurückkam und sagte: „Die Mülheimer Künstler meinen: Der Metzger muss weg“ – ja, das hat gestochen. Aber dann dachte ich: Vielleicht muss der Metzger gar nicht weg. Vielleicht muss er nur anfangen, das zu tun, was er wirklich will.
Also habe ich hatte das Messer ja schon vor Jahren hingelegt und den Pinsel aufgenommen. Und gemerkt: Beides sind Werkzeuge, um Formen zu schaffen. Nur dass die Farben nicht schreien – sie singen.
Malerei ohne Angst
Ich male nicht, um jemandem etwas zu beweisen. Ich male, weil es mich frei macht. Ich male nicht, um klug zu wirken. Ich male, weil Farbe nicht lügt. Ich male nicht, um in ein Konzept zu passen. Ich male, weil ich atme.
Und plötzlich war da etwas, das ich damals in all den Jahren hinter der Theke nie gespürt habe: Freude. Nicht die ruhige Zufriedenheit der Routine, sondern dieses helle, vibrierende Gefühl, wenn man etwas Neues wagt – und merkt, dass es trägt.
Roh. Fertig. Schön.
Ich merkte schnell, ich brauche keine Filter. Keine Nachbearbeitung. Keine langen Erklärungen. Ich male, wie ich arbeite: direkt, klar, mit Respekt vor dem Material.
Und weißt du was? Das Ergebnis ist nicht mittelmäßig. Es ist nicht „Metzgerkunst“. Es ist einfach Kunst.
Mein Ansporn
Ich habe gelernt: Man muss nicht in ein Atelier hineingeboren werden, um darin zu bestehen. Man muss nur den Mut haben, Farbe auf eine Leinwand zu setzen – und stehenzubleiben, auch wenn jemand sagt, man gehöre nicht dazu.
Ich gehöre dazu. Weil ich es will. Weil ich es mache.
Weil Kunst nicht fragt, welchen Beruf du vorher hattest.
Bürgerreporter:in:Villa Artis |
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